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24.07.2015

09:05 Uhr

Syrien

Türkische Kampfflugzeuge greifen IS-Stellungen an

Lange hatten die Verbündeten die Türkei dazu gedrängt, aktiv gegen die Terrormiliz Islamischer Staat vorzugehen, allen voran die USA. Erstmals bombardieren nun türkische Kampfflugzeuge Stellungen der Miliz in Syrien.

Nach Anschlag in Suruc

Türkei kämpft gegen IS-Anhänger

Nach Anschlag in Suruc: Türkei kämpft gegen IS-Anhänger

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AnkaraTürkische Kampfflugzeuge haben erstmals Angriffe auf Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im benachbarten Syrien geflogen. Das ist eine Kehrtwende in der bisherigen Syrien-Politik der Türkei, die eine aktive Rolle im Kampf gegen die militante Sunnitenorganisation en IS stets vermieden hatte.

Drei Kampfflugzeuge vom Typ F-16 seien am Freitag vor Sonnenaufgang vom Stützpunkt Diyarbakir aufgestiegen und hätten Ziele im Norden des Nachbarlandes beschossen, teilte das Büro des Ministerpräsidenten am Freitag in einer Erklärung mit. „Die türkische Republik ist entschlossen, alle nötigen Maßnahmen zur nationalen Sicherheit zu ergreifen“, hieß es in der Mitteilung. Die Entscheidung für die Luftschläge sei auf einer Sicherheitskonferenz am Donnerstag getroffen worden.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Vorangegangen waren am Donnerstag Gefechte im türkisch-syrischen Grenzgebiet zwischen türkischer Armee und IS-Kämpfern. Dabei waren ein türkischer Soldat und mindestens ein Extremist getötet worden. Zu Wochenbeginn hatte ein verheerender Bombenanschlag mit 32 Toten die Türkei erschüttert. Die Regierung in Ankara sprach von Hinweisen auf einen IS-Selbstmordattentäter. Medienberichten zufolge handelte es sich dabei um einen 20-jährigen Mann türkischer Staatsbürgerschaft.

Aus US-Regierungskreisen verlautete zuvor, der Nato-Partner dürfe künftig den strategisch wichtigen Stützpunkt Incirlik für Luftangriffe nutzen. Von türkischer Seite gab es noch keine offizielle Stellungnahme.

Die Türkei gehört zwar dem US-geführten Bündnis gegen den IS an, hat aber die Nutzung Incirliks für Luftangriffe gegen die Dschihadisten bislang verweigert. Die Regierung in Ankara hatte gefordert, den Sturz des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zum Teil der Strategie des Bündnisses im Nachbarland zu machen.

Die Basis liegt in der Nähe der südosttürkischen Stadt Adana, etwa gut 100 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. Von Incirlik aus könnten die USA nicht nur mit Flugzeugen, sondern auch mit Kampfhubschraubern im Norden Syriens eingreifen.

Laut „New York Times“ gilt die neue Nutzungsvereinbarung auch für die osttürkische Kurdenmetropole Diyarbakir. Die Pentagon-Quelle bestätigte nicht, dass die Übereinkunft auch eine zweite Basis betreffe. Der IS beherrscht große Teile der Nachbarländer Irak und Syrien. Ankara hatte die Terrormiliz als Nachbar lange geduldet. Sowohl im In- als auch im Ausland wurde Ankara eine zu passive Haltung vorgeworfen.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Herr Marc Otto

24.07.2015, 11:00 Uhr

Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister
werd ich nun nicht los.

"In die Ecke,
Besen, Besen!
Seids gewesen.
Denn als Geister
ruft euch nur zu diesem Zwecke,
erst hervor der alte Meister."

Johann Wolfgang von Goethe

Herr Marcus T.

24.07.2015, 12:32 Uhr

"Das eben ist der Fluch der bösen Tat,
Daß sie, fortzeugend, immer Böses muß gebären."

Johann Christoph Friedrich von Schiller
Quelle: »Wallenstein. Die Piccolomini«, 1799

Beide Zitate/Gedichte passen bestens zur Politik unserer westlichen Regierungen und der Berichterstattung "unserer" Medien - speziell zum Thema Naher Osten, Rußland/Ukraine, Asylpolitik, Griechenland...

Frau Margrit Steer

24.07.2015, 14:09 Uhr

Na da wird es nicht lange dauern und Flinten-Uschi wird BW-Soldaten hinschicken
Dass die Türkei ständig alle IS-Kämpfer aus Europa durchgelassen hat, da redet keiner von

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