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28.06.2017

13:03 Uhr

Syrien

Türkei droht mit zweitem Einmarsch

VonOzan Demircan

Der Streit um die Vorherrschaft in Nordsyrien eskaliert erneut. In der Nacht auf Mittwoch bombardierte das türkische Militär kurdische Stellungen. Staatschef Erdogan droht unter anderem den USA.

Zwischen der türkischen Armee und den in Syrien kämpfenden Kurden kommt es wieder zu Auseinandersetzungen. dpa

Türkische Panzer an der syrischen Grenze (Archivbild)

Zwischen der türkischen Armee und den in Syrien kämpfenden Kurden kommt es wieder zu Auseinandersetzungen.

IstanbulDas türkische Militär hat nach eigenen Angaben in der Nacht auf Mittwoch Ziele der kurdischen Miliz YPG im Norden Syriens zerstört. Die Armee habe auf einen Angriff von kurdischen Kämpfern auf von der Türkei unterstützte Truppen reagiert, teilte sie mit. Die kurdischen sogenannten Volksverteidigungseinheiten (YPG) hätten in der Nacht zum Mittwoch von Syrien aus türkisches Gebiet mit Flugabwehrwaffen angegriffen. Die türkische Artillerie habe die Attacke erwidert und die „erkannten Ziele“ zerstört, hieß es.

Der Knall der Artilleriegeschosse sei bis in die gut 50 Kilometer entfernte türkische Grenzstadt Kilis hörbar gewesen, berichtet der türkische Fernsehsender Habertürk. Über Opfer bei dem Feuergefecht wurde zunächst nichts bekannt.

Nach dem ersten Einmarsch türkischer Truppen in Syrien im August 2016 könnte die Türkei nun erneut in die syrische Kriegsspirale hineingezogen werden. Bereits vor einer Woche wurde bekannt, dass Ankara weitere Militäreinheiten in Richtung Syrien schickt. Damals waren Fotos veröffentlicht worden, die Militär-Lastwagen und gepanzerte Fahrzeuge auf der Landstraße zwischen Kilis auf der türkischen und Aleppo auf der syrischen Seite zeigen.

Die wichtigsten Akteure im Syrien-Krieg

Regierung

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad beherrschen die großen Städte des Landes. Syriens Armee hat im langen Krieg sehr gelitten, konnte die Rebellen aber dank massiver russischer und iranischer Hilfe in vielen Gebieten zurückdrängen, unter anderem aus der Großstadt Aleppo. Assad sitzt derzeit fest im Sattel.

Rebellen

Sie sind vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. Ihr Spektrum reicht von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten. Zu diesen gehören die mächtigen Gruppen Ahrar al-Scham und Dschaisch al-Islam. Moskau ist von seiner Forderung abgerückt, diese beiden auf die Terrorliste zu setzen. Dschaisch al-Islam wird in Genf an den Verhandlungen teilnehmen.

Politische Opposition

Sie ist zersplittert. Das wichtigste Oppositionsbündnis ist die Syrische Nationale Koalition in Istanbul, die in Genf mit Repräsentanten vertreten sein wird.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz beherrscht im Norden und Osten weiterhin riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in den vergangenen Monaten mehrere Niederlagen einstecken. Sie sind an keinerlei Verhandlungen beteiligt. Für sie und andere Terrorgruppen gilt auch die landesweite Waffenruhe nicht.

Al-Kaida

Auch die Al-Kaida-nahe Fatah-al-Scham-Front (Ex-Al-Nusra-Front) ist von der Feuerpause aufgenommen. Sie hat sich mit anderen Gruppen zu einer Allianz zusammengetan und kämpft mit anderen Rebellen um die Vorherrschaft im Nordwesten Syriens.

Die Kurden

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Allerdings sind weder die wichtigste Kurdenpartei PYD noch die größte Kurdenmiliz YPG in Genf dabei. Die Türkei betrachtet sie als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und bekämpft sie deshalb.

Russland

Moskau ist wichtigster Verbündeter der Regierung. Seit September 2015 fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind.

Iran

Teheran ist ein treuer Unterstützer der Assad-Regierung. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten. Auch die von Teheran finanzierte libanesische Schiitenmiliz Hisbollah sowie andere bewaffnete Gruppen sind in Syrien an Assads Seite im Einsatz.

Die Türkei

Sie ist mittlerweile der einflussreichste Partner der Rebellen. Ankara war neben Moskau maßgeblich daran beteiligt, dass es zu einer neuen Waffenruhe kam. Türkische Truppen sind in Nordsyrien im Einsatz, wo sie Rebellen im Kampf gegen den IS unterstützen.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Deutschland stellt unter anderem sechs Tornados für Aufklärungsflüge über Syrien und ein Flugzeug zur Luftbetankung. In den jetzigen Verhandlungen spielt der Westen nur eine Nebenrolle.

