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26.12.2011

19:43 Uhr

Syrische Stadt Homs

Heftige Kämpfe vor Besuch der Arabischen Liga

Die syrische Armee hat erneut die Stadt Homs unter Beschuss genommen, mindestens 23 Menschen kamen ums Leben. Eigentlich sollen die Truppen abziehen. Morgen reisen Beobachter der Arabischen Liga in die Stadt.

Ein Panzer in den Straßen von Homs. AFP

Ein Panzer in den Straßen von Homs.

BeirutTrotz der Zusagen an die Arabische Liga hat die syrische Führung die Niederschlagung der Proteste im Land mit aller Gewalt fortgesetzt. Die Armee setzte einen Tag vor der vereinbarten Überprüfung der Lage durch internationale Beobachter erneut Panzer in der Oppositionshochburg Homs ein. Mindestens 23 Menschen seien ums Leben gekommen, sagten Menschenrechtsgruppen laut Reuters.

Die Regierungstruppen hätten den dritten Tag in Folge Stadtteile von Homs unter Beschuss genommen, in denen vor allem Anhänger der Opposition lebten, erklärte die Syrische Beobachterstelle für Menschenrechte in London. Neben den Todesopfern seien mehr als 120 Menschen verletzt worden.

„Wir werden hier abgeschlachtet“, sagte ein Bewohner des Viertels Baba Amr in Homs, das die syrische Armee unter Beschuss nahm. Ein im Internet veröffentlichtes Amateurvideo zeigte drei Panzer im Einsatz in der Nähe eines Mehrfamilienhauses. Die Besatzung des einen Panzers feuerte aus einem Maschinengewehr in die Straße, der zweite schoss offenbar Granaten ab. In einer schmalen Straße lagen Menschen in ihrem Blut. Fahrzeuge brannten und Strommasten waren zerstört.

Anwohnern zufolge hat die Armee die Absperrung des Stadtviertels in den vergangenen zwei Tagen verschärft. Soldaten hätten Schützengräben aufgeworfen, die eine Flucht von Anwohnern oder oppositionellen Kämpfern verhinderten, sagten Augenzeugen. Ihren Angaben zufolge kommt es auf beiden Seiten zu Opfern: Es seien Ambulanzen mit verwundeten Soldaten zu sehen, sagte ein anderer Bewohner des Viertels.

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Am Dienstag sollen Beobachter der Arabischen Liga in Homs überprüfen, ob Präsident Baschar al-Assad wie zugesagt seine Truppen aus der drittgrößten Stadt des Landes abzieht. Ein erster Teil der Experten flog am Abend von Kairo aus nach Damaskus, wie Sicherheitskreise am Flughafen der ägyptischen Hauptstadt sagten. Zunächst hätten sich 60 Beauftragte der Arabischen Liga auf den Weg gemacht. „Fünfzig Beobachter und zehn Vertreter aus dem Sekretariat der Arabischen Liga.“ Das Staatenbündnis stellt insgesamt rund 150 Kräfte zur Verfügung. Bislang unterbindet die syrische Führung eine internationale Berichterstattung und wirft ihren Gegnern Terrorismus vor. Assad hat dem Einsatz der Beobachter erst zugestimmt, nachdem die Arabische Liga mit einer Überweisung des Falls an den UN-Sicherheitsrat gedroht hat. Das mächtigste Gremium der Vereinten Nationen kann weitreichende Sanktionen verhängen. Im libyschen Fall unterstützte es eine Flugverbotszone, die von der Nato militärisch durchgesetzt wurde.

Bei der Niederschlagung der Proteste wurden nach UN-Angaben in den vergangenen neun Monaten mehr als 5000 Syrer getötet. Die Situation spitzte sich am Freitag mit dem Doppelanschlag in Damaskus zu: Bei der Explosion zweier Sprengsätze wurden 44 Menschen in den Tod gerissen und mehr als 160 verletzt. Das Innenministerium machte die Extremistenorganisation Al Qaida dafür verantwortlich. Zu dem Doppelanschlag bekannte sich aber zunächst niemand, weshalb Regierungskritiker auch spekulierten, der syrische Geheimdienst könnte hinter den Explosionen stecken, um die Protestbewegung zu diskreditieren.

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Attentate. Es handle sich um „terroristische Anschläge“, die durch nichts zu rechtfertigen seien, hieß es in einer am späten Freitagabend verabschiedeten Erklärung. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte sich zutiefst besorgt über die Eskalation und forderte ein sofortiges Ende des Blutvergießens. Zugleich rief er die syrische Regierung auf, den vor Wochen vereinbarten Friedensplan der Arabischen Liga nun auch umzusetzen. Es müsse ein tiefgreifender politischer Wandels eingeleitet werden, der die Erwartungen der syrischen Bevölkerung erfülle.

Papst Benedikt XVI. rief in seiner Weihnachtsansprache zu einem Ende der Gewalt auf, nachdem bei einem doppelten Selbstmordanschlag am Freitag in Damaskus 44 Menschen getötet worden waren.

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