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11.01.2011

11:07 Uhr

Tarnkappen-Jet

China provoziert Gates mit Bomber-Test

Die USA bemühen sich um Chinas Gunst. Aus Verärgerung über amerikanische Rüstungslieferungen an Taiwan hatte China den Militärdialog vor wenigen Monaten ausgesetzt. Nun besucht US-Verteidigungsminister Gates Peking, um die diplomatische Kommunikation zu verbessern. Doch in die Gespräche platzt die Nachricht vom ersten Testflug des chinesischen Tarnkappen-Kampfjets.

Robert Gates und Chinas Präsident Hu Jintao Reuters

Robert Gates und Chinas Präsident Hu Jintao

HB PEKING. Der chinesische Prototyp eines Tarnkappen-Kampfjets hat am Dienstag seinen ersten Testflug absolviert. Die Nachricht in chinesischen Online-Medien platzte in den Besuch des amerikanischen Verteidigungsministers Robert Gates in Peking. Die englischsprachige Zeitung "Global Times" berichtete auf ihrer Webseite unter Hinweis auf Augenzeugenberichte, die Maschine habe am Mittag Ortszeit einen rund viertelstündigen Flug gemacht. Im Internet zirkulierten Amateurfotos des Flugzeugs und Kommentare von Beobachtern.

Die Entwicklung des J-20 genannten Tarnkappen-Jets, der vom gegnerischen Radar schwer aufzuspüren sein soll, wirft ein Schlaglicht auf die rasante Waffenentwicklung und Modernisierung der chinesischen Volksbefreiungsarmee. Das Projekt hat selbst den amerikanischen Geheimdienst überrascht, wie Gates vor Beginn seines Besuches in Peking eingeräumt hatte. Auf seinem Programm stand am Dienstag ein Treffen mit Staats- und Parteichef Hu Jintao in Peking.

Der Testflug erfolgte auf dem Flughafen in der südwestchinesischen Stadt Chengdu, wo das zweistrahlige Flugzeug entwickelt wurde. Die Maschine sei in der Luft von Flugzeugen des Typs J-10-S begleitet worden, hieß es in den Staatsmedien. Einige hundert Augenzeugen an der Landebahn hätten den erfolgreichen Flug gefeiert. In dem Jubel sei sogar Feuerwerk gezündet worden.

Auf Fragen nach dem Tarnkappen-Jet sagte der Sprecher des Außenministeriums, Hong Lei, vor Journalisten in Peking lediglich, China verfolge eine defensive Verteidigungspolitik. Mit der Entwicklung von Wissenschaft und Technik modernisierten alle Länder ihre militärische Ausrüstung. "Das ist nur normal." Eine amerikanische Reaktion gibt es bislang nicht.

China will jedoch trotz seiner Verärgerung über amerikanische Waffenlieferungen an Taiwan seinen Militärdialog mit den USA wieder aufnehmen. Beim Besuch von US-Verteidigungsminister Robert Gates in Peking einigten sich beide Seiten bereits am Montag auf einen Austausch zwischen den Streitkräften und einen Ausbau der Kooperation. "Um die Möglichkeiten von Kommunikationsfehlern, Missverständnissen und Fehlkalkulationen zu verringern, ist es wichtig, dass unsere Militärbeziehungen solide, beständig und nicht wechselnden politischen Winden ausgesetzt sind", sagte Gates nach einem Treffen mit seinem chinesischen Amtskollegen Liang Guanglie.

Beide Seiten vereinbarten eine Arbeitsgruppe, die sich in diesem Jahr mehrmals treffen und einen neuen Mechanismus für den Militärdialog entwickeln soll. Auch sollen Möglichkeiten für Kooperationen bei humanitären Einsätzen oder im Kampf gegen Piraten ausgelotet werden. Gates begrüßte, dass sein chinesischer Amtskollege Liang Guanglie auch die Aufnahme eines strategischen Dialogs im Rahmen des regelmäßigen Gesprächsaustausches zwischen beiden Ländern überdenke, um hier auch über Verteidigungsfragen wie etwa Atomwaffen, Raketen, Weltraumwaffen und Hackerangriffe zu sprechen.

Chinas Verteidigungsminister forderte die USA aber eindringlich auf, ihre Rüstungsverkäufe an die als abtrünnige Provinz betrachtete Insel Taiwan einzustellen. Die Waffenlieferungen "gefährden chinesische Kerninteressen". "Wir wollen nicht, dass so etwas noch einmal passiert", sagte der Minister im Beisein von Gates vor Journalisten. Die Waffentransfers schädigten die Beziehungen zwischen China und den USA. Vor einem Jahr hatte die kommunistische Führung aus Protest gegen ein US-Waffenpaket in Höhe von 6,4 Milliarden US-Dollar die Militärkontakte zu den USA weitgehend ausgesetzt.

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