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02.03.2012

07:18 Uhr

Syrischer Bürgerkrieg

Verletzte Journalisten entkommen aus Homs

Zwei verletzten Journalisten ist die Flucht aus der schwer umkämpften syrischen Stadt Homs gelungen. Ein Viertel der Rebellenhochburg ist inzwischen von Regierungstruppen eingenommen worden.

Die verletzte Journalistin Edith Bouvier ist aus der umkämpften Stadt Homs entkommen. dpa

Die verletzte Journalistin Edith Bouvier ist aus der umkämpften Stadt Homs entkommen.

ParisDie beiden tagelang in der syrischen Rebellenhochburg Homs eingeschlossenen französischen Journalisten Edith Bouvier und William Daniels sind außer Landes und in Sicherheit. Der französische Außenminister Alain Juppé erklärte am Donnerstagabend in Paris, sie befänden sich in der Obhut der französischen Botschaft in Beirut. Nach Angaben der Zeitung „Le Figaro“ wurde Bouvier von der Freien Syrischen Armee in den Libanon gebracht.

Bouvier hatte am Mittwoch vergangener Woche beim Beschuss eines als Pressezentrum der Rebellen genutzten Gebäudes in Homs eine schwere Beinverletzung erlitten. Seither harrten die „Figaro“-Reporterin und der Fotograf Daniels in der von der syrischen Armee umzingelten Stadt aus. Bei dem Angriff auf das Gebäude waren die US-Kriegsreporterin Marie Colvin und der französische Fotograf Rémi Ochlik getötet worden.

Die syrische Oppositionsgruppen im Überblick

Syrischer Nationalrat (SNC)

Der im August 2011 in Istanbul gegründete SNC gilt als größte und repräsentativste syrische Oppositionsgruppe. Ihren Vertretungsanspruch für die Belange der Opposition bezieht sie zum einen daraus, dass fast hundert ihrer insgesamt rund 230 Mitglieder in Syrien ansässig sind. Überdies bevorzugen die Regierungen in Washington und Paris den SNC als Ansprechpartner. Die Konferenz in Tunis könnte dazu führen, dass der Nationalrat international als „legitimer“, wenn auch nicht als einziger Repräsentant der syrischen Opposition anerkannt wird.

Im SNC sind Islamisten, vor allem Anhänger der Muslimbrüder, Liberale und Nationalisten vereint. Sein Vorsitzender ist der im französischen Exil lebende Oppositionelle Burhan Ghaliun, der sich für eine militärische Intervention in Syrien ausgesprochen hat. Seine Gegner werfen Ghaliun vor, er koordiniere seine Vorgehensweise nicht hinreichend mit den Kräften vor Ort.

Nationales Koordinierungskomitee für den demokratischen Wandel (NCB)

Das von Hassan Abdel Asim geleitete NCB vereint arabische Nationalisten, Kurden, Sozialisten und Marxisten sowie unabhängige Persönlichkeiten wie den Wirtschaftsexperten Aref Dalila. Das Komitee gründete sich Mitte September in der Nähe von Damaskus und wählte als Führungsgremium einen Zentralrat. Die Gruppierung ist strikt gegen eine Militärintervention von außen, ein Versuch einer Annäherung an den SNC scheiterte. Das NCB boykottiert die Konferenz in Tunis aus Protest gegen den Plan, den Nationalrat als Repräsentanten der syrischen Opposition anzuerkennen.

Örtliche Koordinierungskomitees (LCC)

Die Komitees sehen sich als Bestandteil des Nationalrates, in ihnen sind die Protestbewegungen aus einzelnen Städten und Stadtvierteln zusammengeschlossen. Die meisten ihrer Mitglieder sind junge Syrer ohne militante Vergangenheit, die sich über soziale Netzwerke wie Facebook organisieren und mit der Außenwelt unter anderem über den Internetdienst Skype kommunizieren. Sie organisieren ein System gegenseitiger Hilfsleistungen, etwa um Verletzte aus ihren Reihen außerhalb der von den Sicherheitskräften kontrollierten Krankenhäuser zu versorgen.

Syrische Koalition säkularer und demokratischer Kräfte (CSDF)

Die Koalition kam das erste Mal Mitte September in Paris zusammen. Sie strebt einen laizistischen Staat in Syrien an. Ihr gehören Vertreter von Kurdenparteien, der Assyrischen Kirche und sunnitische Muslime an. Die CSDF wendet sich gegen den starken Einfluss der Islamisten in der syrischen Oppositionsbewegung und will die Minderheiten in der Bevölkerung, vor allem die Christen, mobilisieren.

Syrischer Revolutionsausschuss (SRGC)

Der Mitte August gegründete SRGC strebt ein demokratisches Syrien an. Erklärtes Ziel der Gruppierung ist es, die Reihen der Opposition zu schließen und gemeinsam den Sturz Assads zu erzwingen.

Präsident Nicolas Sarkozy sagte in Brüssel, Bouvier habe „viel gelitten, aber sie weiß, dass sie frei ist und dass sie bald behandelt wird“. Ihre Verletzung habe die Evakuierungsaktion sehr kompliziert gemacht. Wenn die Ärzte einverstanden seien, könnten die beiden Journalisten noch in der Nacht nach Frankreich ausgeflogen werden.

Der Redaktionsdirektor des „Figaro“, Etienne Mougeotte, sagte dem Sender LCI, es habe zwei Möglichkeiten gegeben, Bouvier in Sicherheit zu bringen: mit Hilfe des Roten Kreuzes oder mit Hilfe der aus Deserteuren gebildeten Freien Syrischen Armee (FSA).

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