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02.09.2014

22:27 Uhr

Tausende auf der Flucht

Boko Haram-Islamisten rücken in Nigeria vor

In der nigerianischen Stadt Gwoza hat Boko Haram ein "islamisches Kalifat" ausgerufen. Nun rücken die Islamisten weiter vor. Eine Expertengruppe vergleicht die Entwicklung bereits mit der Blitzoffensive von IS.

Bewohner aus der nigerianischen Stadt Gwoza in einem Flüchtlingscamp am 21. August. Auch aus Bama strömen Tausende Flüchtlinge, nachdem zu Beginn der Woche Boko Haram in die Stadt einfiel. AFP

Bewohner aus der nigerianischen Stadt Gwoza in einem Flüchtlingscamp am 21. August. Auch aus Bama strömen Tausende Flüchtlinge, nachdem zu Beginn der Woche Boko Haram in die Stadt einfiel.

MaiduguriDie islamistische Sekte Boko Haram hat Augenzeugen zufolge im Nordosten Nigerias die strategisch bedeutsame Stadt Bama erobert und die Armee in die Flucht geschlagen. Tausende Zivilisten und sämtliche Soldaten seien seit Montag vor den Islamisten geflohen und hätten die Stadt verlassen, berichteten Senator Ali Ndume sowie Anwohner am Dienstag.

Experten fürchten nun, dass die Extremisten auch auf die Stadt Maiduguri vorrücken und den gesamten Bundesstaat Borno sowie dessen Nachbarregionen unterjochen. In Maiduguri hat das Militär im Kampf gegen Boko Haram sein Hauptquartier errichtet. Bama ist 75 Kilometer entfernt und hat etwa 200 000 Einwohner.

Zwar bestritt die Armee eine Niederlage in Bama und sprach vielmehr vom "Sieg" über die Aufständischen, denen "schwere Verluste" beigefügt worden seien. Augenzeugen versicherten jedoch übereinstimmend das Gegenteil. Einer von ihnen berichtete sogar, ein Kampfflugzeug habe versehentlich die eigenen Truppen in deren belagertem Militärstützpunkt bombardiert und die Streitkräfte damit entscheidend geschwächt.

Kamerun meldet Boko Haram-Kämpfer an der Grenze

"Nigeria verliert gerade die Kontrolle über den Bundesstaat Borno und dessen Hauptstadt Maiduguri", hieß es in einem Statusbericht des Nigeria Security Network (NSN). "Wenn Borno fällt, könnten die Nachbarstaaten Yobe und Adamawa folgen."

NSN verglich die Entwicklung mit der erfolgreichen Blitzoffensive der Dschihadistengruppe Islamischer Staat in Syrien und im Irak. Auch die Grenzgebiete im östlich von Nigeria gelegenen Kamerun seien mittlerweile in Gefahr. Der Bericht ist in englischer Sprache online verfügbar.

Die EU und Afrika

Bildung, Gesundheit und Zivilgesellschaft

Die EU fördert afrikanische Staaten bei der Ausbildung. Mehr als zwölf Millionen Menschen hat sie nach eigenen Angaben zwischen 2007 und 2013 bei ihrer Schul- oder Berufsausbildung unterstützt. Tausende Studenten erhielten Stipendien oder nahmen am Erasmus-Austauschprogramm teil. 178 Millionen Euro flossen in den vergangenen sieben Jahren in mehr als 600 afrikanische Forschungsprojekte zu Ernährungssicherheit, Klimawandel, Gesundheit und Energie. Auch zur Förderung von Demokratie und Menschenrechten und für den Kampf gegen den Klimawandel stellt die EU Geld bereit.

Wachstum und Handel

Europa ist der wichtigste Partner Afrikas in der Entwicklungshilfe. Zwischen 2007 und 2013 unterstützten die EU und ihre Staaten Afrikas Entwicklung mit rund 141 Milliarden Euro. Der Handel zwischen Europa und Afrika wächst seit Jahren – in beide Richtungen. 2013 exportierten die EU-Staaten Waren im Wert von 153 Milliarden Euro auf den afrikanischen Kontinent. Das war ein Rekord, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat meldete. Frankreich, Deutschland und Italien waren die größten Exporteure. Deutschlands Ausfuhren nach Afrika summierten sich 2013 auf 22 Milliarden Euro. Umgekehrt ist die EU für Afrika der größte Handelspartner, dorthin gehen 40 Prozent aller afrikanischen Ausfuhren. Die afrikanischen Staaten verkauften im vergangenen Jahr Waren für 168 Milliarden Euro nach Europa.

Friedenssicherung

Im vergangenen Jahrzehnt hat die EU 16 EU-Missionen nach Afrika geschickt, um Krisen zu bewältigen und den Frieden zu sichern. Darunter waren nach Angaben des EU-Rates sieben Militäroperationen etwa im Kongo, Somalia und Mali sowie 9 zivile Missionen wie in Kinshasa oder im Sudan/Darfur. Derzeit sind mehr als 2300 Männer und Frauen unter der EU-Flagge bei EU-Friedensmissionen in Afrika im Einsatz. Seit 2004 hat die EU 1,2 Milliarden Euro zur Unterstützung afrikanischer Operationen zur Friedenssicherung bereitgestellt.

Für diese Sichtweise spricht eine Mitteilung der kamerunischen Armee: Sie tötete am Dienstag nach eigenen Angaben rund 40 schwer bewaffnete Boko-Haram-Kämpfer, als diese aus Nigeria kommend die Grenze bei Fotokol überqueren wollten. Die Kämpfe dauerten laut dem Verteidigungsministerium drei Stunden, ein Regierungssoldat sei dabei verletzt worden. Den kamerunischen Grenzort Fotokol und die von den Islamisten eingenommene nigerianische Ortschaft Gamboru Ngala trennt lediglich eine Brücke.

Boko Haram kämpft mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Seit 2009 tötete die Miliz bei Anschlägen und Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen mehr als 10.000 Menschen. Im April machte Boko Haram Schlagzeilen mit der Entführung von 276 Mädchen aus einer Schule, von denen die meisten noch immer vermisst werden.

Kürzlich rief die Sekte in der Anfang August eroberten Stadt Gwoza ein "islamisches Kalifat" aus. Allein von dort flohen den nigerianischen Behörden zufolge mehr als 11.000 Menschen.

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

03.09.2014, 14:08 Uhr

Gute Arbeit von Hr. Gauck, Hr. Wulff und Fr. Käßmann. Dies sind meiner Meinung nach die größten Unterstützer vom Islam!!!

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