Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.05.2017

15:17 Uhr

Syrien

Tote bei Luftangriffen der Anti-IS-Koalition

Die US-geführte Koalition greift das nordostsyrische Al-Majadin an. Es gibt viele Tote – darunter Frauen und Kinder. Der Menschenrechtskommissar der Vereinten Nationen sieht Zivilisten verstärkt in Gefahr.

In Syrien wurde ein vierstöckiges Haus zum Einsturz gebracht. dpa

Luftangriff

In Syrien wurde ein vierstöckiges Haus zum Einsturz gebracht.

BaselBei erneuten Luftangriffen der US-geführten Anti-IS-Koalition sind im Osten von Syrien mindestens 35 Zivilisten getötet worden. Unter den Opfern in der Ortschaft Al-Majadin befinden sich laut Angaben der syrischen Staatsmedien und der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte Frauen und Kinder. UN-Menschenrechtskommissar Said Raad al-Hussein prangerte am Freitag an, dass Zivilisten zunehmend den Preis eskalierender Luftangriffe gegen die Terrormiliz Islamischer Staat zahlen müssten.

Nach Angaben der Beobachtungsstelle ereigneten sich die Angriffe am Donnerstagabend, als sich die Menschen in Al-Majadin für die Abendgebete auf den Weg in Moscheen gemacht hatten. 26 Menschen seien getötet worden, als im Zuge eines Luftangriffs ein vierstöckiges Wohnhaus eingestürzt sei, in dem die Familien von sieben IS-Kämpfern aus Syrien und Nordafrika gewohnt hätten. Neun weitere Menschen seien bei einem weiteren Luftangriff auf einem Markt getötet worden.

Die wichtigsten Akteure im Syrien-Krieg

Regierung

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad beherrschen die großen Städte des Landes. Syriens Armee hat im langen Krieg sehr gelitten, konnte die Rebellen aber dank massiver russischer und iranischer Hilfe in vielen Gebieten zurückdrängen, unter anderem aus der Großstadt Aleppo. Assad sitzt derzeit fest im Sattel.

Rebellen

Sie sind vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. Ihr Spektrum reicht von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten. Zu diesen gehören die mächtigen Gruppen Ahrar al-Scham und Dschaisch al-Islam. Moskau ist von seiner Forderung abgerückt, diese beiden auf die Terrorliste zu setzen. Dschaisch al-Islam wird in Genf an den Verhandlungen teilnehmen.

Politische Opposition

Sie ist zersplittert. Das wichtigste Oppositionsbündnis ist die Syrische Nationale Koalition in Istanbul, die in Genf mit Repräsentanten vertreten sein wird.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz beherrscht im Norden und Osten weiterhin riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in den vergangenen Monaten mehrere Niederlagen einstecken. Sie sind an keinerlei Verhandlungen beteiligt. Für sie und andere Terrorgruppen gilt auch die landesweite Waffenruhe nicht.

Al-Kaida

Auch die Al-Kaida-nahe Fatah-al-Scham-Front (Ex-Al-Nusra-Front) ist von der Feuerpause aufgenommen. Sie hat sich mit anderen Gruppen zu einer Allianz zusammengetan und kämpft mit anderen Rebellen um die Vorherrschaft im Nordwesten Syriens.

Die Kurden

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Allerdings sind weder die wichtigste Kurdenpartei PYD noch die größte Kurdenmiliz YPG in Genf dabei. Die Türkei betrachtet sie als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und bekämpft sie deshalb.

Russland

Moskau ist wichtigster Verbündeter der Regierung. Seit September 2015 fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind.

Iran

Teheran ist ein treuer Unterstützer der Assad-Regierung. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten. Auch die von Teheran finanzierte libanesische Schiitenmiliz Hisbollah sowie andere bewaffnete Gruppen sind in Syrien an Assads Seite im Einsatz.

Die Türkei

Sie ist mittlerweile der einflussreichste Partner der Rebellen. Ankara war neben Moskau maßgeblich daran beteiligt, dass es zu einer neuen Waffenruhe kam. Türkische Truppen sind in Nordsyrien im Einsatz, wo sie Rebellen im Kampf gegen den IS unterstützen.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Deutschland stellt unter anderem sechs Tornados für Aufklärungsflüge über Syrien und ein Flugzeug zur Luftbetankung. In den jetzigen Verhandlungen spielt der Westen nur eine Nebenrolle.

Die amtliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete ebenfalls von 35 Todesopfern. Die meisten von ihnen seien Frauen und Kinder gewesen, hieß es. Al-Majadin liegt nicht weit von der syrischen Grenze zum Irak entfernt.

Dieselben Zivilisten, die unter Beschuss und Massenhinrichtungen durch den IS litten, fielen auch den eskalierenden Luftangriffen zum Opfer, erklärte Al-Hussein in Genf. Dies sei besonders in den nordostsyrischen Provinzen Al-rakka und Dair as-Saur der Fall.

Kampf gegen den Terror: Nato tritt Koalition gegen Terrormiliz IS bei

Kampf gegen den Terror

Nato tritt Koalition gegen Terrormiliz IS bei

Die Nato-Staaten haben sich auf einen Beitritt der Allianz zur internationalen Anti-IS-Koalition geeinigt. Eine direkte Beteiligung an Kampfeinsätzen soll aber vorerst ausgeschlossen bleiben.

„Leider wird dem entsetzlichen Dilemma der in diesen Gebieten eingeschlossenen Zivilisten von der Außenwelt kaum Beachtung geschenkt“, sagte Al-Hussein. Er forderte die Koalition auf, genauer zwischen militärischen und zivilen Zielen zu unterscheiden.

Berichte über zivile Opfer haben zugenommen, seit im Norden und Osten Syriens immer heftiger gegen den IS gekämpft wird. Der aus Ostsyrien stammende oppositionelle Aktivist Omar Abu Laila berichtete, dass es am Freitagmorgen weitere Luftangriffe in Al-Majadin gegeben habe.

Von

ap

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Paul Kersey

26.05.2017, 15:38 Uhr

Es klingt brutal, aber wer als Familie mit IS Kämpfern zusammen lebt, muss damit rechnen getötet zu werden. Auch dann, wenn man als entführte Sex-Sklavin gezwungen wurde mit einem Kämpfer zusammenleben zu müssen. Es gibt keinen sauberen Krieg. Und es gab nie einen.

Herr Peter Bast

26.05.2017, 17:46 Uhr

Paul Kersey, das meinen Sie aber jetzt nicht wirklich im Ernst?? Wie verroht muss man sein, sowas überhaupt zu denken. Dann sind wohl die Opfer in Manchester auch Koloteralschaden? Also dass das HB solche Kommentare zu lässt..Wohin sind wir gekommen?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×