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09.08.2012

15:20 Uhr

Tagebuch aus Nordkorea

„Sind Sie das nicht neben Kim Jong Il?“

In Nordkorea bekommen Journalisten nur zu sehen, was sie sollen. Unser Autor war deshalb mit einem Touristen-Visum unterwegs. Am vierten Tag sieht er die Demarkationslinie, dressierte Kinder - und ein wenig Hoffnung.

Ein Tagebuch aus Nordkorea. dapd

Ein Tagebuch aus Nordkorea.

8. August: Die Morgenmusik ist hier noch lauter und hält bis zur Abfahrt vom Hotel an. Um 6 Uhr ist deshalb die Nacht für mich vorbei. Das Frühstück hat gerade angefangen, da fällt wieder der Strom aus. Und zwar ebenfalls bis zur Abfahrt. Was mich sehr nervös macht, da ich eigentlich meinen Fotoapparat aufladen muss. Gleich geht es zur Grenze und da will ich unbedingt ein paar Bilder von mit nach Hause bringen.

Davon abgesehen laufen auch die Klimaanlagen nicht mehr und innerhalb weniger Minuten ist das ganze Gebäude extrem stickig und die Dusche (Wasser aus einer Schale über den Kopf kippen) war völlig umsonst. Der Schweiß fließt schon wieder in Strömen.

Die gute Nachricht: Mein Fotoapparat lässt sich über eine Steckdose im Auto während der Fahrt aufladen. Bei der Ausfahrt aus Sariwon bekomme ich das ganze Elend zu sehen. Auf einer Baustelle – hier wird ziemlich offensichtlich an einem neuen Standbild gewerkelt – schleppen Kinder schwere Steine und wird Erde von vielen Männern mit den bloßen Händen ausgebuddelt. Ich ziehe den Stecker vom Fotoapparat und will ein Bild machen, aber meine Reiseleiterin zieht Grenzen: „Bitte keine Fotos bei unvorhergesehenen Situationen.“ Das sagt so ziemlich alles darüber aus, welche Realität Touristen gezeigt bekommen sollen.

Trotzdem lässt sich nicht die ganze Wahrheit ausblenden. Ein großer Bus sieht hier so aus, dass ein kleiner Bus einen anderen kleinen Bus abschleppt. Uralte Traktoren stoßen schwarze Abgaswolken aus, während sie kaputte Militärlaster hinter sich her ziehen. Und überall hocken wieder Menschen, die einfach nur warten, dass der Tag zu Ende geht. Auch der Mann meiner Reiseleiterin ist im Prinzip arbeitslos. Sie verklausuliert das mit den Worten: „Er wartet noch vielleicht drei Monate auf sein nächstes Projekt.“

Tagebuch aus Nordkorea: Disneyland auf links gezogen

Tagebuch aus Nordkorea

Disneyland auf links gezogen

Nordkorea ist für den Westen ein unbekanntes Land. Fremde Journalisten bekommen nur das zu sehen, was sie sehen sollen. Unser Autor war deshalb mit einem Touristen-Visum unterwegs. Der erste Eintrag seines Tagebuchs.

Die Autobahn Richtung Grenze, oder wie es hier im offiziellen Sprachgebrauch heißt, „Demarkationslinie“, gleicht einer leeren Landebahn. Entlang der Strecke sitzen, hocken, liegen wieder viele Menschen und man weiß nicht, warum. Auf einen Bus werden sie nicht warten. Und wenn doch, dann vergeblich. Bis zur entmilitarisierten Zone passieren wir drei Straßenkontrollen. Dann ist es soweit. Die Gren..., die Demarkationslinie ist nah. Mit ein paar anderen Reisebussen geht es in den Grenzbereich. Zwei Kilometer dies- und jenseits des 38. Breitengrades gelten als waffenfrei. Die uns begleitenden Offiziere haben lediglich eine „One-Shot-Gun“ dabei, für unsere Sicherheit.

Kommentare (5)

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Dissident

09.08.2012, 17:34 Uhr

"In Nordkorea bekommen Journalisten nur zu sehen, was sie sollen."

Ist das bei uns anders???

Bei uns dürfen Journalisten alles sehen aber dürfen sie auch alles schreiben?

Warum finden wir in den Medien nie einen Artikel über das Geldsystem? ( Geld = Schuld )

Warum finden wir keinen Artikel über freie Energie ( Raumenergie) ?

Wie kann man in einer Gesellschaft in der private Banken bzw. deren Eigentümer das Recht haben Geld aus dem nichts zu schaffen ( schöpfen ) von Demokratie sprechen?

[+++Beitrag von der Redaktion editiert+++]

Carlovitch

09.08.2012, 18:24 Uhr

Lieber "Dissident", wenn einem das 'System' in der BRD oder auch etlichen anderen (bestimmt Nicht-Perfekten!) Demokratien gefällt, darf & kann man sich ganz schnell in eine Maschine setzten und nach Nord Korea, Kuba oder ähnlichem Land reisen und vielleicht auch verbleiben. Das Problemchen käme erst dann zustande wenn es einem dort auch nicht gefällt. Die Ausreise könnte etwas abenteuerlich ausfallen. Dann doch lieber hier, wo wir auch klagen können oder besser noch - uns für Änderungen und Verbesserungen einsetzten können. Sonst, viel Spass in Pyonyang!!

oder_so

09.08.2012, 19:04 Uhr

Vom fleissigen Lieschen hier mehr:

http://psiram.com/ge/index.php/Wissensmanufaktur

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