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14.12.2016

14:38 Uhr

Telefonat mit Putin

Merkel fordert sofortige Waffenruhe in Aleppo

In Aleppo wird wieder gekämpft – und Angela Merkel schaltet sich ein. Sie fordert einen sofortigen Waffenstillstand und ungehinderten Zugang für humanitäre Helfer. Doch Merkel braucht auch Putins Unterstützung.

Viele Einwohner befürchten Racheakte des Regimes, sollten sie in die Hände von Regierungstruppen fallen. AP

Ost-Aleppo

Viele Einwohner befürchten Racheakte des Regimes, sollten sie in die Hände von Regierungstruppen fallen.

AleppoBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat eine sofortige Waffenruhe für die umkämpfte syrischen Stadt Aleppo gefordert. „Es ist nicht zu spät, mehr sinnloses Blutvergießen zu verhindern“, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. Am Vortag habe Merkel mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert und sich dabei für eine Waffenruhe sowie den ungehinderten Zugang humanitärer Helfer nach Ost-Aleppo eingesetzt. Die Versorgung der dortigen Bevölkerung habe oberste Priorität.

Darüber hinaus mahnte die Bundesregierung eine landesweite Waffenruhe sowie die Wiederaufnahme innersyrischer Gespräche an. Nur so könnten Sicherheit und Stabilität wiederhergestellt werden. Seibert räumte ein, dass die syrische Führung um Präsident Baschar al-Assad kaum freiwillig dazu bereit sein werde. „Umso mehr sehen wir Russland und sehen wir Iran in der Verantwortung, das Regime Assads davon zu überzeugen.“

Warum Aleppo im Krieg so wichtig ist

Symbolwirkung

Aleppo hat sich zum Symbol für den verheerenden Konflikt entwickelt. Die Stadt war nahezu seit Beginn der Kämpfe zwischen Regime und Rebellengruppen geteilt und ist das am schwersten umkämpfte Schlachtfeld in dem Krieg. Wer hier siegt, hat auch einen immensen psychologischen Vorteil.

Letzte Hoffnung für Rebellen

Aleppo ist die letzte Großstadt, in der Aufständische noch Gebiete kontrollieren. Damaskus und Homs sind fest in der Hand der Truppen von Syriens Präsident Baschar al-Assad. Den Rebellen blieben ohne die ehemals größte Stadt des Landes nur noch einige eher ländliche Gebiete wie die Provinz Idlib.

Strategisch wichtig

Nicht zu unterschätzen ist der militärische Spielraum, den die syrische Armee bei einer Eroberung gewinnen würde. Die Schlacht um die ehemalige Handelsmetropole bindet viele Kräfte. Diese könnten sich dann auf andere Rebellengebiete des Landes konzentrieren und das Ende des Bürgerkrieges erzwingen.

Einfluss Russlands

An der Entwicklung in der nordsyrischen Stadt lässt sich der Einfluss Russlands seit seinem Kriegseintritt vor mehr als einem Jahr sowie der des Irans ablesen. Ohne diese beiden Verbündeten wäre das geschwächte Regime nicht in der Lage gewesen, die Rebellen so in die Defensive zu drängen.

Verfehlte Politik des Westens

An Aleppo zeigt sich die Schwäche und die verfehlte Politik des Westens, allen voran der USA und seiner Verbündeten. Sie ließen ein Machtvakuum im Bürgerkrieg entstehen, in das Moskau zugunsten der syrischen Regierung vorstieß - und gucken nun ohnmächtig der zivilen Katastrophe zu.

Verhandlungsbasis

Die Eroberung Aleppos würde dem Regime eine starke Verhandlungsbasis für künftige Friedensgespräche geben – falls Assad diese angesichts seines Siegeszuges überhaupt für nötig halten sollte.

Im Ostteil der syrischen Großstadt Aleppo hatte es am Morgen nach Berichten von Aktivisten und Beobachtern erneut Kämpfe und Artilleriebeschuss gegeben. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von einer Explosion durch Artilleriebeschuss des syrischen Regimes auf Ost-Aleppo. Dies sei ein klarer Bruch der Feuerpause, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, der dpa. Aktivisten berichteten ebenfalls von Angriffen regierungstreuer Truppen.

Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete unter Berufung auf ihren Korrespondenten, syrische Regierungstruppen und mit ihr verbündete schiitische Milizen hätten die Waffenruhe durchbrochen. Sie hätten begonnen, den belagerten Teil mit schweren Waffen zu beschießen.

