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20.04.2016

18:52 Uhr

Terror in Afghanistan

Präsident will „jeden Tropfen Blut rächen“

Nach dem Anschlag in Kabul ist die Zahl der Opfer auf 64 gestiegen. Der Präsident des Landes hat Vergeltung angekündigt. Sein Regierungsgeschäftsführer blickt vorwurfsvoll in Richtung Pakistan.

„Wir werden jeden Tropfen afghanischen Blutes rächen.“ AP

Ashraf Ghani

„Wir werden jeden Tropfen afghanischen Blutes rächen.“

KabulNach dem schlimmen Selbstmordanschlag mit Dutzenden Toten in der Hauptstadt Kabul hat der afghanische Präsident Aschraf Ghani Vergeltung angekündigt. „Wir werden jeden Tropfen afghanischen Blutes rächen“, sagte er nach örtlichen Medienberichten vom Mittwoch. „Es gab nicht einen Tag, an dem ich und das afghanische Volk nicht die Botschaft des Friedens verbreitet hätten, aber es ist das Gebot Gottes, gegen Angriffe standfest zu sein“, erklärte der Präsident demnach beim Besuch von Verletzten in einem Militärkrankenhaus.

Ein Selbstmordattentäter hatte am Dienstag im Zentrum Kabuls eine Autobombe gezündet. Dabei wurden 64 Menschen getötet und 347 verletzt, wie der Sprecher des Innenministeriums, Sediq Sediqqi, am Mittwoch mitteilte. Es war der seit Jahren schwerste Anschlag in der afghanischen Hauptstadt.

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Mehr Binnenflüchtlinge

250.000 neue Binnenflüchtlinge erwartet die Uno für das Jahr 2016. Das ging aus dem vergangene Woche veröffentlichten neuen Humanitären Reaktions-Plan der Uno hervor. In 2015 waren 200.000 Menschen vor Gefechten und Angriffen aus ihren Dörfern geflohen – ein Anstieg von 64 Prozent verglichen mit 2014.

Weniger Helfer

Um 20 Prozent ist die Zahl der in der umkämpften Provinz Helmand tätigen humanitären Helfer 2015 geschrumpft, heißt es in dem Bericht weiter.

Eroberungen durch Taliban

23 Bezirkszentren eroberten die Taliban in 2015. Ein Großteil konnte zurückerobert werden.

Gebiete unter Taliban-Kontrolle

27 der 407 Bezirke stehen unter direkter Kontrolle der Taliban oder ihrem Einfluss. 88 weitere Bezirke drohen in ihre Hände zu fallen, schreibt der Spezialinspekteur des amerikanischen Senats für den Wiederaufbau in Afghanistan (Sigar) in einem Ende Januar veröffentlichten Bericht.

Mehr tote Polizisten

27 Prozent mehr tote und verletzte afghanischen Polizisten und Soldaten verzeichnet der am 15. Dezember veröffentlichte Bericht des amerikanischen Verteidigungsministeriums zur Sicherheit und Stabilität in Afghanistan für 2015 verglichen mit 2014 (bis November). Absolute Zahlen nennt das Papier nicht. Nach einem Bericht der Washington Post liegt die Gesamtzahl der in 2015 (bis November) getöteten Soldaten und Polizisten bei mehr als 7000.

Mehr schwere Angriffe

28 schwere („high profile“) Angriffe und Anschläge verzeichnet derselbe Pentagon-Report allein in der Hauptstadt Kabul zwischen Januar und Mitte November 2015 - ein Anstieg von fast 30 Prozent verglichen mit 2014. Ab Januar setzte sich die Serie mit mindestens sechs weiteren großen Anschlägen auf Regierung und Sicherheitskräfte, aber auch „weiche“ Ziele wie ein Hotel und ein Restaurant fort.

Einsatzkräfte

1 der 101 Infanterie-Einheiten im Land sei einsatzbereit, heißt es in einem „Spiegel“-Report vom Januar.

Sicherheitsrelevante Vorfälle

6601 „sicherheitsrelevante Vorfälle“ verzeichnete der Dezember-Bericht des Uno-Sicherheitsrats allein bis 31. Oktober. Das sei ein Anstieg von 19 Prozent verglichen mit 2014.

Ermordungen und Entführungen

447 gezielte Ermordungen und Entführungen von Zivilisten begangen von Extremisten verzeichnet derselbe Uno-Bericht bis 31. Oktober 2015. Das sei ein Anstieg von zwölf Prozent verglichen mit 2014.

Tote Zivilisten

4921 tote und verletzte Zivilisten zählten die Vereinten Nationen in ihrem Bericht zu Zivilopfern in Afghanistan allein in der ersten Hälfte von 2015 - ein neuer Rekord. Zwischen 1. August und 31. Oktober verzeichneten die Uno laut Uno-Sicherheitsratsbericht vom Dezember dann weitere 3693 zivile Tote und Verletzte (26 Prozent mehr als in 2014).

Zu dem Attentat bekannten sich die radikalislamistischen Taliban. Sie hatten in der vergangenen Woche ihre Frühjahrsoffensive begonnen.

Der Anschlag sei von außerhalb Afghanistans geplant worden, erklärte der Sprecher des Regierungsgeschäftsführers Abdullah Abdullah. Dieser habe einen im Mai geplanten Besuch in Islamabad, der Hauptstadt des Nachbarlandes Pakistan, abgesagt.

Pakistan steht als Teil einer neuen „Friedensallianz“ für Afghanistan unter Druck, die Taliban an den Verhandlungstisch zu bekommen. Das Land, dem vorgeworfen wird, die Aufständischen zu unterstützen, gilt als Schlüssel zu Gesprächen. Die Taliban lehnen die Initiative aber ab. Neben Pakistan gehören Afghanistan, China und die USA der „Friedensallianz“ an.

Von

dpa

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