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23.11.2015

13:56 Uhr

Tagebuch eines syrischen Journalisten, Teil 5

Der Traum vom Frieden inmitten des Terrors

VonYahya Alaous

Wie aus der Zeit gefallen: Friedensnobelpreisträger treffen Friedensnobelpreisträger. Der syrische Journalist Yahya Alaous war dabei und versucht, weiter an Frieden zu glauben. Doch der Terror überschattete das Treffen.

Unser Kolumnist ist derzeit Mitarbeiter in der Berliner Handelsblatt-Redaktion.

Yahya Alaous

Unser Kolumnist ist derzeit Mitarbeiter in der Berliner Handelsblatt-Redaktion.

BarcelonaYahya Alaous ist syrischer Journalist und derzeit Mitarbeiter in der Berliner Handelsblatt-Redaktion. Wieso er sich eine neue Wohnung nur unter der Hand besorgen konnte und warum viele Syrer Kanzlerin Angela Merkel als Volksheldin verehren, lesen Sie ab sofort in einer Kolumne. Heute: Teil 5.

Es ist natürlich großartig, an einer Konferenz zusammen mit den Dokumentarfilm-Ikonen wie Lech Walesa, Frederik Willem de Klerk, Michail Gorbatschow und dem Dalai Lama teilzunehmen, wobei die letzteren beiden leider doch nicht nach Barcelona zum 15. Kongress der Friedensnobelpreisträger kommen konnten.

Die Namen hinter dem Horror von Paris

Identifizierung der Attentäter

Seit den Anschlägen von Paris arbeiten die französischen und belgischen Sicherheitsbehörden an der Identifizierung der getöteten Attentäter und möglicher Unterstützer. Ein Überblick über die bisher Identifizierten. (Quelle: Reuters)

Getötet: Abdelhamid Abaaoud

Mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge von Paris. Der Belgier aus dem Brüsseler Stadtteil Molenbeek wurde eigentlich in Syrien vermutet. Am Donnerstag teilte die Staatsanwaltschaft mit, er sei bei der Razzia und anschließenden Schießerei am Mittwoch im Pariser Stadtteil Saint-Denis ums Leben gekommen. Offenbar wurde er erschossen.

Getötet: Ismail Omar Mostefai

Der Franzose mit algerischen Wurzeln war am Angriff auf die Konzerthalle Bataclan mit 89 Toten beteiligt. Mostefai lebte zeitweise in der Region von Chartres, südwestlich von Paris. Geboren wurde er in Courcouronnes im Süden der französischen Hauptstadt. Sein Name wurde von den Sicherheitsbehörden bereits 2010 auf eine Liste möglicher radikaler Islamisten gesetzt. Die türkische Regierung hat nach eigenen Angaben Frankreich im Dezember 2014 und im Juni 2015 wegen Mostefai kontaktiert, aber erst nach den Anschlägen eine offizielle Anfrage aus Frankreich erhalten.

Getötet: Samy Amimour

Der Franzose war ebenfalls am Angriff auf das Bataclan beteiligt. Er lebte in Drancy in der Nähe des nördlichen Pariser Stadtteils Saint-Denis, wo es am Mittwoch zu einer Schießerei mit einer mutmaßlichen zweiten Islamisten-Zelle kam. Amimour wurde seit Ende 2013 international gesucht. Seit Oktober 2012 wurde er von den Behörden beobachtet, weil der Verdacht bestand, er könnte sich in den Jemen absetzen.

Getötet: Fouad Mohamed Aggad

Er ist einer der drei Männer, die das Blutbad in der Konzerthalle Bataclan anrichteten. Der 23-Jährige kam aus dem französischen Straßburg und hatte vor den Anschlägen in Syrien gekämpft. Gemeinsam mit Amimour und Mostefaï hatte Aggad 89 Menschen in der Konzerthalle getötet. Als die Polizei das Gebäude stürmte, sprengte er sich in die Luft.

Getötet: Brahim Abdeslam

Der Franzose lebte in Belgien. Er sprengte sich vor dem Café Comptoir Voltaire in die Luft. Bruder des noch immer gesuchten Verdächtigen Salah Abdeslam.

Getötet: Bilal Hafdi

Einer der drei Angreifer auf das Pariser Fußballstadion Stade de France. 20 Jahre jung.

Unklar: Ahmad Al Mohammad

Bei einem weiteren Selbstmordattentäter beim Stade de France wurde ein Pass auf den Namen Ahmad Al Mohammad, 25 Jahre alt, aus dem syrischen Idlib gefunden. Die Fingerabdrücke des Mannes passen zusammen mit denen eines Flüchtlings, der unter dem Namen im Pass im Oktober 2015 in Griechenland registriert worden war. Über den dritten Selbstmordattentäter am Stade de France ist bisher nichts bekannt.

Gesucht: Salah Abdeslam

Der in Brüssel geborene Franzose wird verdächtigt, einen schwarzen VW Polo gemietet zu haben, der bei den Attacken in Paris eingesetzt wurde. Der Anwalt Xavier Carette sagte dem belgischen Sender RTBF, er sei am Sonntagmorgen von Paris nach Brüssel zurückgekehrt, nachdem er von der französischen Polizei auf dem Weg drei Mal gestoppt worden sei. Abdeslam wird auch Wochen nach dem Anschlag in Mitteleuropa vermutet.

Eine schöne Veranstaltung in einer schrecklichen Weltlage: Im Nahen Osten wüten Kriege, die Ukraine und viele Länder Afrikas sind instabil, abertausende Menschen sind auf der Flucht und klopfen an die Pforten Europas – dazu kommen die terroristische Bedrohung und die Probleme, die der Klimawandel mit sich bringt.

Friedensnobelpreisträger sind besondere Menschen. Sie versuchen, die Welt zu verändern, dabei weiß jeder, das sie es alleine nicht sind, die Frieden schaffen werden. Aber sie geben uns die Idee, dass kleine, hoffnungsvolle Veränderungen möglich sind. Sie erinnern uns daran, dass Hoffnung noch möglich ist.

Während der drei Tage dauernden Veranstaltung wurden die noblen Menschen nicht müde, die Teilnehmer daran zu erinnern, dass wir uns eine Welt ohne Gewalt, ohne Kriege, und ohne Diskriminierung vorstellen sollen. Es waren immer ähnliche Inhalte, die leicht variiert dargestellt wurden.

Terror von Paris: Weltkrieg III.

Terror von Paris

Premium Weltkrieg III.

Wer Terroranschlag sagt, will verharmlosen. Der Westen befindet sich in einem weltweit geführten Krieg mit radikalisierten Islamisten: Sie vernichten keine Landstriche, sondern vor allem unser Gefühl von Freiheit und Unbeschwertheit.

Ich versuchte also, so sehr ich konnte, mir eine friedvolle Welt vorzustellen – aber mit der ganzen Gewalt in meiner Heimat Syrien und in den anderen Regionen der Welt und der Angst, dass das kommende Jahr noch gewaltvoller wird, konnte ich das nicht. Es fühlte sich an, als ob ich von der Realität getrennt wäre.

„Advocationg for Refugees“ was das Motto der Konferenz, dazu standen noch Globalisierung und Klimawandel auf dem Plan. Es gab nützliche Debatten, erfahrene Menschen mit guten Absichten, das Ganze in einer Atmosphäre des echten Dialoges – nur ein wichtiges Instrument hat gefehlt: die Möglichkeit, all die schönen Worte zu realisieren.

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