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27.07.2016

18:29 Uhr

Syrischer Bürgerkrieg

Fast 50 Tote bei Bombenanschlag in Nordsyrien

Mindestens 44 Menschen starben bei einem erneuten Bombenanschlag in Syrien, Dutzende wurden verletzt. Der IS verübt wieder zunehmend Anschläge, seit er aus immer mehr Gebieten in Syrien und im Irak vertrieben wird.

Terror

Tödlicher IS-Anschlag in Nordsyrien

Terror: Tödlicher IS-Anschlag in Nordsyrien

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BeirutBei einem Bombenanschlag in der nordsyrischen Stadt Kamischli an der Grenze zur Türkei sind am Mittwoch Dutzende Menschen getötet worden. Der Anschlag galt dem Hauptquartier der Sicherheitskräfte der kurdischen Verwaltung, die den größten Teil der Provinz Hasaka kontrolliert. Das staatliche Fernsehen bezifferte die Zahl der Toten auf mindestens 44, während die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte von 48 Toten und Dutzenden Verletzten sprach.

Die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) beanspruchte die Tat für sich und erklärte, es habe sich um einen Selbstmordanschlag mit einer Lastwagen-Bombe gehandelt. Eine Explosion war so stark, dass in der türkischen Grenzstadt Nusaybin Fensterscheiben barsten. Zwei Menschen seien dadurch leicht verletzt worden, berichtete ein Zeuge.

Die Kurden-Miliz YPG hat im vergangenen Jahr den IS aus weiten Landstrichen in Nordsyrien verdrängt und nimmt an der von den USA unterstützten Offensive gegen die Islamisten entlang der Grenze zur Türkei teil. Seit der IS aus immer mehr Gebieten in Syrien und im Irak vertrieben wird, verüben die Islamisten zunehmend Bombenanschläge. So wurden bei einem vom IS reklamierten Selbstmordanschlag in der Provinzhauptstadt Hasaka in diesem Monat schon mindestens 16 Menschen getötet.

Wer in Syrien und im Irak gegen den IS kämpft

Das Anti-IS-Bündnis

Im September 2014 gab US-Präsident Barack Obama die Gründung eines Bündnisses bekannt mit dem Ziel, den IS „endgültig zu zerstören“. Mehr als 60 Staaten und internationale Organisationen beteiligen sich am Kampf gegen die Terrormiliz sowohl in Syrien als auch im benachbarten Irak. Neben Ländern der Europäischen Union (EU) wie Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden gehören der Koalition auch Australien sowie mehrere arabische Länder an.

Luftangriffe

Nur wenige Staaten fliegen neben den USA Luftangriffe gegen die Terrormiliz. Im Irak sind daran zum Beispiel Frankreich, Australien und Großbritannien beteiligt. In Syrien sind es neben Frankreich auch arabische Staaten wie Saudi-Arabien, Bahrain, Katar und Jordanien. Die Türkei, Syriens Nachbar im Norden, hatte 2015 nach langem Zögern die Nutzung seiner Luftwaffenbasis Incirlik für Luftschläge – auch der USA – gegen den IS erlaubt.

Bundeswehr

Die Bundeswehr unterstützt den Kampf gegen den IS unter anderem mit „Tornado“-Aufklärungsjets. Die Maschinen bombardieren die IS-Stellungen aber nicht selbst. Teil des deutschen Beitrags sind auch ein Tankflugzeug und zeitweise eine Fregatte. Diese sicherte zusammen mit Kriegsschiffen aus Frankreich, Belgien und Großbritannien den französischen Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ im Persischen Golf. Die „Augsburg“ war seit Dezember 2015 dafür rund vier Monate unterwegs. Vom einzigen Flugzeugträger der französischen Marine starteten Jagdbomber zu ihren Einsätzen.

Training und Waffen

Im Norden Syriens unterstützen US-Spezialkräfte zudem kurdische Kämpfer. Das US-Militär und seine Verbündeten bilden im Irak außerdem das irakische Militär sowie kurdische Peschmerga-Kämpfer aus. Auch rund 130 Bundeswehrsoldaten schulen im Nordirak Peschmerga-Einheiten. Darüberhinaus beliefert Deutschland die irakischen Kurden mit Waffen.

Russland

Moskau ist nicht Teil des von den USA gegründeten Bündnisses. Russische Truppen greifen seit September 2015 unabhängig davon Ziele in Syrien an. Allerdings nicht nur Stellungen des IS. Russische Attacken richten sich auch gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind. So starten die Jets vom russischen Luftwaffenstützpunkt Hamaimim nahe Latakia im Nordwesten Syriens. Zudem wurden Marschflugkörper von Kriegsschiffen im Mittelmeer abgefeuert.

In Syrien herrscht seit fünf Jahren Bürgerkrieg. Die Streitkräfte von Präsident Baschar al-Assad verstärkten am Mittwoch ihren Druck auf Rebellen in der Großstadt Aleppo. Alle Nachschubwege in den von Aufständischen gehaltenen Ostteil der Stadt seien abgeschnitten, erklärte die Armee. Dort halten sich noch mindestens 250.000 Menschen auf. Die Streitkräfte hatten die Einwohner am Dienstag per SMS-Nachrichten aufgefordert, das von Rebellen gehaltene Gebiet zu verlassen.

Von

rtr

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