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09.12.2011

15:52 Uhr

Terror

Briefbombe explodiert in römischem Büro

Nach dem vereitelten Briefbombenanschlag auf Josef Ackermann ist am Freitag in Rom ein Päckchen explodiert. Der Direktor einer staatlichen Krediteintreibungsfiliale wurde verletzt.

Unklar ist bisher, ob zwischen dem Anschlag in Rom und der Briefbombe an Ackermann ein Zusammenhang besteht. dapd

Unklar ist bisher, ob zwischen dem Anschlag in Rom und der Briefbombe an Ackermann ein Zusammenhang besteht.

RomWieder Briefbombenterror in der italienischen Hauptstadt: Bei der Explosion eines Päckchens in der Filiale einer staatlichen Schuldeneintreibungsgesellschaft in Rom ist ein Mensch schwer an der Hand verletzt worden. Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete, explodierte am Freitag ein Päckchen in einer Filiale von Equitalia, der Direktor des Unternehmens habe dabei einen Finger verloren. Die Polizei nahm Ermittlungen auf.

Am Mittwoch war Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in Frankfurt einem ähnlichen Anschlag entgangen. Ein an ihn adressierter Umschlag war in der Poststelle der Deutschen Bank aufgefallen und geröntgt worden. Dabei wurde die Zündvorrichtung einer Bombe entdeckt. Die Experten des LKA konnten die Bombe entschärfen. Niemand wurde verletzt. Bei dem Anschlag in Rom gehe der zuständige Staatsanwalt Pietro Saviotti von einem terroristischen Hintergrund aus, berichteten italienische Medien. Man befürchte einen Zusammenhang mit dem Anschlag in Deutschland.

Gefährliche Post - Anschläge mit Briefbomben

März 2011

Bei Briefbombenanschlägen auf Soldaten im italienischen Livorno und eine Pro-Atom-Organisation im Schweizer Kanton Solothurn werden drei Menschen verletzt. Eine weitere Briefbombe aus Italien geht im griechischen Hochsicherheitsgefängnis Korydallos bei Athen ein, wird aber entschärft. Italienische Anarchisten bekennen sich zu dem Anschlag auf das Gefängnis, auch die Tat in Livorno wird ihnen zugeschrieben.

Dezember 2010

In Rom lösen Paketbombenanschläge auf die Botschaften der Schweiz und Chiles Terroralarm aus. Zwei Menschen werden schwer verletzt. Zu den Taten bekennt sich wiederum eine italienische Anarchistengruppe. Wenige Tage später wird auch vor der griechischen Botschaft in Rom eine Paketbombe gefunden, die aber entschärft werden kann.

November 2010

Eine Serie von Briefbomben an Politiker in mehreren europäischen Ländern sorgt für Aufregung. Eine Sendung landet im Berliner Kanzleramt. Das an Angela Merkel adressierte Paket kann aber entschärft werden. Pakete mit Brandsätzen gehen auch an verschiedene Botschaften in Athen, darunter an die Vertretungen Deutschlands und der Schweiz. Griechische Linksextremisten bekennen sich zu der Serie.

Februar 2008

Bei der Explosion einer Paketbombe in München wird ein Mann schwer verletzt. Das Paket war an einen Autohändler adressiert. Die Hintergründe der Tat bleiben mysteriös.

Januar & Februar 2007

Ein Mann aus Cambridge verschickt sieben mit Nägeln und Glassplittern gefüllte Briefbomben an Verkehrsbehörden in England und Wales. Acht Menschen werden verletzt. Der Mann wollte nach eigenen Angaben gegen den „Überwachungsstaat“ protestieren.

Februar 2000

Der zu lebenslanger Haft verurteilte österreichische Bombenleger Franz Fuchs verübt im Gefängnis Selbstmord. Er hatte aus Fremdenhass von 1993 bis 1996 mit Rohr- und Briefbomben vier Menschen getötet und rund ein Dutzend verletzt. Prominentestes Opfer war Wiens damaliger Bürgermeister Helmut Zilk, dem eine Briefbombe eine Hand zerfetzte.

Mai 1998

Der als „Unabomber“ in den USA bekannte Paketbomben- Attentäter Theodore Kaczynski bekennt sich vor Gericht schuldig und erhält im Gegenzug lebenslange Haft statt der Todesstrafe. Er hatte über einen Zeitraum von 17 Jahren drei Menschen durch Bombenanschläge getötet und über 20 verletzt. Das Kürzel „Una“ steht für Universities und Airlines, wo die ersten Opfer beschäftigt waren.

Zu dem Attentat auf Ackermann hatte sich die italienische Anarchistengruppe „Federazione Anarchica Informale/FAI“ bekannt. Dieselbe Gruppe hatte vor einem Jahr mit Briefbomben an die Botschaften der Schweiz und Chiles in Rom zwei Menschen verletzt. In dem Bekennerschreiben am Mittwoch wurde jedoch vor „drei Explosionen gegen Banken, Bankiers, Zecken und Blutsauger“ und auch gegen Politiker gewarnt. Ob der Anschlag am Freitag in Rom auch auf das Konto der Gruppe geht, war zunächst noch unklar.

Politik entsetzt: Bekennerschreiben nach Briefbombe gegen Ackermann

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Bekennerschreiben im Fall Ackermann

Das Briefbombenattentat sorgt für Aufregung. Jetzt gibt es ein Bekennerschreiben.

Der italienische Regierungschef Mario Monti bedauerte den Vorfall und versicherte dem Verletzten seine Solidarität. Die Schuldeneintreibungsgesellschaft Equitalia habe „stets nur ihre essenzielle Aufgabe im Rahmen von Recht und Gesetz erfüllt“, erklärte Monti.

Equitalia ist eine Gesellschaft, die sich mehrheitlich im Besitz des italienischen Staates befindet. Sie ist für Steuer- und Gebühreneintreibung zuständig.

Von

dpa

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