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02.09.2014

09:37 Uhr

Syrische Islamisten

Bedingungen für Befreiung von UN-Soldaten

Die radikale Al-Nusra-Front hält seit vergangenem Mittwoch 45 UN-Soldaten aus Fidschi fest. Nun haben islamistische Rebellen erstmals Bedingungen für die Freilassung der Männer genannt.

Uno-Beobachter auf den Golanhöhen dpa

Uno-Beobachter auf den Golanhöhen

SuvaNach der Entführung von mehr als 40 auf den Golanhöhen stationierten Blauhelmsoldaten haben islamistische Rebellen erstmals Bedingungen für die Freilassung der Männer aus Fidschi genannt. Die Entführer von der islamistischen Al-Nusra-Front forderten eine Streichung ihrer Gruppierung von der Terrorliste der Vereinten Nationen, wie Fidschis Armeechef Mosese Tikoitoga am Dienstag in der Hautstadt Suva sagte. Die UN-Listung bedeutet für die syrische Rebellengruppe eine Reihe von Sanktionen und Einschränkungen.

Ferner fordern die Entführer dem Armeechef zufolge humanitäre Hilfen für eine von ihnen gehaltene Kleinstadt nahe Damaskus sowie Kompensationen für drei ihrer bei Gefechten verletzten Kämpfer. Dies seien die offiziellen an die UNO übermittelten Forderungen der Al-Nusra-Front, sagte Tikoitoga. Nach unbestätigten Medienberichten aus Fidschi verlangen die Islamisten zudem die Freilassung des früheren Al-Kaida-Führers Abu Mussab al-Suri, auch bekannt als Mustafa Setmariam Nasar. Dieser war im Jahr 2005 in Pakistan festgenommen worden und wird derzeit von den syrischen Behörden festgehalten.

Den Armeeangaben zufolge wurden am vergangenen Mittwoch insgesamt 45 Soldaten aus Fidschi entführt. Zuvor war die Zahl der Entführten mit 44 oder 43 etwas niedriger angegeben worden. Sie gehören der UN-Beobachtertruppe Undof an, die seit dem Jahr 1974 auf den zwischen Israel und Syrien geteilten Golanhöhen die Einhaltung des Waffenstillstands zwischen den beiden Staaten überwacht.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Der Armeechef veröffentlichte am Dienstag die Namen der Entführten und sagte, die Regierung habe in Suva ein Krisenzentrum für Angehörige eingerichtet. Demnach verschleppten die Entführer die Soldaten an einen unbekannten Ort außerhalb der umkämpften Gebiete und versicherten mehrfach, dass es ihnen gut gehe. Tikoitoga sagte, ein Verhandlerteam der Vereinten Nationen sei inzwischen vor Ort.

Die syrischen Rebellen hatten am Mittwoch den Grenzübergang Kuneitra zerobert und dabei auch die Undof-Soldaten aus Fidschi in ihre Gewalt gebracht. Philippinische Soldaten hingegen weigerten sich, aufzugeben. Sie hielten ihre Stellungen und konnten am Wochenende in Sicherheit gebracht werden. Zur Undof-Mission gehören derzeit etwa 1200 Soldaten aus Indien, Irland, den Niederlanden, Nepal, den Philippinen und Fidschi. Israel hatte nach dem Sechs-Tage-Krieg des Jahres 1967 Teile der Golanhöhen besetzt. Offiziell gehört der gesamte Höhenzug aber weiter zu Syrien.

Die UN-Soldaten auf den Golanhöhen gerieten seit dem Beginn des syrischen Bürgerkriegs bereits wiederholt unter Beschuss. Nachdem im vergangenen Jahr philippinische Soldaten vorübergehend von syrischen Rebellen verschleppt worden waren, erwog Manila ein Ende der Beteiligung am Undof-Einsatz. Erst vor wenigen Tagen wurde beschlossen, den Einsatz nach der Rückkehr der derzeit 331 Soldaten im Oktober nicht zu verlängern.

Von

afp

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

03.09.2014, 14:21 Uhr

Ist der Islamunterstützer Gauck nicht der geeignete Mann? Er sagt sicher Hilfe für die islamistischen Terroristen in Milliarden Höhe zu!!! U.A. Schulung der Terrorsisten für mehr Erfolg!!

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