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30.12.2013

20:11 Uhr

Terror-Angst vor Olympia

Putin macht Sotschi zum Sperrgebiet

VonStefan Kaufmann

Wird die Olympiade des Sports zur Olympiade des Terrors? Die Anschläge von Wolgograd schüren die Angst vor Attentaten während der Spiele. Die Folge: Sotschi wird Hochsicherheitstrakt. Und sogar die USA bieten Hilfe an.

Doppelter Anschlag in Wolgograd

„Ministerium für Katastrophenschutz in Alarmbereitschaft“

Doppelter Anschlag in Wolgograd: „Ministerium für Katastrophenschutz in Alarmbereitschaft“

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DüsseldorfWaldimir Putin sehnt den 7. Februar herbei: Dann eröffnen im russischen Sotschi die Olympischen Winterspiele. Das Sportspektakel ist das große Prestigeprojekt des Präsidenten. Die ganze Welt wird auf Russland schauen. Doch der Doppelanschlag von Wolgograd setzt den Kremlchef unter Druck. Denn plötzlich beschäftigt Sportler, Politiker, Funktionäre vor allem eine Frage: Wie sicher sind die Spiele?

Die beiden Selbstmordattentäter, die am Sonntag und Montag mindestens 30 Menschen mit in den Tod rissen, haben aus Sicht der Terroristen ganze Arbeit geleistet. „Hier ist ein perfektes Szenario des Terrors geliefert worden“, sagt Rolf Tophoven, Chef des Instituts für Krisenprävention, im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Putin wurde deutlich gemacht: Wir können immer und überall zuschlagen. Die Botschaft an die Sotschi-Besucher lautet: Bleibt weg, denn es kann etwas Schlimmes passieren. Und nicht zuletzt sorgen die Anschläge dafür, dass der Blick der Weltöffentlichkeit wieder auf den Nordkaukasus gelenkt wird.“

Terror in Russland – Bomben und Geiselnahmen

Oktober 2002

Tschetschenen überfallen ein Moskauer Musical-Theater und nehmen mehr als 800 Geiseln. Nach drei Tagen stürmt die Polizei das Gebäude. 129 Geiseln und alle 41 Terroristen sterben.

August 2004

Nahezu gleichzeitig stürzen zwei russische Passagiermaschinen ab. Alle 90 Menschen an Bord kommen ums Leben. In beiden Maschinen hatten Selbstmordattentäterinnen aus Tschetschenien Bomben gezündet.

September 2004

Bewaffnete überfallen eine Schule in Beslan (Nordossetien) und nehmen 1.100 Kinder, Eltern und Lehrer als Geiseln. Das Terrordrama endet mit 360 Toten. Als einer der Drahtzieher gilt der tschetschenische Rebellenführer Schamil Bassajew.

November 2009

Bei einem Sprengstoffanschlag auf den Schnellzug Moskau-St. Petersburg kommen mindestens 26 Menschen ums Leben. Der tschetschenische Terrorist Doku Umarow bekennt sich zu dem Anschlag und kündigt einen „Sabotagekrieg“ gegen die „blutige Besatzungspolitik“ Moskaus im Kaukasus an.

Januar 2011

Bei einem Selbstmordanschlag auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo sterben mindestens 37 Menschen. Drahtzieher der Sprengstoffattacke ist wieder Doku Umarow, der der russischen Regierung per Video mit weiteren Anschlägen droht.

Oktober 2013

Mit einer Bombe in einem Linienbus in Wolgograd tötet eine Selbstmordattentäterin sechs Insassen und sich selbst. Mehr als 30 Menschen werden zum Teil schwer verletzt. Fahnder vermuten, dass Islamisten aus dem Nordkaukasus der Frau die Bombe übergeben haben.

Dezember 2013

Im Bahnhof der Millionenstadt Wolgograd zünden Terroristen am 29.12. eine mit Nägeln und Schrauben gefüllte Bombe. Bei dem Selbstmordanschlag sterben mindestens 17 Menschen. Nur einen Tag später sterben bei einer Explosion in einem Bus in Wolgograd weitere 14 Menschen. Auch hier gehen die Ermittler von einem Selbstmordanschlag aus.

Denn dort werden die Drahtzieher der Attentate vermutet. „Banditen“ wie Islamistenführer Doku Umarow schickten „unter der Flagge des Dschihad“ (Heiligen Krieges) immer neue Kämpfer in einen „Terrorkrieg“, teilte das Außenministerium in Moskau am Montag mit. „Wir werden unseren Kampf gegen einen bösen Feind konsequent fortsetzen“, kündigte das Ministerium an. Die Anschläge seien mit Terrorattacken in Syrien, Afghanistan oder im Irak vergleichbar.

Im Sommer hatte der tschetschenische Islamistenführer Umarow per Drohvideo zu Attentaten aufgerufen, um die Olympischen Spiele zu torpedieren. Diese seien ein „teuflischer Tanz auf den Knochen unserer Vorfahren“, sagte er in Anspielung auf die Eroberung der Schwarzmeerküste durch die Armee des Zaren im 19. Jahrhundert. Umarow führt nun einen terroristischen Kampf gegen Russland und sagt, das Hauptziel der tschetschenischen Rebellen sei die Unabhängigkeit. Die jüngste Anschlagserie ist laut Tophoven in diesem Kontext zu sehen.

Die Folge: „Sotschi wird zu einem Hochsicherheitstrakt“, sagt der Terrorismusexperte. Russland hat bereits angekündigt, während der Spiele der terroristischen Bedrohung mit martialischen Sicherheitsvorkehrungen begegnen zu wollen. Sportler und Gäste der ersten russischen Olympischen Winterspiele müssen sich daher auf Heerscharen von Uniformierten einstellen. Zivilschutzminister Wladimir Putschkow kündigte eine Mannschaftsstärke von 23.000 Einsatzkräften an. Das Innenministerium hatte zuvor mitgeteilt, 37.000 Uniformierte abzustellen.

„Die Anforderungen an die Sicherheit sind bei uns noch höher als die internationalen Standards“, sagte Putschkow der Agentur Interfax zufolge. „Ich kann versichern, dass alle Fragen der Sicherheit, des Schutzes vor Bränden, vor Notfällen wegen Naturkatastrophen oder aus technischen Gründen, vor Risiken jeder Art in Sotschi auf dem höchsten Niveau erfüllt werden“, sagte der Minister. Der Zivilschutz sei für die Sicherheit aller olympischen Anlagen verantwortlich. Im ganzen Süden Russlands seien die Krisenstäbe in allen Einsatzzentren modernisiert worden.

Kommentare (7)

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irmakreiten

30.12.2013, 15:41 Uhr

Die Frage, die alle beschäftigen sollte, lautet "Wer sind die Tscherkessen, was ist ihnen im 19. Jahrhundert widerfahren, warum schweigt die deutsche Öffentlichkeit hierzu bisher weitgehend, und wie nehmen wir mit Herstellung von historischer Gerechtigkeit Extremisten wie Umarov die Argumente weg und den Wind aus den Segeln?"

Account gelöscht!

30.12.2013, 15:45 Uhr

Das einzige was helfen könnte wäre eine angemessene Besteuerung der IOC-Gewinne, dann würde diese Sportmafia ausbluten.

Harald

30.12.2013, 16:02 Uhr

Wer die Nachrichten aufmerksam verfolgt hat weiß, das Saudi Arabien diesen Terror finanziert! Tip: Es hat was mit Syrien und einer Pipeline zú tun. Blöd nur, dass Putin nicht in die Falle der USA getappt ist ;-)

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