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06.08.2012

09:05 Uhr

Tagebuch aus Nordkorea

Disneyland auf links gezogen

Nordkorea ist für den Westen ein unbekanntes Land. Fremde Journalisten bekommen nur das zu sehen, was sie sehen sollen. Unser Autor war deshalb mit einem Touristen-Visum unterwegs. Der erste Eintrag seines Tagebuchs.

Ein Tagebuch aus Nordkorea. dapd

Ein Tagebuch aus Nordkorea.

5. August

Man kann sich auf so einer Weltreise die Finger wund fotografieren. Aber wenn die wahren Momente passieren, hat man seine Kamera nicht dabei. Einer dieser wahren Momente passierte gestern Nacht. Weil mir das Internet, das gesammelte Wissen dieser Welt, innerhalb einer Spanne von drei Stunden völlig unterschiedliche Abflugzeiten für meinen Trip nach Pyongyang (so wird es später auf meinem Flugticket buchstabiert sein) offenbarte, bin ich runter zur Rezeption meines Hotels in Peking und habe dessen Informationsservice getestet.

Das erste merkwürdige Gesicht seitens der Frau hinterm Tresen war dem Umstand geschuldet, dass ich Pyongyang selbstverständlich völlig falsch ausgesprochen habe und sie überhaupt keine Ahnung hatte, wovon ich rede. Als ich dann, „The Capital of North Korea“ ergänzte, da hätte ich auf den Auslöser drücken müssen. Eine Mischung aus Abscheu, völligem Unverständnis und Mitleid in einem zarten chinesischen Gesicht – das ist schon sehr fotogen.

Nachdem noch drei weitere (kopfschüttelnde) Hotelangestellte hinzugezogen wurden und Mitternacht nahte, bekam ich dann doch noch eine Auskunft, die nur fünf Minuten von der tatsächlichen (geplanten) Abflugzeit abwich. Um 12.55 Uhr, 5. August, beginnt meine Zeitreise. Auf dem Weg zum Terminal 2 des Pekinger Flughafens sehe ich Paare, die voll konzentriert ihre Handy-Nachrichten lesen, beantworten und dabei längst den Namen ihres Partners vergessen haben. Ach, wie herrlich muss es sich in einem Land leben, in dem die Menschen noch miteinander reden. In einem Land, in dem dieser ganze Kommunikationswahnsinn erst in fünf Jahren losgeht. In einem Land, das Nordkorea heißt. Es ist ein in jeder Hinsicht einzigartiges Land.

Das Boarding beginnt pünktlich. Ich bin einer von drei „westlich aussehenden“ Passagieren. Allerdings werde ich für einen Russen gehalten, weshalb mich bei der Ankunft in Pyongyang lange niemand anspricht. Es gibt zwölf Business-Class-Plätze in der Tupolev-Maschine, die zur Hälfte besetzt sind. Aber immerhin, es gibt sie. Noch vor zwei Jahren wurde nur Economy geflogen. Ein erstes zartes Zeichen für wirtschaftliche Öffnung?

Schon mit dem Schritt in das Flugzeug betrete ich eine komplett andere Welt. Warmes Plastik-Kork-Furnier empfängt mich, streng guckende Stewardessen und ein fulminantes Zeitungsangebot, mit Nachrichten, die der sogenannten zivilisierten Welt bisher vorenthalten wurden. Der Ministerpräsident von Südkorea ist dement und hat das geistige Niveau einer Ratte.

Außerdem beuten er und sein großer „Lee-Clan“ den Süden des einigen Koreas aus. Ich finde, es ist ein Skandal, dass die Tagesschau, das Handelsblatt oder wenigstens der „Weltspiegel“ noch nicht über diese schockierenden Zustände berichtet hat. Stecken die etwa alle unter einer Decke mit diesem Präsidenten, der „lieber schnell sterben sollte, als weiterhin unsere Welt zu vergiften“, wie es in meiner nordkoreanischen Lektüre heißt?

Kommentare (9)

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06.08.2012, 09:37 Uhr

Sehr schön geschrieben und infromativ^^ freue mcih auf weitere Teile

Kallewirsch

06.08.2012, 09:52 Uhr

An Silvercoin82

Selber ausprobieren statt motzen!

Geh doch einfach nach Nordkorea und lebe dort. Um das ganze zu vervollständigen wechsel dann noch die Staatsbürgerschaft.
Vieleicht wird dir dann nach Minuten, Tagen oder auch Jahren klar wieviel ein Pass aus einem westlich geprägtem Land wert ist und was es bedeutet in (Reise-) Freiheit leben zu können.
Bin gespannt auf deinen Bericht (fall`s du überhaupt die Zensur überwindest bzw. eine Möglichkeit zum kommunizieren findest).

Dann bis in ein paar Jahren. Bin gespannt.
Alles Gute und grüß mir die Genossen!

Account gelöscht!

06.08.2012, 10:27 Uhr

mach ich, bis dann!!

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