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09.12.2016

11:28 Uhr

Syrien

Türkei entsendet 300 Elitesoldaten

Die türkische Armee will in Nordsyrien alle bewaffneten Gruppen aus der Grenzregion zurückdrängen. Doch die Eroberung der Stadt Al-Bab gestaltet sich als schwierig. Nun hat Ankara weitere 300 Elitesoldaten entsendet.

Panzer an der türkisch-syrischen Grenze: 300 Elitesoldaten schickt Ankara ins Krisengebiet. dpa

Syrien-Konflikt

Panzer an der türkisch-syrischen Grenze: 300 Elitesoldaten schickt Ankara ins Krisengebiet.

IstanbulAngesichts des erbitterten Widerstands der Dschihadisten in der syrischen Stadt Al-Bab hat die Türkei Medienberichten zufolge 300 weitere Elitesoldaten in das Nachbarland entsandt. Die Truppe seien von ihrem Stützpunkt im Westen der Türkei in Flugzeugen in die Grenzregion geflogen worden, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag. Der im September gestartete türkische Militäreinsatz „Schutzschild Euphrat“ war nach ersten Erfolgen zuletzt zunehmend ins Stocken geraten.

Die türkische Armee will mit der Intervention in Nordsyrien alle bewaffneten Gruppen aus der Grenzregion zurückdrängen. Dort soll eine Zone geschaffen werden, in der ein Teil der rund 2,7 Millionen syrischen Flüchtlinge angesiedelt werden kann, die Zuflucht in der Türkei gesucht haben. Außer gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) richtet sich der Einsatz auch gegen die syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), die eng mit der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbunden sind.

Die internationale Anti-IS-Koalition

Welche Länder beteiligen sich?

Nachdem der IS sich im Sommer 2014 in Syrien ausbreitete, beschlossen zehn Länder auf einer Nato-Konferenz ein Bündnis gegen die Terrormiliz. Heute gehören mehr als 60 Staaten zu der Allianz, darunter neben den USA auch Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die Türkei. Saudi-Arabien und andere arabische Staaten wie Jordanien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar haben sich dem Bündnis ebenfalls angeschlossen.

Quelle: dpa

Wie geht die Allianz vor?

Derzeit bekämpft die Allianz den IS vor allem in Syrien und im Irak, wenngleich sich der IS auch in Libyen festgesetzt hat. Nach eigenen Angaben hat die Koalition mehr als 12.000 Luftangriffe auf IS-Stellungen geflogen. Die USA bilden im Irak Soldaten der Armee und kurdische Kämpfer aus, Deutschland liefert Waffen und Ausrüstung für kurdische Peschmerga und leistet mit sechs Tornado-Flugzeugen Aufklärungsarbeit.

Welche Erfolge gibt es?

Die Dschihadisten sind in Syrien und im Irak massiv unter Druck geraten. Seit Beginn vergangenen Jahres hat der IS mehr als ein Drittel seines „Kalifat“ genannten Herrschaftsgebietes eingebüßt. Vor allem die Kurden haben den Extremisten mit Hilfe internationaler Luftunterstützung im Norden beider Länder große Gebiete abgenommen. Der irakischen Armee gelang es, den IS aus wichtigen Städten wie Ramadi und Falludscha zu vertreiben. Außerdem haben die Luftschläge die Ölinfrastruktur unter IS-Kontrolle stark zerstört, weshalb die Extremisten laut Analysten unter Finanzproblemen leiden. Dennoch beherrscht der IS noch große Gebiete in Syrien und im Irak.

Welche Rolle spielt die Türkei?

Um die Rolle der Türkei gibt es Streit. Die Türkei stellt seit Sommer vergangenen Jahres ihren Luftwaffenstützpunkt Incirlik der Allianz für den Luftkampf gegen den IS bereit. Ankara hilft auch bei der Ausbildung und hat nach eigenen Angaben kurdische Peschmerga bei der Großoffensive auf Mossul mit Artillerie unterstützt. Die Regierung in Bagdad lehnt eine türkische Militärpräsenz im Irak allerdings ab. Die türkische Führung wiederum weigert sich, ihre Soldaten abzuziehen.

Wann ist Mossul befreit?

Das ist schwer zu sagen, zumal die eigentlichen Kämpfe um die Stadt noch nicht begonnen haben. Bei dem Koalitionstreffen in Paris geht es jedoch schon darum, die politischen Weichen für die Zeit nach dem IS in Mossul zu stellen. Das Gesellschaftsgefüge ist fragil in Iraks zweitgrößter Stadt. Während die meisten Iraker Schiiten sind, ist die Mehrheit der Bevölkerung in Mossul sunnitisch wie der IS. Zudem lebten viele Christen dort. Der sunnitische türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan forderte bereits, dass nach dem Ende der Kämpfe keine Schiiten mehr in der Stadt leben sollten.

Nachdem es der türkischen Armee und den verbündeten syrischen Milizen in den ersten Wochen des Einsatzes gelungen war, die Städte Dscharablus, Al-Rai und Dabik von der IS-Miliz zu erobern, gestaltet sich die Eroberung von Al-Bab schwierig, da sich viele Dschihadisten dort gesammelt haben.

Bisher wurden 19 türkische Soldaten bei der Operation getötet, vier davon im November bei einem Luftangriff, für den die Türkei die syrische Luftwaffe verantwortlich macht. Wie viele türkische Soldaten an dem Einsatz beteiligt sind, hat Ankara nicht mitgeteilt.

Von

afp

Kommentare (1)

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Herr Peer Kabus

09.12.2016, 13:35 Uhr

Es ist schon irgendwie mehr als pervers, wenn die Türkei für in Syrien getötete
türkische Frontsoldaten das syrische Militär verantwortlich macht.

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