Syrische Oppositionsgruppen haben dagegen iranischen Kämpfern vorgeworfen, gegen die Feuerpause für Aleppo zu verstoßen. Wie die russische Nachrichtenagentur Tass mit Verweis auf das russische Verteidigungsministerium meldete, hätten Rebellen versucht, die Belagerung der syrischen Truppen zu durchbrechen. Der Versuch sei zurückgeschlagen worden. Dadurch verzögere sich auch die von Moskau angekündigte Evakuierung von Zivilisten und Rebellen aus dem Ostteil der Stadt, sagte ein Rechtsberater der Opposition, Osama Abu Sajd, am Mittwoch der Nachrichtenagentur AP.

Syrien-Krise

Rebellengebiete: Evakuierung von Ost-Aleppo stockt

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Abu Sajd, der sich am Stadtrand Aleppos aufhielt, sagte außerdem: „Es ist klar, dass die Russen den Iran nicht dazu bringen könne, sich an den Deal zu halten.“ Iranische Milizen und die Hisbollah feuerten auf vier Bezirke in Aleppo, die noch in der Hand der Aufständischen seien. Zudem hätten die Iraner neue Forderungen gestellt. Dazu gehöre die Bergung der sterblichen Überreste von in Aleppo getöteten Iranern sowie die Freilassung iranischer Geiseln im von der syrischen Opposition kontrollierten Idlib.

Aus regierungstreuen Kreisen hieß es am Mittwoch, dies signalisiere, dass die Abmachung zwischen Regierung und Rebellen zum Abzug gescheitert sein könnte. Die Regierung in Damaskus habe Einwände gegen die Zahl der Rebellen und Zivilisten, die die Rebellengebiete verlassen sollten. Zudem forderte die Regierung eine Namensliste. Bislang habe noch niemand die Stadt verlassen. Hintergrund seien zusätzlich Unstimmigkeiten zwischen dem Regime und seinem Verbündeten Russland über die Einigung mit den Aufständischen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Demnach ist Syriens Führung unzufrieden mit dem Abkommen, weil es ihm von Russland aufgezwungen worden sei. Moskau habe die Einigung zudem ohne Abstimmung mit ihr verkündet. Das Regime sei entschlossen gewesen, den Konflikt um Aleppo militärisch zu entscheiden. Die Armee und ihre Verbündeten hatten zuletzt mehr als 90 Prozent der bisherigen Rebellengebiete nach heftigen Kämpfen eingenommen.

Kommentare (18)

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Herr Olaf Jurkat

14.12.2016, 10:33 Uhr

Liebe Redaktion, warum verbreiten Sie und die anderen deutschen Medien unbestätigte Informationen als Fakt? Ich zitiere aus dem Artikel: "Diese haben nach UN-Angaben bei ihrer Offensive in Ost-Aleppo mindestens 82 Zivilisten getötet." Sie lassen einfach weg, dass die Behauptung nicht verifizierbar ist. Auf BBC liest sich der Sachverhalt (beachten Sie den letzten Satz) wie folgt:

What's happening in rebel areas?

"We're filled with the deepest foreboding for those who remain in this last hellish corner" of eastern Aleppo, UN human rights office spokesman Rupert Colville told a news conference.

He said that of the 82 civilians reportedly killed by pro-government forces, 11 were women and 13 were children.

(Image copyright AFP Image caption Syrians in western Aleppo celebrated at the prospect of an imminent victory in the east)

"Yesterday evening, we received further deeply disturbing reports that numerous bodies were lying on the streets," Mr Colville added, while admitting it was hard to verify the reports.

Herr Vinci Queri

14.12.2016, 11:14 Uhr

@ Herr Olaf Jurkat

>> Liebe Redaktion, warum verbreiten Sie und die anderen deutschen Medien unbestätigte Informationen als Fakt >>

So werden durch die Lügenpresse Fakes erzeugt.

Aber Merkel wird jetzt dagegen vorgehen.......:-)

Herr Josef Schmidt

14.12.2016, 11:25 Uhr

Aus Assad muss weg ist leider nichts geworden. Fakt ist dass Cameron, Hollande, Obama und bald Merkel weg sein werden.

Unfassbar wie unsere "freie" Presse Propagandasprachrohr der Terroristen in Syrien und ihre Unterstützer und Geldgeber, Saudi Arabien, Qatar und USA geworden sind.

Abscheulich !!!

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