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10.12.2014

17:41 Uhr

Syrien

Russland will vermitteln, IS auf dem Vormarsch

In Syrien kämpft das Regime Al-Assads gegen eine Vielzahl zersplitterter Rebellengruppen. Nun will Russland in dem Konflikt vermitteln. Derweil hat die Terrormiliz IS mehrere wichtige Eroberungen im Nordirak gemacht.

Der syrische Vize-Außenminister Faisal Mekdad (links) mit seinem russischen Gegenstück Michail Bogdanow. dpa

Der syrische Vize-Außenminister Faisal Mekdad (links) mit seinem russischen Gegenstück Michail Bogdanow.

Erbil/DamaskusKämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben im Nordirak zum ersten Mal seit Wochen wieder eine für die Versorgung wichtige Region erobert. Die Dschihadisten nahmen nach Angaben irakischer Sicherheitsbeamter mehrere Orte nahe des rund 110 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bagdad gelegenen Samarra ein. Die Extremisten hätten die Region Dadschlia eingenommen und dabei neun Soldaten getötet, sagte ein irakischer Sicherheitsbeamter der Deutschen Presse-Agentur.

Das kurdische Peschmerga-Ministerium gab an, in dem seit einem halben Jahr andauernden Kampf gegen die IS-Miliz mehr als 700 Kämpfer verloren zu haben. Darüber hinaus seien 3564 Kämpfer verwundet worden, 34 gelten als vermisst, gab der Generalsekretär des Peschmerga-Ministeriums, Dschabar Jawar, am Mittwoch auf seiner Facebook-Seite bekannt.

In der syrischen Hauptstadt Damaskus kam der russische Vize-Außenminister Michail Bogdanow mit Präsident Baschar al-Assad zu Gesprächen zusammen. Nach Angaben aus Damaskus soll es in den Gesprächen um eine russische Initiative gehen, das syrische Regime mit oppositionellen Kräften an den Verhandlungstisch zu bringen. Russland gilt als Unterstützer Al-Assads im mehr als drei Jahre andauernden syrischen Bürgerkrieg.

Die internationale Koalition gegen den IS

Wie verschiedene Länder sich engagieren

Mehr als 40 Länder beteiligen sich nach Angaben von US-Präsident Barack Obama am Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Motive sind unterschiedlich und nicht jeder greift militärisch ein. Am Luftkrieg in Syrien beteiligen sich nur arabische Verbündete, im Irak sind auch Nato-Länder sowie Australien dabei.

USA

Die mächtigste Militärmacht der Welt organisiert die internationalen Luftangriffe. Ab August wurden zunächst IS-Stellungen im Irak bombardiert. Dabei kann sich Washington auf einen Hilferuf Bagdads berufen. Seit September kamen völkerrechtlich umstrittene Angriffe in Syrien hinzu. Sie galten neben dem IS auch der Al-Kaida-nahen Chorasan-Gruppe. Dabei werden auch Ölförderanlagen und Raffinerien gezielt zerstört. Nach US-Angaben sollten damit die Finanzquellen des IS ausgetrocknet werden. Seit dem 26. September bombardieren die USA auch IS-Stellungen bei der umkämpften Kurdenstadt Kobane in Nordsyrien. Die USA bilden zudem syrische Rebellen für den Kampf gegen den IS und die Regierung in Damaskus aus und liefern Waffen.

Arabische Staaten

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar und Jordanien unterstützen die USA bei Luftangriffen in Syrien. Die Golfmonarchien sind vom IS bedroht, dessen „Kalifat“ einen Anspruch auf Herrschaft über alle Muslime erhebt. Zugleich drängen sie die USA auch zum Sturz der syrischen Regierung, die ihrerseits gegen die Islamisten einen Kampf um Leben und Tod führt.

Türkei

Die türkische Regierung leistet weiterhin nur humanitäre Hilfe und hat nach eigenen Angaben rund 200.000 Flüchtlinge aus der umkämpften Region Kobane aufgenommen. Die Regierung in Ankara hat ein Mandat des Parlaments, militärisch in Syrien und dem Irak gegen Terrororganisationen vorzugehen. Sie fordert für ein Eingreifen aber eine umfassende internationale Strategie, die den Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad einschließt. Die Forderung nach einem Korridor für kurdische Volksschutzeinheiten durch die Türkei hat sie abgelehnt. Der Nato-Staat hat auch dem Anti-IS-Bündnis nicht die Nutzung türkischer Stützpunkte erlaubt.

