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04.09.2014

07:53 Uhr

Terror im Irak

Steinmeier warnt vor IS-Angriffen auf weitere Staaten

Der Terror der IS-Miliz im Irak und in Syrien könnte auf andere Staaten übergreifen, fürchtet Außenminister Steinmeier. Die Dschihadisten hätten einen Anspruch, der weit über den gegenwärtigen Irak hinausgehe.

Die Gewalt eskaliert: Ein IS-Kämpfer in ar-Raqqa im Osten Syriens. Reuters

Die Gewalt eskaliert: Ein IS-Kämpfer in ar-Raqqa im Osten Syriens.

Hamburg/WashingtonNach dem Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak befürchtet Außenminister Frank-Walter Steinmeier Angriffe der Dschihadisten auf weitere Staaten. Die Extremisten hätten einen ideologischen Anspruch, „der weit über den gegenwärtigen Irak hinausgeht“, sagte der SPD-Politiker am Mittwochabend in Hamburg. Unter anderem sei Saudi-Arabien mit im Fokus, ebenso Jordanien. Die sunnitische Miliz, die nach Schätzungen von Experten Zehntausende Kämpfer unter Waffen hat, beherrscht in Syrien und im Irak große Gebiete.

An diesem Donnerstag soll erstmals militärische Ausrüstung aus Deutschland für den Kampf der Kurden gegen die IS-Miliz in den Irak geliefert werden. Außerdem sollen kurdische Peschmerga-Kämpfer in Deutschland an der tragbaren Panzerabwehrwaffe „Milan“ ausgebildet werden, teilte das Verteidigungsministerium mit.

US-Präsident Barack Obama will die Enthauptung des US-Journalisten Steven Sotloff durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nicht ungesühnt lassen. „Wir werden für Gerechtigkeit sorgen“, sagte Obama in der estnischen Hauptstadt Tallinn.

Der IS-Siegeszug – Chronik Teil 1

6. Januar 2014

Im Irak und in Syrien dehnt die Miliz Islamischer Staat (IS) ihr Terrorregime auf immer mehr Orte aus. IS gewann 2013 an Einfluss, als der Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit sunnitischen Parteien eskalierte. Am 6. Januar besetzen IS-Rebellen Falludscha in der Provinz Anbar.

21. März 2014

IS liefert sich in der Provinz Dijala Kämpfe mit der Armee.

11. April 2014

Vor Gefechten in Anbar fliehen mehr als 400.000 Menschen.

10. Juni 2014

IS-Kämpfer nehmen Mossul ein. Im türkischen Konsulat werden fast 50 Geiseln genommen. Dazu kommen über 30 entführte türkische Lastwagenfahrer. Rund 500.000 Einwohner der Millionenstadt fliehen.

11. Juni 2014

IS kontrolliert weite Teile des Iraks. Dazu gehören Ninive, Anbar und Salaheddin mit den wichtigen Städten Baidschi und Tikrit.

12. Juni 2014

IS rückt weiter Richtung Bagdad vor. Regierungschef Nuri al-Maliki scheitert im Parlament mit dem Versuch, den Notstand ausrufen zu lassen.

13. Juni 2014

US-Präsident Barack Obama schließt ein Eingreifen von US-Bodentruppen aus, Washington bereite „andere Optionen“ vor. Auch Irans Präsident Hassan Ruhani sichert der schiitischen Regierung des Iraks Solidarität im Kampf gegen sunnitische Terroristen zu.

15. Juni 2014

Nachdem irakische Armee und kurdische Peschmerga-Kämpfer den Vormarsch der Dschihadisten gebietsweise stoppen konnten, führt IS den Kampf mit Videos und Fotos grausamer Exekutionen auch im Internet.

20. Juni 2014

Zweieinhalb Jahre nach Ende des Irak-Kriegs bereiten sich die USA auf neue Militärschläge im Land vor. Luftangriffe gegen IS-Rebellen sind nicht mehr ausgeschlossen. Außerdem seien die USA bereit, bis zu 300 Militärberater ins Land zu schicken.

24. Juni 2014

Angesichts des IS-Vormarsches wollen verfeindete Schiiten, Sunniten und Kurden im Irak rasch eine gemeinsame Regierung bilden. Al-Maliki lehnt diese ab und verschärft damit die Krise.

Obama und der britische Premierminister David Cameron schrieben in einem Beitrag für die „Times“ (Donnerstag), wenn die Terroristen dächten, die USA und Großbritannien würden angesichts ihrer Drohungen schwach, hätten sie sich schwer getäuscht. „Länder wie Großbritannien und Amerika werden sich von barbarischen Mördern nicht einschüchtern lassen.“

Die USA und Großbritannien bestätigten, dass ein IS-Video mit der Enthauptung Sotloffs authentisch sei. Das hätten Geheimdienst-Analysen ergeben.

Nach den Worten von US-Vizepräsident Joe Biden wird Amerika die Täter jagen. Wörtlich sagte er: „Wir werden sie bis zu den Toren der Hölle verfolgen, bis sie zur Rechenschaft gezogen werden. Denn die Hölle ist der Ort, wo sie sein werden.“

Ein Sprecher der Familie des Opfers erklärte, sie würden es ihren Feinden nicht erlauben, sie mit der einzigen Waffen die Terroristen besäßen, nämlich der Angst, als Geiseln zu nehmen. Sotloff habe sich aufgerufen gefühlt, aus der arabischen Welt zu berichten. „Er opferte letztlich sein Leben, um ihre Geschichten in die Welt zu bringen“.

Kommentare (6)

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Herr W. H.

04.09.2014, 09:04 Uhr

Und Steinmeier rettet die Welt?
Das ist doch erst einmal im Verantwortungsbereich der betroffenen Staaten. Und übergeordnet gibt es dann die UNO. Da sollte sich Herr Steinmeier doch etwas mehr zurückhalten. Aktionismus führt meistens nicht weiter. Kompetente Politiker sind da eher gefragt!

Herr Alfred E. Neumann

04.09.2014, 09:43 Uhr

Haben Sie den Artikel überhaupt gelesen? Da wird in keinem Wort erwähnt, dass Steinmeier diesen Verantwortungsbereich für sich beansprucht oder irgend welchen Aktionismus plant. Kompetente Politiker sind ebenso gefragt wie kompetente Kommentare.

elly müller

04.09.2014, 13:05 Uhr

Für mich ist das ein Problem das alle angeht!

Wenn Steinmeier darauf aufmerksam macht, dass es eine Bedrohung für alle Staaten ist, dann ist das eine begründete Aussage!

Der Terror ist in Deutschland angekommen!!!!

Schon vergessen? Hier wurden Jesiden bereits von solchen Verbrechern tätlich angegriffen! Danach wurden sie bedroht mit der Aufforderung ihre Anzeige fallen zu lassen, ansonsten würden sie das bereuen!

Diese Verbrecher können hier in Deutschland sogar auf die Straße mit ihren schwarzen Bannern gehen!!!!!!!! Keiner greift ein, denn als Terrorgruppe wurden sie in Deutschland noch gar nicht eingestuft!

Ich glaube es nicht, dass ich hier in einem beschützten Staat lebe!

Bis die Politiker hier aufwachen ist alles zu spät!

Da lobe ich mir Cameron, der fordert z.B. alle Passagierlisten bevor die Maschinen in GB landen! Wäre doch mal ein erster Schutz der hier auch angewendet werden könnte!

Aufwachen!

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