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21.06.2017

12:42 Uhr

Terror in Brüssel

Attentäter wohnte in Islamisten-Hochburg Molenbeek

Nach Frankreich und Großbritannien scheint nun wieder Belgien Ziel eines Terrorangriffs geworden zu sein. Soldaten konnten Schlimmeres verhindern. Beim Täter handelt es sich um einen Marokkaner aus Brüssel-Molenbeek.

Zeugen aus Brüssel berichten

„Wir haben die Angst der Leute in ihren Augen gesehen“

Zeugen aus Brüssel berichten: „Wir haben die Angst der Leute in ihren Augen gesehen“

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BrüsselBrüssel ist offensichtlich nur knapp einem folgenschweren Terroranschlag im Zentralbahnhof entgangen. Ein Mann habe in einer Gruppe von Reisenden einen mit Nägeln und Gasflaschen gefüllten Koffer zur Explosion bringen wollen, teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Die Attacke wurde am Dienstagabend vereitelt. Der 36-jährige Angreifer wurde erschossen. Es handele sich um einen Marokkaner aus dem Brüsseler Stadtteil Molenbeek. Die Gemeinde ist als Hochburg von Islamisten bekannt.

Der Tatverdächtige, der bei der Tat „Allahu akbar“ (Gott ist groß) gerufen hatte, war am Dienstagabend im Zentralbahnhof in der Innenstadt von einem patrouillierenden Soldaten getötet worden. Zuvor hatte der Verdächtige nach Angaben der Ermittler gegen 20.45 Uhr versucht, seinen Koffer in die Luft zu sprengen.

Es gab nach Angaben der Staatsanwaltschaft zunächst eine kleine und anschließend eine etwas größere Explosion. Dabei wurde niemand verletzt. Doch sagte Behördensprecher Eric Van der Sijpt: „Es war klar, dass er mehr Schaden anrichten wollte, als er es tat.“

Die Ermittler werteten die Tat als versuchten terroristischen Mord. Anti-Terror-Ermittler übernahmen die Untersuchung und veranlassten noch in der Nacht Razzien im Haus des Verdächtigen in Molenbeek. Ob etwas Verdächtiges gefunden wurde, teilten die Ermittler aus taktischen Gründen zunächst nicht mit. Auch blieb der Hintergrund der Tat offen.

Der Verdächtige sei vorher nicht wegen terroristischer Zusammenhänge bekannt gewesen, sagte der Sprecher. Er sei allein zum Tatort gekommen. Der Mann habe auch keinen Sprengstoffgürtel am Körper getragen, sagte der Sprecher und wies damit Spekulationen zurück. „Wir beschränken uns auf die Fakten, deren wir uns sicher sind“, sagte Van der Sijpt weiter.

Belgiens Ministerpräsident Charles Michel dankte vor allem den Soldaten, die den mutmaßlichen Attentäter niedergeschossen hatten. In einer potenziell gefährlichen Situation hätten sie schnell und professionell reagiert, sagte Michel in Brüssel.

Michel bekräftigte, dass die Sicherheitsbehörden die Terroralarmstufe zunächst nicht anheben werden. Es gilt weiter Stufe drei von vier. Das bedeute, dass es keine Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Terrorakt gebe, sagte Michel. Er mahnte seine Landsleute, sich nicht einschüchtern zu lassen und ihre Freiheit im Alltag und ihren Lebensstil zu bewahren.

Trotzdem wurden die Sicherheitsdienste zu erhöhter Wachsamkeit aufgefordert, wie Michel bestätigte. Am Mittwochvormittag wurde vor dem Bahnhof von Namur im Süden des Landes ein verdächtiges Paket entdeckt und der Bahnverkehr deshalb zeitweise unterbrochen. Hintergründe und Details blieben zunächst offen. Auch am Bahnhof von Antwerpen gab es einen Polizeieinsatz, ohne dass zunächst die Zusammenhänge klar wurden.

Brüssel war bereits mehrfach von Anschlägen erschüttert worden. Im März 2016 hatten mehreren Bomben islamistischer Attentäter am Flughafen und in einer Metrostation 32 Menschen getötet. Im Mai 2014 hatte im Jüdischen Museum ein französischer Islamist vier Menschen erschossen. Seitdem gehören nicht nur Polizisten, sondern auch mit Maschinenpistolen bewaffnete Militärpatrouillen zum Stadtbild.

Zuletzt hatten islamistische Attentäter Großbritannien und Frankreich angegriffen. In Paris gab es erst am Montag einen Anschlagsversuch auf Polizisten auf dem Prachtboulevard Champs-Élysées. In Großbritannien hatte es zuvor Anschläge in Manchester und London gegeben.

Von

dpa

Kommentare (9)

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Herr Toni Ebert

21.06.2017, 10:07 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Kurt Siegel

21.06.2017, 10:07 Uhr

Und wieder keine rigorose Verurteilung dieser Untat seitens der Moslemverbände; Wegducken und Schweigen sind die Devise.

Warum exkomunizieren die Imane nicht die Verursacher dieser Massenmorde und verweigen zudem die Beerdigung, damit jedem potentiellen Mörder schon vorher klar ist, dass er eben nicht ins Paradies kommt, wenn er unschuldige Opfer mit in den Tod reißt.

Herr Peter Spiegel

21.06.2017, 10:28 Uhr

Genau, keine Jungfrauen mehr für Killer.

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