Frankreich

Als erstes EU-Land hat Frankreich im August Waffen geliefert und auch Luftangriffe auf IS-Stellungen im Irak geflogen. Dazu kommt Waffen- und Ausbildungshilfe für die irakischen Kurden.

Großbritannien

Washingtons engster Verbündeter fliegt ebenfalls Luftangriffe im Irak. Das Mandat des Parlaments schließt den Einsatz von Bodentruppen aus und beschränkt sich auf Einsätze im Irak. London liefert zudem Waffen an die irakischen IS-Gegner und leistet humanitäre Hilfe.

Dänemark

Als einziges skandinavisches Land beteiligt sich Dänemark mit F16-Kampfflugzeugen am Kampf gegen den IS. Außerdem will Kopenhagen Militärausbilder entsenden.

Belgien

Für Luftangriffe gegen IS-Stellungen im Irak stellt Belgien sechs Jagdbomber vom Typ F-16 zur Verfügung. Zusammen mit den Kampfjets wurden rund 120 belgische Soldaten nach Jordanien verlegt.

Niederlande

Den Haag beteiligt sich mit sechs F-16 an dem Kampf. Zudem wurden rund 250 Soldaten nach Jordanien entsandt. Zusätzlich sollen 130 Militärausbilder irakische und kurdische Truppen ausbilden.

Australien

Australiens Luftwaffe beteiligt sich im Irak am Kampf gegen den IS. Dafür werden 600 Soldaten abgestellt. Die Basis ist Dubai.

Kanada

Kanada will sich an Luftangriffen gegen den IS im Irak beteiligen. Das Parlament erteilte der Regierung dafür ein Mandat.

Deutschland

Die Regierung schließt eine direkte Kriegsbeteiligung aus und beschränkt sich auf die Unterstützung der irakischen IS-Gegner. Dazu werden Infanteriewaffen wie Gewehre, panzerbrechende Waffen und andere Ausrüstungsgüter geliefert. Zudem werden irakisch-kurdische Kämpfer im Umgang mit Waffen und mit Minenräumgerät ausgebildet.

Anderweitiges Engagement

Länder wie ITALIEN, SPANIEN, GRIECHENLAND, BULGARIEN, TSCHECHIEN, die SLOWAKEI, PORTUGAL, POLEN oder NORWEGEN liefern Waffen, bilden Kämpfer gegen den IS aus oder leisten humanitäre Hilfe. Zypern stellt eine Basis für Luftangriffe zur Verfügung.

Israel

Ob sich der jüdische Staat am Kampf gegen den IS beteiligt, ist unklar. Ein hochrangiges Mitglied der Armee sagte, der jüdische Staat leite Geheimdiensterkenntnisse über den IS an die USA weiter.

Iran

Der Iran ist zwar nicht Teil der Anti-IS-Koalition, aber eines der ersten Länder, die den Irak und die Kurden mit Waffen beliefert haben. Laut Teheran wäre ohne diese frühe Hilfe schon der ganze Irak von der IS erobert worden. Anders als die Türkei und Saudi Arabien steht der Iran aber hinter Syriens Präsidenten Baschar al-Assad.

In dem Bürgerkriegsland kämpft das Regime Al-Assads gegen eine Vielzahl zersplitterter Rebellengruppen. Als eine der stärksten Kräfte hat sich die islamistische IS-Miliz entwickelt. Eine von den USA angeführte internationale Koalition bekämpft seit August im Irak und seit September auch in Syrien mit Luftschlägen den Vormarsch der Extremisten. Im Nordirak haben sich auch kurdische Peschmerga-Kämpfer dem IS entgegen gestellt.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

10.12.2014, 17:52 Uhr

Da gäbe es doch einmal die seltene Gelegenheit einer großen Koalition Rußland/USA im Kampf gegen den IS und noch manch weiteren Terror.
Sollten sie es schaffen, wäre dies u.U. ein gutes Zeichen für die Befriedung der Ukraine.

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