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26.10.2016

19:56 Uhr

Syrien

Türkei lehnt Einsatz in Aleppo ab

Türkische Truppen konzentrieren sich beim Einsatz in Syrien weiterhin auf die Grenzregion. Aus Aleppo halte man sich fern. Syrien habe weiterhin von der Türkei unterstützte Rebellen statt die IS-Miliz bombardiert.

Die türkische Armee bleibt in Syrien an den Grenzregionen stationiert. dpa

An Ort und Stelle

Die türkische Armee bleibt in Syrien an den Grenzregionen stationiert.

AnkaraDie Türkei will sich bei ihrem Einsatz im syrischen Bürgerkrieg nach eigenen Angaben auf die Grenzregion des Nachbarlandes konzentrieren. Die Operationen würden nicht in Richtung der umkämpften Stadt Aleppo ausgedehnt, sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch in Ankara. Es gehe darum, Terroristen in der Grenzregion nahe der Stadt Al-Bab zu bekämpfen. Aleppo liegt weiter südlich und wird seit Monaten von syrischen Regierungstruppen mit Unterstützung Russlands belagert.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu warf Syrien vor, von der Türkei unterstützte Rebellen zu bombardieren statt die radikalislamische IS-Miliz anzugreifen. Dadurch werde sich sein Land aber nicht vom Einsatz in Syrien abhalten lassen.

Nach Angaben der türkischen Armee wurden vermutlich aus syrischen Hubschraubern Fassbomben auf Rebellen abgeworfen, die von der Türkei im Kampf gegen den IS unterstützt werden. Die Aufständischen seien in der Nähe der Ortschaft Dabik angegriffen worden. Es habe zwei Tote und fünf Verletzte gegeben. Die Stadt war eine Hochburg des IS und wurde unlängst von Rebelleneinheiten erobert.

Die internationale Anti-IS-Koalition

Welche Länder beteiligen sich?

Nachdem der IS sich im Sommer 2014 in Syrien ausbreitete, beschlossen zehn Länder auf einer Nato-Konferenz ein Bündnis gegen die Terrormiliz. Heute gehören mehr als 60 Staaten zu der Allianz, darunter neben den USA auch Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die Türkei. Saudi-Arabien und andere arabische Staaten wie Jordanien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar haben sich dem Bündnis ebenfalls angeschlossen.

Quelle: dpa

Wie geht die Allianz vor?

Derzeit bekämpft die Allianz den IS vor allem in Syrien und im Irak, wenngleich sich der IS auch in Libyen festgesetzt hat. Nach eigenen Angaben hat die Koalition mehr als 12.000 Luftangriffe auf IS-Stellungen geflogen. Die USA bilden im Irak Soldaten der Armee und kurdische Kämpfer aus, Deutschland liefert Waffen und Ausrüstung für kurdische Peschmerga und leistet mit sechs Tornado-Flugzeugen Aufklärungsarbeit.

Welche Erfolge gibt es?

Die Dschihadisten sind in Syrien und im Irak massiv unter Druck geraten. Seit Beginn vergangenen Jahres hat der IS mehr als ein Drittel seines „Kalifat“ genannten Herrschaftsgebietes eingebüßt. Vor allem die Kurden haben den Extremisten mit Hilfe internationaler Luftunterstützung im Norden beider Länder große Gebiete abgenommen. Der irakischen Armee gelang es, den IS aus wichtigen Städten wie Ramadi und Falludscha zu vertreiben. Außerdem haben die Luftschläge die Ölinfrastruktur unter IS-Kontrolle stark zerstört, weshalb die Extremisten laut Analysten unter Finanzproblemen leiden. Dennoch beherrscht der IS noch große Gebiete in Syrien und im Irak.

Welche Rolle spielt die Türkei?

Um die Rolle der Türkei gibt es Streit. Die Türkei stellt seit Sommer vergangenen Jahres ihren Luftwaffenstützpunkt Incirlik der Allianz für den Luftkampf gegen den IS bereit. Ankara hilft auch bei der Ausbildung und hat nach eigenen Angaben kurdische Peschmerga bei der Großoffensive auf Mossul mit Artillerie unterstützt. Die Regierung in Bagdad lehnt eine türkische Militärpräsenz im Irak allerdings ab. Die türkische Führung wiederum weigert sich, ihre Soldaten abzuziehen.

Wann ist Mossul befreit?

Das ist schwer zu sagen, zumal die eigentlichen Kämpfe um die Stadt noch nicht begonnen haben. Bei dem Koalitionstreffen in Paris geht es jedoch schon darum, die politischen Weichen für die Zeit nach dem IS in Mossul zu stellen. Das Gesellschaftsgefüge ist fragil in Iraks zweitgrößter Stadt. Während die meisten Iraker Schiiten sind, ist die Mehrheit der Bevölkerung in Mossul sunnitisch wie der IS. Zudem lebten viele Christen dort. Der sunnitische türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan forderte bereits, dass nach dem Ende der Kämpfe keine Schiiten mehr in der Stadt leben sollten.

Die Türkei unterstützt seit zwei Monaten vor allem arabische und turkmenische Rebellen in Syrien mit Panzern und Kampfjets. So will die Regierung IS-Kämpfer von ihrer Grenze zu Syrien vertreiben und verhindern, dass kurdische Milizen Boden gutmachen. Die Regierung in Ankara befürchtet ein Erstarken der Kurden auch im eigenen Land.

In der vergangenen Woche hatte die syrische Armee erklärt, die Anwesenheit türkischer Soldaten auf dem Territorium sei eine gefährliche Eskalation und ein Bruch der Souveränität Syriens.

Von

rtr

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