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18.10.2011

19:39 Uhr

Systemkritik

Wie der Kapitalismus noch zu retten ist

VonNouriel Roubini

Der Top-Ökonom Nouriel Roubini will den Kapitalismus retten. Aber damit er eine Überlebenschance hat, muss er an entscheidenden Punkten reformiert werden, argumentiert der Amerikaner.

Demonstranten marschieren über die Brooklyn Bridge. Reuters

Demonstranten marschieren über die Brooklyn Bridge.

New YorkAuf der ganzen Welt erleben wir soziale Proteste und politische Instabilität: den arabischen Frühling, die Ausschreitungen in London, die Proteste der israelischen Mittelschicht gegen die Teuerung, die chilenischen Studentenunruhen, die wachsende Unzufriedenheit über Korruption und Ungleichheit in China und jetzt die Bewegung "Occupy Wall Street" in den Vereinigten Staaten.

Auf unterschiedliche Weise kommen die Sorgen der Arbeiterschaft und der Mittelschicht wegen sinkenden Lebensstandards angesichts der wachsenden Machtkonzentration in den Händen der Wirtschafts-, Finanz- und politischen Elite zum Ausdruck. Die Ursachen sind eindeutig: hohe Arbeitslosigkeit in den hochentwickelten Volkswirtschaften und Schwellenländern, unzureichende Qualifizierungs- und Bildungschancen für junge Leute, Verbitterung über die Korruption einschließlich ihrer legalisierten Form, des Lobbyismus, und eine steile Zunahme der Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen.

Die zunehmende Verschuldung des privaten und öffentlichen Sektors und die damit verknüpften Vermögens- und Kreditblasen sind teilweise das Ergebnis von Ungleichheit. Der lahme Anstieg der Einkommen in den letzten Jahrzehnten bei allen außer den Superreichen hat dazu geführt, dass sich eine Lücke zwischen Einkommen und Ausgabewünschen aufgetan hat. In den angelsächsischen Ländern war die Antwort stärkere Kreditvergabe und damit zunehmende Verschuldung der privaten Haushalte. Europa füllte die Lücke durch öffentliche Dienstleistungen: kostenlose Bildung, Gesundheitsfürsorge usw., die nicht völlig durch Steuern gegenfinanziert waren, was zu Haushaltsdefiziten führte. In beiden Fällen war das Schuldenniveau irgendwann unhaltbar.

Die Unternehmen in den hochentwickelten Volkswirtschaften bauen derzeit aufgrund der unzureichenden Nachfrage, die zu Überkapazitäten führt, Arbeitsplätze ab. Dies jedoch schwächt die Endnachfrage weiter. In den USA hat die drastische Senkung der Arbeitskosten den Anteil der Arbeitseinkommen am BIP stark verringert. Die jahrzehntelange Umverteilung von der Arbeit zum Kapital, von den Löhnen zu den Gewinnen, von Arm zu Reich und von den Haushalten zu den Konzernen hat inzwischen schwerwiegende Auswirkungen - auch deshalb, weil Kapitaleigentümer und reiche Haushalte eine niedrigere Konsumquote haben.

Kommentare (10)

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18.10.2011, 19:52 Uhr

Banken führen die Regierungen an der Nase herum: sie konnten sich jahrelang für fast Nichts Geld bei der EZB holen, gaben das aber nicht an die Realwirtschaft weiter, sondern zockten mit Derivaten, anschaulich dargestellt hier: tabularasa-jena.de/artikel/artikel_3728

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18.10.2011, 20:01 Uhr

Mir wäre lieber "Frieden statt Kapitalismus".

Um zu dieser Erleuchtung zu kommen, musste Herr Roubini nicht bei den alten Wirtschaftswissenschaftler nachzulesen. Ein gesunder Menschenverstand tut es auch.

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18.10.2011, 20:02 Uhr

Herr Roubini, wir haben keinen Kapitalismus, sondern einen Geldsozialismus. Vielleicht hilft Ihnen mal ein Paradigmenwechsel. Schauen Sie mal bei Mises vorbei - das hilft garantiert. (www.mises.org)

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