Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.07.2017

16:45 Uhr

Syrien

Wie Trump Putins Strategie übernimmt

VonPierre Heumann

US-Präsident Donald Trump hat laut einem Zeitungsbericht die verdeckten Waffenlieferungen der CIA an syrische Rebellen stoppen lassen. Ein Zugeständnis an Russlands Präsidenten Putin?

Trump und Putin

Gehen die beiden Staatschefs auf Kuschelkurs?

Trump und Putin: Gehen die beiden Staatschefs auf Kuschelkurs?

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Tel AvivMit diesem Schritt wendet sich US-Präsident Donald Trump in seiner Syrien-Strategie ganz klar von der seines Vorgängers Barack Obama ab. Fortan verfolgt Washington nicht mehr das Ziel, das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zu stürzen. Deshalb will Trump die verdeckten Waffenlieferungen der CIA an den syrischen Widerstand einstellen. Beobachter sehen darin eine signifikante Konzession an Moskau, die letztlich bedeute, dass Wladimir Putin in Syrien gewonnen habe.

„Trump verspielt in Syrien eine wichtige Karte“, kommentiert der israelische Syrien-Spezialist Moshe Maoz den Verzicht auf die CIA-Hilfe an die Rebellen. Washington sei Moskau in die Falle getappt, meint Charles Lister vom Middle East Institute: Die USA schwäche damit den moderaten Widerstand in Syrien und mache ihn verwundbar. Davon würden Assad, Russland sowie der Iran und die Hisbollah profitieren, die für das syrische Regime kämpfen.

Syrien: Trump stoppt Waffenlieferungen an syrische Rebellen

Syrien

Trump stoppt Waffenlieferungen an syrische Rebellen

Seit vier Jahren beliefert die CIA syrische Rebellen mit Waffen. US-Präsident Trump soll das Geheimprogramm Medienberichten zufolge nun gestoppt haben. Ein möglicher Grund könnte Russlands Präsident Wladimir Putin sein.

Die Rebellen, darunter auch die Free Syrian Army, erhalten zwar weiterhin Unterstützung von nicht-staatlichen Organisationen am Persischen Golf und können zudem auf medizinische Betreuung ihrer Verwundeten durch Israel zählen. Aber das Kräfteverhältnis habe sich durch den Rückzug der CIA insgesamt zu Ungunsten der Rebellen verschoben, sagen Beobachter in Beirut. Ohne die massive militärische Hilfe Russlands hätte Assad vermutlich nicht überleben können. Zudem wird der syrische Machthaber auch von Iran und Hisbollah unterstützt.

Vor vier Jahren hatte Obama ein CIA-Programm ins Leben gerufen, um Rebellen, die in Washington als moderat eingestuft wurden, mit Waffen und Munition zu versorgen. Die vom CIA trainierten Rebellen hatten den Auftrag, gegen Assad zu kämpfen und ihn zu beseitigen.

Die Syrien-Strategie Trumps, die sich weitgehend mit derjenigen Moskaus deckt, war bereits im April beschlossen worden. Jetzt wurde sie erstmals in der „Washington Post“ veröffentlicht. In den vergangenen Wochen hatte es in der US-Hauptstadt lediglich geheißen, der Sturz Assads sei keine Priorität mehr. Zudem haben sich jetzt die USA und Russland zusammen mit Jordanien auf Waffenstillstandszonen geeinigt. Eine erste gilt bereits für die südlichen Provinzen Daraa, Kuneitra und Sueida.

Dass die amerikanisch-russisch-jordanische Vereinbarung das Grenzgebiet zu Israel betrifft, sieht man in Jerusalem mit großer Sorge. Denn über Krieg und Frieden in einem Gebiet, das für Israel wichtig ist, wird diskutiert, ohne dass Israel mitreden kann und ohne dass israelische Interessen berücksichtigt werden. Das sei „verstörend“, meint ein hochrangiger Offizier. Zudem befürchtet Jerusalem, dass sich iranische Truppen oder deren Stellvertreter im syrischen Grenzgebiet ausbreiten werden, was aus israelischer Sicht eine ernste strategische Bedrohung ist.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Regime

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen am Mittelmeer. Syriens Armee hat allerdings viele Soldaten verloren und wird vor allem durch russische Kampfjets, iranische Kämpfer und die Schiitenmiliz Hisbollah unterstützt. Auch Verbände aus Afghanistan und dem Irak sollen aufseiten des Regimes kämpfen.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz hat in den vergangenen Monaten große Teile ihres Gebietes verloren, herrscht aber immer noch in vielen Städten entlang des Euphrats und in Zentralsyrien.

Rebellen

Unzählige Rebellengruppen kämpfen in Syrien - von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten, wie der früheren Nusra-Front. Immer wieder gehen die verschiedenen Truppen zeitweise Zweckbündnisse ein.

Kurden

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime in Damaskus.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt unter anderem sechs Tornados für Aufklärungsflüge.

Russland

Seit einem Jahr fliegt Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien und steht an der Seite von Machthaber Assad. Russland bekämpft offiziell den IS, greift aber den Angaben zufolge immer wieder auch moderate Rebellengruppen an, die Seite an Seite mit Dschihadisten kämpfen.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Nach Angaben Teherans sind Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden als militärische Berater der syrischen Armee im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern den Sturz Assads. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Die Türkei will eine größere Selbstbestimmung der Kurden in Nordsyrien verhindern.

Als Beleg für ihre Bedenken verweisen israelische Politiker auf die Freude in Teheran, mit der ein Sprecher des iranischen Außenministeriums die Einrichtung von Waffenstillstandszonen begrüßt hatte. Es wäre nützlich, wenn sie auf ganz Syrien ausgedehnt würden, hieß es dort. Iranische und russische Diplomaten würden darüber  „regelmäßig“ mit Moskau kommunizieren.

Experten bezweifeln allerdings, dass die Waffenruhe eine Chance hat. Eine definitive Lösung der syrischen Tragödie sei nämlich nicht im Interesse Putins, meint Anna Borshchevskaya vom Washington Institute. Sei der Bürgerkrieg einmal zu Ende, wäre die russische Präsenz in Syrien nicht mehr zu rechtfertigen. Kurzfristig könnte die Waffenruhe allerdings trotzdem halten. Daran, so Borshchevskaya, habe Putin wiederum ein Interesse, weil es mithelfen würde seine Zusammenarbeit mit Trump zu intensivieren.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Tomas Maidan

20.07.2017, 17:22 Uhr

Würg.

Herr Hans Henseler

20.07.2017, 17:30 Uhr

Wenigstens geben die Amerikaner jetzt mal zu, den Buergerkrieg in Syrien verursacht
und angeheizt zu haben. Ist doch mal ein Anfang.

Herr Hans Henseler

20.07.2017, 17:30 Uhr

Wenigstens geben die Amerikaner jetzt mal zu, den Buergerkrieg in Syrien verursacht
und angeheizt zu haben. Ist doch mal ein Anfang.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×