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20.01.2014

10:45 Uhr

Syriens Machthaber

Assad strebt weitere Amtszeit an

Syriens Präsident Assad krallt sich an die Macht. In einem Interview sagt er: „Die Chancen sind groß, dass ich kandidiere.“ Die Ankündigung ist aber nicht der Grund, warum die Friedenskonferenz plötzlich in Gefahr ist.

Syriens Machthaber Baschar al-Assad sagt: „Die Chancen sind groß, dass ich kandidiere.“ ap

Syriens Machthaber Baschar al-Assad sagt: „Die Chancen sind groß, dass ich kandidiere.“

DamaskusSyriens Präsident Baschar al-Assad strebt trotz Bürgerkrieg und internationalen Rücktrittsforderungen eine weitere Amtszeit an und hält die Beteiligung von Exilpolitikern am politischen Übergang für realitätsfern. „Ich glaube, dass mich nichts an einer Kandidatur hindert“, sagte Assad der Nachrichtenagentur AFP in einem Interview. „Wenn es gewünscht wird, werde ich nicht eine Sekunde zögern, es zu tun.“ Zusammengefasst heiße das für die im Juni vorgesehene Präsidentschaftswahl: „Die Chancen sind groß, dass ich kandidiere.“

Zugleich nannte es Assad drei Tage vor Beginn der Syrien-Friedenskonferenz am Genfer See unsinnig, Oppositionelle aus dem Exil an der künftigen Regierung zu beteiligen. „Sie kommen für eine halbe Stunde an die Grenze für eine Fotogelegenheit und flüchten dann, wie sollen sie also Regierungsmitglieder werden?“ Ein Minister könne sein Amt nicht aus dem Ausland ausüben, fuhr Assad in Anspielung auf die Koalition seiner Gegner fort, die ihren Sitz in der Türkei hat. „Solche Ideen sind völlig unrealistisch, man kann sie lediglich als Scherz betrachten.“

Darüber hinaus bestritt Assad jegliche Bürgerkriegsmassaker durch syrische Regierungstruppen und machte stattdessen die Rebellen für Gräueltaten gegen Zivilisten verantwortlich. „Der syrische Staat hat seine Bürger immer verteidigt“, sagte der 48-Jährige. Seine Gegner hätten „kein einziges Dokument“, dass derlei Taten durch syrische Regierungstruppen belege.

Assads Streitkräfte gehörten zu den stärksten der arabischen Welt

Truppenstärke

In der Theorie verfügen die Streitkräfte über 178.000 Soldaten, davon 110.000 beim Heer, 36.000 bei der Luftabwehr, 27.000 bei der Luftwaffe und 5000 bei der Marine. 2009 wurde die Truppenstärke noch auf 325.000 Mann geschätzt, davon 220.000 beim Heer. Überläufe, Desertionen und Verluste hätten die Zahl reduziert, schreiben die IISS-Experten. Einige Brigaden seien auch "verschwunden", weil sie als politisch wenig verlässlich betrachtet worden seien.

Paramilitär und Miliz

Neben den regulären Truppen verfügte Machthaber Baschar al-Assad 2009 über geschätzte 108.000 paramilitärische Kräfte, die meisten von ihnen in der Miliz der Baath-Partei. Die Einheiten spielen im Kampf gegen die Aufständischen eine große Rolle. Wie hoch deren Zahl gegenwärtig ist, kann das IISS nicht einschätzen.

Struktur

Das Heer verfügt regulär über sieben Panzerdivisionen, drei Divisionen Panzergrenadiere, zwei Divisionen Spezialeinheiten und eine Division der Republikanischen Garde, die für Damaskus zuständig ist. Als besonders effizient gelten die Spezialkräfte und die Republikanische Garde, ihre Mitglieder gehören wie Assad den Alawiten an. Zusammengenommen wird die Zahl der Elitesoldaten auf 50.000 geschätzt.


Ausrüstung

Das Material der Streitkräfte stammt überwiegend aus Russland oder noch aus der Sowjetunion. Vor den Kämpfen verfügte das Heer über 4950 Panzer. Die Zahl sei inzwischen deutlich reduziert, schätzt das IISS. Das Kommando für das beachtliche Raketenarsenal befindet sich in Aleppo im Norden des Landes. Die Marine hat zwei Fregatten zur Verfügung. Bei der Luftwaffe gibt es zwar noch 365 Kampfjets. Ein großer Teil der Luftflotte sei aber vermutlich nicht richtig einsatzbereit, heißt es in der Bestandsaufnahme des Instituts. Von den Kämpfen am wenigsten geschwächt sei vermutlich die Luftabwehr. Die Kapazität wird auf tausende Boden-Luft-Raketen aus russischer Produktion geschätzt, darunter auch einige modernere Waffen.

Unterdessen steht die Friedenskonferenz für Syrien zwei Tage vor ihrer geplanten Eröffnung wieder auf der Kippe. Die syrische Exil-Opposition erklärte am Montag, der Iran dürfe wegen seiner Unterstützung für die syrischen Regierungstruppen bei den geplanten Verhandlungen in der Schweiz nicht mit am Tisch sitzen. Wenige Stunden zuvor war bekanntgeworden, dass Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon den Iran zu der Konferenz im schweizerischen Montreux eingeladen hat.

Das Problem könnte jedoch nach Ansicht von Beobachtern noch aus der Welt geschaffen werden, falls sich der Iran vorab öffentlich zu den Prinzipien der Verhandlungen bekennen würde. Dazu gehört unter anderem die Bildung einer Übergangsregierung unter Beteiligung der Opposition.

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