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26.03.2016

17:32 Uhr

Terror in Brüssel

Der dritte Mann ist offenbar gefasst

Nach dem Mann mit Hut wurde tagelang gefahndet. Nun sitzt ein Verdächtiger in Haft, bei dem es sich um einen der drei Terrorbomber handeln soll. Unterdessen kommt der Verdacht auf: Die Behörden hätten früher von den Plänen wissen können.

Faycal C., hier in einem Standbild aus einem selbstveröffentlichten Youtube-Video, wurde im Zusammenhang mit den Anschlägen in Brüssel verhaftet. AFP; Files; Francois Guillot

Verdächtiger gefasst

Faycal C., hier in einem Standbild aus einem selbstveröffentlichten Youtube-Video, wurde im Zusammenhang mit den Anschlägen in Brüssel verhaftet.

BrüsselBei Anti-Terror-Razzien in Brüssel ist der Polizei nach Medienberichten der gesuchte dritte Attentäter vom Brüsseler Flughafen ins Netz gegangen. Die Zeitung „Le Soir“ meldete am Samstag unter Berufung auf gute Quellen, der in der Nacht zum Freitag festgenommene Fayçal C. sei von dem Taxifahrer identifiziert worden, der das Terrorkommando zum Flughafen gebracht habe. Dort hatten zwei Selbstmordattentäter am Dienstag mindestens elf Menschen in den Tod gerissen. Eine offizielle Bestätigung für die Identität des Festgenommenen gab es zunächst nicht.

Wie der Sender RTBF berichtete, werde noch auf das Ergebnis einer DNA-Analyse gewartet. Die Staatsanwaltschaft teilte am Samstag mit, dass am Freitag Haftbefehl gegen Fayçal C. wegen Beteiligung an terroristischen Morden erlassen wurde. Bei einer Durchsuchung seien bei Fayçal C. weder Waffen noch Sprengstoff gefunden worden.

Seit dem Anschlag am Dienstag war nach dem flüchtigen Komplizen gesucht worden. Auf dem Bild einer Überwachungskamera ist er in der Flughafenhalle rechts von den beiden Selbstmordattentätern Najim Laachraoui (24) und Ibrahim El Bakraoui (29) mit weißer Jacke und schwarzem Hut zu sehen. Nach der Festnahme von Fayçal C. hatte es schon am Freitag Spekulationen gegeben, wonach es sich bei ihm um den Gesuchten handeln könnte.

Terror in Brüssel

Erschütternde Amateurvideos nach den Anschlägen in Brüssel

Terror in Brüssel: Erschütternde Amateurvideos nach den Anschlägen in Brüssel

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Die Wiedereröffnung des stark zerstörten Brüsseler Flughafens verzögert sich bis mindestens Dienstag.

Die griechische Polizei soll bereits im Januar 2015 in zwei Wohnungen in Athen Pläne entdeckt haben, die auf einen Terroranschlag auf dem Flughafen von Brüssel hindeuteten. Schon damals seien die belgischen Behörden informiert worden, berichtete der Athener Nachrichtensender Skai am Samstag unter Berufung auf die griechische Polizei. Unter anderem sei eine Karte des Flughafens von Brüssel gefunden worden. Eine offizielle Erklärung der Polizei dazu gab es zunächst nicht.

Nach den Razzien in Brüssel vom Donnerstag und Freitag sitzen weiterhin mehrere Verdächtige im Gefängnis. Neben Fayçal C. wurde gegen einen weiteren Mann Haftbefehl erlassen. Rabah N. wird ebenfalls die Beteiligung an Aktivitäten einer terroristischen Gruppe vorgeworfen wird. Die Ermittlungen gegen ihn stehen im Zusammenhang mit einer Razzia im Pariser Vorort Argenteuil am Donnerstagabend, bei der der terrorverdächtige Franzose Reda Kriket festgenommen worden war. Dadurch wurde nach Angaben des französischen Innenministeriums ein Anschlagsplan im „fortgeschrittenen Stadium“ vereitelt.