Das Ziel der türkischen Führung: Ankara will verhindern, dass sich kurdische Rebellengruppen entlang der türkisch-syrischen Grenzregion ausbreiten. Bislang halten YPG-treue Truppen den äußersten Nordwesten Syriens („Kanton Afrin“) besetzt, außerdem einen bis zu 80 Kilometer breiten Abschnitt im Nordosten Syriens („Kanton Rojava“), ebenfalls entlang der türkischen Grenze. Dazwischen kämpften im vergangenen Herbst türkische Truppen, um eine Verbindung der beiden kurdisch besetzten „Kantone“ zu verhindern. Doch die türkische „Operation Schutzschild Euphrat“ verlief aus Sicht der Türkei am Ende militärisch zwar erfolgreich, kostete aber 69 Soldaten das Leben.

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Im vergangenen Monat hatte sich die türkische Führung verärgert darüber gezeigt, dass die USA die YPG im Kampf gegen den Islamischen Staat in seiner letzten syrischen Hochburg Rakka mit Waffen versorgen. Die YPG ist im Kampf gegen die Extremistenmiliz in Syrien einer der wichtigsten Verbündeten der USA. Dies stößt in der Türkei auf Argwohn. Die Regierung in Ankara betrachtet die Miliz als verlängerten Arm der verbotenen Arbeiterpartei PKK, die seit den 1980er-Jahren Anschläge in der Türkei begeht.

Die PKK hat ein umstrittenes Image: Einerseits kämpft sie für mehr Autonomie der Kurden in der Türkei. Andererseits starben durch Angriffe der PKK in der Türkei rund 40.000 Menschen, darunter auch zahlreiche Kurden, die sich von der PKK abgrenzen wollten. Im „Kanton Afrin“ in Nordwestsyrien unterhält die PKK seit den 1990er-Jahren eigene Lager, in denen auch der mittlerweile inhaftierte PKK-Gründer Abdullah Öcalan früher Unterschlupf gesucht hatte.

Kommentare (7)

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Herr Günther Schemutat

28.06.2017, 13:19 Uhr

Da nun Erdogans Trick mit der IS die Kurden zu vernichten nicht mehr aufgeht, versucht er einen letzten Versuch die IS zu entlasten. Mit Deutschen Leo Panzern
geht er gegen die Kurden vor und ich verstehe die Russen und Syrien nicht , die
doch als Hampelmänner dastehen wenn sich Erdogan für die Zukunft Syrisches Land sichern will. Syrien wird immer mit der Türkei Quer liegen , warum also warten bis Erdogan große Gebiete erobert.

Russland versteht auch kein Mensch , die Strategie ist ab und zu ein paar Wattebäuschen werfen Hauptsache einen Stützpunkt im Mittelmeer. Freundschaftliche Hilfe ist das nicht ,im Gegenteil das ist Beihilfe gegen Syrien.

Herr Holger Narrog

28.06.2017, 15:20 Uhr

Die Türkei ist eine militärische und wirtschafltiche Grossmacht im Nahen Osten. Sie beherrscht den Zugang zum Mittelmeer/Schwarzem Meer. Eine kurdische Eigenständigkeit wird als Bedrohung für die Türkei aufgefasst. Die Kurden sind für die Türkei Feind Nr. 1 vor den Griechen.

Die Russen möchten gerne die Türkei als Verbündeten gewinnen da diese den Zugang Russlands zu den Weltmeeren beherrschet. Andererseits sind sie auch mit Assad in Syrien verbunden. Insofern ist es schwierig für die Russen eine Position zu finden.

Die Amerikaner möchten gerne die Türkei als Verbündeten behalten. Sie möchten den IS bekämpfen wobei die Kurden ihr bester Verbündeter sind.

Fr. Merkel und die Europäer haben aus seltsamen Gründen ein "Flüchtlingsabkommen" mit Erdogan geschlossen anstatt selbst die Grenzen zu sichern und Illegale zu deportieren. Die Türkei ist ewiges EU Beitrittland. Millionen Türken leben aufgrund der Geistesblitze europäischer Politik als Einwanderer in Westeuropa und verhalten sich als 5. Kolonne Erdogans.

Insofern sollte es wie in den vergangenen 100 Jahren niemanden geben der eindeutig auf Seiten der Kurden steht. Die Grossmächte werden halbherzig auf Erdogan einwirken die Invasion zu beenden.

Frau Lana Ebsel

28.06.2017, 15:40 Uhr

So lange die Türkei in der Nato ist, werden die Türken das ausnutzen und sich den Kurdischen Teil Syriens (und Iraks ?) in ihr geplantes großosmanisches Reich einverleiben. Zum Glück haben wir Trump. Der wird ihnen schon zeigen, wo der Hammer hängt.

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