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10.05.2017

18:43 Uhr

Syrien

Türkei warnt USA vor Waffenlieferungen an Kurden

Im syrischen Bürgerkrieg setzen die USA im Wesentlichen auf lokale Verbündete, unter anderem Kurden. Der Nato-Verbündete Türkei sieht das gar nicht gern – und fühlt sich jetzt von Washington brüskiert.

Der türkische Ministerpräsident droht den USA mit negativen Folgen. AFP; Files; Francois Guillot

Binali Yildirim

Der türkische Ministerpräsident droht den USA mit negativen Folgen.

Beirut/IstanbulDie Türkei hat die USA vor der angekündigten Waffenlieferung an Kurden in Syrien gewarnt. Falls Washington auf die Empfindlichkeiten der Türkei keine Rücksicht nehme, werde dies auch für die USA negative Folgen haben, sagte Ministerpräsident Binali Yildirim am Mittwoch. Die Türkei könne eine direkte oder indirekte Unterstützung der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK nicht akzeptieren. Auch der türkische Staatspräsident Recep Tyyip Erdogan hat die USA dazu aufgefordert, von den Waffenlieferungen abzusehen. „Ich wünsche mir, dass noch bevor ich nach Amerika reise, von manchen Tatsachen, die bisher dargelegt und geäußert wurden, abgesehen wird“, sagte Erdogan. „Ich wünsche mir, dass so bald wie möglich von dem Fehler abgesehen wird.“

US-Präsident Donald Trump hatte Waffenlieferungen an die syrische Kurdenmiliz YPG genehmigt. Die USA betrachten die YPG als eine der wirkungsvollsten Kräfte im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat. Die Türkei sieht in ihr dagegen vor allem einen Arm der PKK, die für zahlreiche Anschläge in der Türkei verantwortlich gemacht wird.

Erdogan betonte weiter, man könne Terrororganisationen nicht mit Terrororganisationen bekämpfen. „Wir wollen daran glauben, dass unsere Verbündeten es bevorzugen, sich nicht an die Seite der Terrororganisationen, sondern an unsere Seite zu stellen“, sagte er.

Die Stunden, die zu Trumps Angriff in Syrien führten

Eine Rekonstruktion

Es ist unklar, ob Donald Trump vor dieser Woche jemals etwas über Chan Scheichun gehört hat. Aber was am Morgen des 4. Aprils in der syrischen Stadt passierte, sollte eine Entwicklung in Gang setzen. Es führte zu einer radikalen Kehrtwende des US-Präsidenten. Eine Rekonstruktion der Abläufe.

Dienstag, 04. April

Etwa 06.50 Uhr Ortszeit, Chan Scheichun, Syrien: Es kommt zu einem Vorfall mit Giftgas. Wenig später gibt es die ersten Berichte über Tote. Über Stunden kursieren immer neue Opferzahlen. Aktivisten sprechen davon, dass Jets der syrischen Luftwaffe die von Rebellen kontrollierte Stadt angegriffen haben.

10.30 Uhr Ortszeit, Washington: Im Weißen Haus kommt Trump mit seinen Sicherheitsberatern zusammen. Sie informieren ihn über den Vorfall in Syrien. Laut seinem Sprecher Sean Spicer bittet der Präsident die Runde, ihm weitere Informationen vorzulegen und ihn auf dem Laufenden zu halten.

Mittag: Spicer liest ein Statement vor, in dem die US-Regierung den Vorfall scharf verurteilt und den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad verantwortlich macht.

15.40 Uhr, Washington: Außenminister Rex Tillerson ruft Russland und den Iran in einer Erklärung dazu auf, ihren Einfluss auf die syrische Regierung geltend zu machen.

Mittwoch, 05. April

Zeitpunkt unklar: Trump weist seinen Verteidigungsminister James Mattis an, ihm militärische Optionen als Antwort auf den Angriff vorzulegen.

Donnerstag, 06. April

Zeitpunkt unklar: Trump entscheidet sich dafür, die Luftwaffenbasis Al-Schairat anzugreifen.

14.45 Uhr, Palm Beach: Trump landet in Florida, wo er sich mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping treffen will.

16.30 Uhr: Trump weist seinen Verteidigungsminister an, den Angriff auszuführen.

19.10 Uhr, Al Udeid Air Base Katar: US-Militärs informieren Russland vorab über den Angriff. Beide Seiten haben einen Kommunikationskanal, mit dem sie sich über Militärflüge und Angriffe über Syrien austauschen, um Zwischenfälle zu vermeiden.

19.40 bis 20.40 Uhr: Von zwei Kriegsschiffen im Mittelmeer werden 59 Marschflugkörper abgeschossen.

21.15 Uhr, Ressort Mar-a Lago: Trump kommt mit seinen Sicherheitsberatern zusammen.

21.43 Uhr: Trump tritt vor die Presse. Er sagt, er habe einen gezielten Angriff auf einen Flugplatz in Syrien angeordnet. Das liege im nationalen Sicherheitsinteresse der USA. Er schließt mit den Worten: „Gute Nacht. Gott segne Amerika und die ganze Welt. Danke.“

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte, jede Waffe, die die YPG in Syrien erreiche, sei eine Bedrohung der Türkei. Es gebe keinen Unterschied zwischen der YPG und der PKK.

Vizeregierungschef Nurettin Canikli nannte Waffenlieferungen an die YPG inakzeptabel. Es sei nicht wahr, dass der Kampf gegen den IS nur mit der Unterstützung der kurdisch-syrischen Kämpfer erfolgreich sei, zitierte ihn die Tageszeitung „Hürriyet“. Er hoffe, dass Washington die Entscheidung zurücknehme.

Eine ranghohe Vertreterin der kurdisch geführten Demokratischen Kräfte Syriens, SDF, begrüßte die Entscheidung der USA. Diese bedeute, dass die Gruppe nun dazu bestimmt sei, die Stadt Al-Rakka vom IS zurückzuerobern, sagte sie der Nachrichtenagentur AP. Die YPG ist den SDF unterstellt. Gleichzeitig erklärte sie, dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan vermutlich aggressiv auf die Entscheidung reagieren dürfte. Trump und Erdogan werden sich kommende Woche in Washington treffen.

Kommentare (2)

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Herr Paul Kersey

10.05.2017, 16:46 Uhr

Irgendjemand muss ja in den bewaffneten Widerstand gehen.

Herr Marc Hofmann

10.05.2017, 17:18 Uhr

Der gesamte Westen sollte sich radikal aus allen islamischen Ländern raushalten. Sollen die Russen sich dort mit Schiieten, Sunniten und sonstwas die Hucke vollbomben. Wir machen da nicht mehr mit. Die Europäische Grenze wird zwischen Griechenland und der Türkei dicht gemacht. Keine weiteren Verschwippfschwägerungen mehr mit Klein- und Gross-Ajathollas, Saddams und sonstigen Öl-Paschas. Öfters mal wieder Pizza und Bami Goreng Essen. Es gibt auch ein Leben ohne Döhner. Danke.

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