Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.02.2011

11:34 Uhr

Tag des Zorns

Blutige Proteste in Libyen gegen Diktator Gaddafi

Die Unruhen in Libyen werden immer blutiger. Offenbar sind bei Straßenschlachten zwischen Anhängern und Gegnern von Muammar al-Gaddafi mehrere Menschen ums Leben gekommen. Die Opposition ruft zum "Tag des Zorns" auf.

Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi.

Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi.

TripolisEin weiterer Despot der arabischen Welt muss um seine Herrschaft bangen: Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi. Der Konflikt zwischen Regime und Opposition wird offenbar immer brutaler. Aus Oppositionskreisen hieß es am Donnerstag, seit Dienstagabend seien bei Zusammenstößen zwischen Gaddafi-Gegnern und der Polizei insgesamt sechs Menschen ums Leben gekommen. Vier von ihnen seien in der Stadt Al-Baidha getötet worden, zwei in der Stadt Bengasi. Bei einer Protestaktion in der Stadt Al-Kubba hätten Demonstranten eine Polizeiwache in Brand gesetzt.

Die Proteste konzentrierten sich bislang auf die Städte im Nordosten des Landes. In der Nacht zum Mittwoch waren in der Stadt Bengasi bei Zusammenstößen zwischen Regimegegnern, Polizisten und Gaddafi-Anhängern 38 Menschen verletzt worden. Demonstranten warfen nach Medienberichten Steine auf die Polizei, die den Protest binnen einer Stunde mit Wasserwerfern und Knüppeln beendete. Demonstranten zerstörten auf einem Platz ein großes Porträt von Oberst Gaddafi.

"Der Druck der Straße ist groß, in Libyen wird es genauso ablaufen wie in Tunesien und Ägypten", sagte Abdulhamid Salim al-Haasi, ein Sprecher des libyschen Exil-Oppositionsbündnisses NCLO mit Sitz in London. Er rief die libysche Jugend auf, friedlich zu demonstrieren und nicht die direkte Konfrontation mit der Staatsmacht zu suchen.

Die EU rief die libysche Führung auf, Demonstrationen und freie Meinungsäußerung zuzulassen. "Wir verfolgen die Situation ganz genau", sagte die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton, Maja Kocijancic.

Von Toten war in den Berichten der staatlichen Medien zunächst nicht die Rede. Dafür schenken die Staatsmedien den Pro-Gaddafi-Kundgebungen, die seit Mittwoch in mehreren libyschen Städten stattfinden, große Beachtung. Oppositionelle haben für diesen Donnerstag zu einem "Tag des "Zorns" aufgerufen. In allen Städten des Landes sollen sich Regimegegner zu Kundgebungen versammeln, hieß es in dem Aufruf, der über Facebook verbreitet wurde.

Die Proteste sollen an die Ereignisse des 17. Februar 2006 erinnern. Damals war eine Demonstration gegen die Mohammed-Karikaturen in Bengasi in eine Protestaktion gegen die libysche Führung ausgeartet. Es gab Tote und Verletzte. In Libyen, wo Revolutionsführer Gaddafi seit 1969 herrscht, sind Kundgebungen, die nicht vom Regime organisiert werden, extrem selten.

Der exzentrische Staatschef hatte die jüngsten Volksaufstände in Tunesien und Ägypten scharf kritisiert und angekündigt, dass er in Libyen keine Massendemonstrationen dulden werde.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×