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12.09.2011

09:57 Uhr

Talk-Debüt in der ARD

„Das haben Sie gut gemacht, Herr Jauch“

VonGabriela M. Keller

Bei seinem Talk-Debüt bei der ARD diskutierte Günther Jauch über die Anschläge vom 11. September. „Haben wir auf den Terror richtig reagiert?“, fragte er seine Gäste. Es folgte eine nüchterne, ausgewogene Debatte für und wider den Krieg in Afghanistan. Damit hat Jauch ein solides, wenn auch unspektakuläres Debüt abgeliefert.

Der Moderator und Journalist Günther Jauch. dapd

Der Moderator und Journalist Günther Jauch.

BerlinDer beliebteste Moderator Deutschlands, das wohl prägendste Ereignis des neuen Jahrtausends als Diskussionsthema - die Voraussetzungen für einen Quotenhit waren damit erfüllt. Auch sonst wurde bei Günther Jauchs Talk-Debüt in der ARD nichts dem Zufall überlassen: Die Auswahl der Gäste, die Einspielfilme, die Fragen, alles war perfekt vorbereitet. Das Ergebnis war eine wohltemperiert und etwas sterile Mischung aus Gefühl, Fakten, Kontroverse und Nachdenklichkeit. Patzer oder Entgleisungen gab es nicht, allerdings auch keine Überraschungsmomente.

Schon der dramatische Einstieg in die Sendung schien auf maximale Wirkung kalkuliert. Ein Foto der brennenden Türme des World Trade Centers, dazu formulierte der Moderator mit bedeutungsschwerer Stimme: „Die Bilder haben sich in unser Gedächtnis eingebrannt.“ Ringsum erstrahlte die kathedralenhohe Kuppel des frisch renovierten Berliner Gasometers in gleißendem Scheinwerferlicht. Doch so vertraut, wie einem als Fernsehzuschauer das Gesicht Günther Jauchs ist, stellte sich trotz blitzneuer Kulisse der Eindruck ein, die Sendung schon etliche Male gesehen zu haben.

Als Jauch, mit sauber gescheiteltem Haar und dunkelblauem Anzug, nach einem Blick auf seine Karteikarten die Frage stellt: „Haben wir auf den Terror des 11. September richtig reagiert?“, da erwartet man fast, dass er als nächstes vier Antwortmöglichkeiten a, b, c und d vorgibt. Aber eine Polit-Talkshow ist keine Quizsendung, und so lässt sich die korrekte Antwort natürlich nicht so eindeutig bestimmen wie bei „Wer wird Millionär“. Dafür hatte Jauchs Redaktion für eine 50:50-Quote von Befürwortern und Gegnern des Afghanistan-Krieges gesorgt: Der Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner und Ex-Verteidigungsminister Peter Struck argumentierten in vorhersehbarer Manier für den Krieg, die Literaturkritikerin Elke Heidenreich und der Afghanistan-Kenner Jürgen Todenhöfer hielten ebenso vorhersehbar dagegen.

Damit waren gleichzeitig alle gesellschaftlichen Bereiche vertreten: Politik, Kultur, Medien, Moral – und Fußball. Denn auch Jürgen Klinsmann saß mit in der Sendung. „Manche mag es wundern, dass sie hier in unserer Runde Jürgen Klinsmann sehen“, nahm Günther Jauch Zweifel seines Publikums vorweg, konnte die Anwesenheit des Ex-Bundestrainers allerdings auch nicht schlüssig erklären. Dass Klinsmann, erst seit einigen Wochen Coach der US-Fußballnationalmannschaft, in Kalifornien lebt und seine Tochter zwei Tage nach 9/11 geboren wurde, reichte offenbar aus, um ihn in der Rolle des Amerika-Verstehers zu besetzen.

Rückblick - die Bilder von 9/11

Video: Rückblick - die Bilder von 9/11

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Kommentare (6)

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AxelArnoldBangert

12.09.2011, 10:32 Uhr

Es ist wohl wahr - das war perfekt inszenierte "Willenssteuerung" im Sinne der Polit- und ARD-Verantwortlichen. Nur ab und und zu konnte sich Herr Jauch ein sofort unterdrücktes Grinsen nicht völlig verkneifen - man kann verstehen warum.
Beste Grüße
Axel Arnold Bangert - Herzogenrath 2011

Thomas-Melber-Stuttgart

12.09.2011, 10:49 Uhr

Gehören solche Talk-Shows auch zur gebührenfinanzierten Grundversorgung? Welche Vergütung bekommt Herr Jauch für seine Moderation, direkt und ggf. indirekt?

Krise

12.09.2011, 12:47 Uhr

Eine Schande wie die Öffentlich Rechtlichen die Gebühren verschwenden!

Nur linksdrehendes Gelabere!

Wurde irgendwo erwähnt, dass Rene Stadtkewitz (1.Vorsitzender der FREIHEIT) als einziger Deutscher Politiker am Ground Zero eine Rede gehalten hat!

Schämen sollte man sich bei dieser absolut gesteuerten Berichterstattung... nur keine Wahrheiten aussprechen (wie Sarrazin) und nur nicht anecken! Stattdessen weiter die Hände über potentielle Schläfer und Terroristen halten!

Die Medien sind so erbärmlich - und für so einen Mist muss man noch GEZ zahlen....

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