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26.08.2016

02:22 Uhr

Syrien

Türkei schießt Granaten auf Kurden

Am Mittwoch hat die Türkei Panzer nach Syrien geschickt. Die Regierung macht keinen Hehl daraus, dass sie dort neben dem IS auch der kurdischen Miliz YPG beikommen will – und findet bereits einen Anlass zur Eskalation.

Pressefoto eines Panzers der türkischen Armee an der syrischen Grenze: Die Türkei hatte gefordert, dass die kurdische Miliz YPG sich aus dem Gebiet westlich des Euphrat zurückzieht. Reuters

Panzer auf dem Weg nach Dscharablus

Pressefoto eines Panzers der türkischen Armee an der syrischen Grenze: Die Türkei hatte gefordert, dass die kurdische Miliz YPG sich aus dem Gebiet westlich des Euphrat zurückzieht.

IstanbulDie türkische Armee hat am Donnerstagabend kurdische Stellungen in Nordsyrien mit Artilleriegranaten beschossen. Nach Angaben der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu vom frühen Freitagmorgen eröffneten die türkischen Streitkräfte das Feuer auf die Kurdenmiliz YPG. Unter Berufung auf Geheimdienstinformationen hieß es, die YPG habe sich nicht wie angenommen auf das Ostufer des Euphrats zurückgezogen, sondern habe versucht, Geländegewinne zu erzielen.

Ankara und Washington hatten von der Kurdenmiliz gefordert, ihre Einheiten in die Region östlich des Flusses Euphrat zu verlegen. Die Türkei hatte erklärt, sie werde ihren Militäreinsatz in Nordsyrien solange fortsetzen, bis die Kurden auf die andere Flussseite zurückgedrängt seien. Ankara will verhindern, dass die Kurden in Syrien ihr Herrschaftsgebiet weiter vergrößern und dort noch mehr Autonomie bekommen.

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US-Vizepräsident Joe Biden erklärte bei seinem Türkei-Besuch, die Kurdenmiliz YPG werde die US-Unterstützung verlieren, sollte sie Gebiete westlich des Euphrats nicht räumen. Einen Tag später beginnt sie mit dem Rückzug.

Anadolu hatte zuvor berichtet, US-Außenminister John Kerry habe seinem türkischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu in einem Telefongespräch am Donnerstag versichert, die Verlegung der kurdischen Verbände sei im Gange.

Der Sprecher der US-geführten internationalen Koalition, John L. Dorrian, erklärte, der Großteil der Demokratischen Kräfte Syriens habe sich östlich des Euphrats zurückgezogen. Einige Einheiten seien jedoch zurückgeblieben, um zusammen mit Anwohnern Sprengfallen zu beseitigen und sicherzustellen, dass es keine IS-Schläferzellen gebe. Bei den Demokratischen Kräften Syriens handelt es sich um ein Bündnis, das von der Kurdenmiliz YPG dominiert wird.

Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, Teile dieser Koalition hätten sich östlich des Flusses zurückgezogen. Die YPG selbst teilte mit, ihre Kräfte hätten die von ihr eingenommene Stadt Manbidsch westlich des Euphrats schon Mitte August an den lokalen Militärrat übergeben.

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Im Inneren der Türkei brodelt es: Die Erfolge der kurdischen Kämpfer im Kampf gegen den IS machen einen Kurdenstaat realistischer. Doch den will der türkische Präsident verhindern. Das schürt den Hass auf beiden Seiten.

Die YPG ist in Syrien im Kampf gegen den IS der wichtigste Partner der internationalen Koalition. Die Kurden haben von den Extremisten im Norden Syriens mit Luftunterstützung der Koalition große Gebiete erobert und dort eine Selbstverwaltung ausgerufen. Zudem kontrollieren die Kurden den größten Teil der Grenze zur Türkei.

Eine autonome kurdische Region an seiner Grenz zu Syrien wird von der Türkei als Bedrohung ihrer nationalen Sicherheit eingestuft. Sie betrachtet die YPG als Ableger der kurdischen Arbeiterpartei PKK, die seit dem Abbruch von Friedensverhandlungen vor einem Jahr wieder Anschläge in der Türkei verübt.

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