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23.09.2015

02:20 Uhr

Telefonat mit US-Präsident

Merkel diskutiert Flüchtlingskrise mit Obama

Bundeskanzlerin Merkel hat in einem Telefongespräch mit US-Präsident Obama über die syrische Flüchtlingskrise beraten. Beide waren sich über die „die Notwendigkeit einer Europa-weiten Lösung“ einig.

Die Bundeskanzlerin hat am Dienstag in einem Telefonat mit US-Präsident Obama über die Flüchtlingskrise gesprochen. ap

Angela Merkel

Die Bundeskanzlerin hat am Dienstag in einem Telefonat mit US-Präsident Obama über die Flüchtlingskrise gesprochen.

WashingtonUS-Präsident Barack Obama hat sich in einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für eine faire Lastenverteilung in der EU in der gegenwärtigen Flüchtlingskrise ausgesprochen und sich damit hinter die Bundesregierung gestellt. In ihrem Gespräch am Dienstag seien sich beide einig gewesen über „die Notwendigkeit einer Europa-weiten Lösung, bei der alle europäischen Mitgliedstaaten ihren gerechten Anteil an Flüchtlingen akzeptieren“, teilte das Weiße Haus in Washington mit.

In dem Telefonat ging es den Angaben zufolge auch um die Bekämpfung von Fluchtursachen, „insbesondere durch die Erleichterung eines politischen Übergangs, der die Syrer einen kann“. Neben dem Bürgerkrieg in Syrien wurde laut Weißem Haus auch der Konflikt in der Ostukraine angesprochen. Obama und Merkel hätten unterstrichen, dass Russland und die pro-russischen Separatisten sich an die Vereinbarungen des Minsker Friedensabkommens halten müssten.

Die syrischen Flüchtlinge und die Nachbarstaaten

Fast vier Millionen Flüchtlinge

Der syrische Bürgerkrieg hat sich zu einer humanitären Katastrophe entwickelt. Mehr als 3,8 Millionen Syrer sind ins Ausland geflohen, seit vor vier Jahren der Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad begann. Die meisten von ihnen sind in den Nachbarländern untergekommen und haben diese damit vor erhebliche Schwierigkeiten gestellt. Viele von ihnen sind nirgendwo registriert. Hier ein Überblick über die Situation. (Quelle: AP)

Libanon

1,2 Millionen Flüchtlinge sind registriert. In den oft spontan errichteten Notunterkünften werden jedoch noch zahlreiche weitere Vertriebene vermutet. Mit einer ursprünglichen Einwohnerzahl von 4,5 Millionen ist der Libanon damit nach Angaben der Vereinten Nationen das Land mit der höchsten Flüchtlingsquote der Welt. Die Regierung in Beirut hat aus Furcht um die innere Stabilität des Landes eine Reihe von Beschränkungen für Syrer verhängt. Eine der wichtigsten ist die Visumpflicht.

Jordanien

Nach offiziellen Angaben sind 625 000 Syrer nach Jordanien geflohen. Viele Flüchtlingslager stehen direkt an der Grenze zu Syrien, andere in der Nähe von Großstädten. Im größten Lager, Sataari, leben etwa 84 000 Flüchtlinge unter direkter Verwaltung der Regierung und der Vereinten Nationen.

Türkei

Der nördliche Nachbar Syriens hat 1,6 Millionen Bürgerkriegsflüchtlinge registriert. Die Regierung hat 21 Flüchtlingslager errichtet, zu denen auch Schulen und medizinische Einrichtungen gehören.

Irak

Der Irak wird selbst von einem Bürgerkrieg erschüttert. Trotzdem hat er 245 000 Flüchtlinge aufgenommen. Die meisten von ihnen sind Kurden, die in die von ihren Stammesverwandten bewohnten Gegenden im Nordirak gezogen sind. Zehntausende hausen in Zeltstädten oder eilig aus dem Boden gestampften Baracken. Die Regierung der weitgehend autonomen Kurdenregion im Irak erlaubt den Flüchtlingen eine große Freizügigkeit. Einige haben Arbeit und Wohnungen in Städten gefunden.

Ägypten

Die Regierung in Kairo geht nach eigenen Angaben von 136 000 Bürgerkriegsflüchtlingen aus. Doch selbst Beamte schätzen, dass hunderttausende Syrer im Land leben, die nicht registriert sind.

„Sie diskutierten ferner, wie sich die Ursachen des Flüchtlingsstroms lindern lassen, insbesondere indem der politische Übergang erleichtert wird, der eine Einigung der Syrer ermöglicht“, hieß es in der Mitteilung.

Die EU-Innenminister hatten am Dienstag bei einem Treffen in Brüssel die Umverteilung von 120.000 Asylbewerbern in Europa gegen den Widerstand von vier osteuropäischen Staaten beschlossen. Für die Anwendung einer Mehrheitsentscheidung in dem seit Wochen dauernden Streit über die Flüchtlingsverteilung hatte sich die Bundesregierung stark gemacht. Am Mittwoch kommen die Staats- und Regierungschefs der EU zu einem Gipfel zusammen. Dieser soll sich vor allem auf das Vorgehen gegen Fluchtursachen und Möglichkeiten zur besseren Sicherung der EU-Außengrenzen konzentrieren.

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