Terrorverdächtiger schweigt seit Anschlägen

Gegen einen weiteren Verdächtigen, Aboubakar A., wurde ebenfalls Haftbefehl wegen Terrorverdachts erlassen. Ein Mann, der am Freitagnachmittag nahe einer Tram-Station im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek festgenommen wurde, sollte zunächst in Gewahrsam bleiben. Die Ermittler äußerten sich nicht dazu, ob die Festnahmen in Zusammenhang mit den Anschlägen in Brüssel oder Paris standen.

Der Terrorverdächtige Salah Abdeslam will seit den verheerenden Anschlägen von Brüssel nicht mehr mit Ermittlern sprechen. Das sagte der belgische Justizminister Koen Geens am Freitag im Parlament. Der 26-Jährige war den Ermittlungen zufolge an den Pariser Anschlägen mit 130 Toten beteiligt und stand auch in Kontakt zu Mitgliedern der Terrorzelle, die die Selbstmordattentate am Brüsseler Flughafen und in einer Metro mit mindestens 31 Toten verübte. Zu den Anschlägen hatte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannt.

Verdächtige der Anschläge von Brüssel und Paris (24.3.)

Khalid El Bakraoui

Der 27-jährige Belgier hat sich der Staatsanwaltschaft zufolge am Dienstag in einem Zug nahe der Brüsseler Metro-Haltestelle Maelbeek in die Luft gesprengt. Bereits 2011 war er wegen Autodiebstahls zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, hatte sich der Strafe aber entzogen. Er soll einen gefälschten Ausweis benutzt haben, um eine Wohnung in Brüssel anzumieten, in der sich weitere Mitglieder der Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS) versteckt haben sollen.

Ibrahim El Bakraoui

Der 29-jährige Bruder Khalids hat sich den Ermittlungen zufolge am Brüsseler Flughafen in die Luft gesprengt. Er war 2010 zu zehn Jahren Haft verurteilt worden, nachdem er bei einem versuchten Raub auf Polizisten geschossen hatte. Seit seiner zwischenzeitlichen Haftentlassung im August 2015 war er untergetaucht. Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan hatte am Mittwoch erklärt, dass der Belgier 2015 an der türkisch-syrischen Grenze festgenommen und auf eigenen Wunsch in die Niederlande ausgewiesen worden sei. Belgien habe die Warnung, dass es sich um einen Extremisten handle, ignoriert.

Najim Laachraoui

Najim Laachraoui soll Medienberichten zufolge der zweite Selbstmordattentäter am Flughafen von Brüssel gewesen sein. Die DNS des 25-jährigen Belgiers wurde nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft auch in Wohnungen der Attentäter von Paris gefunden. Bereits im Februar 2013 war Laachraoui nach Syrien gereist, wo er wahrscheinlich von IS-Kämpfern ausgebildet wurde. Unter falschem Namen wurde er zusammen mit Salah Abdeslam im September 2015 auf dem Weg von Ungarn nach Österreich gesehen.

Salah Abdeslam

Der 26-jährige Franzose war vorige Woche als mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge von Paris in Brüssel festgenommen worden. Nach eigenen Worten wollte er sich vor dem Fußballstadion in die Luft sprengen, in dem zu diesem Zeitpunkt ein Spiel zwischen Frankreich und Deutschland stattfand, machte aber im letzten Moment einen Rückzieher. Ob er auch in die Planungen der Brüssel Anschläge involviert war, ist noch unklar.

Brahim Abdeslam

Der ältere Bruder von Salah sprengte sich im November in einem Pariser Café in die Luft. Der 31-Jährige war zuvor von der Türkei in seine Heimat Belgien ausgewiesen worden, weil der Verdacht bestand, er könnte sich in Syrien einer Extremistenmiliz anschließen. Nach seiner Rückkehr nach Belgien wurde er zwar verhört, aber nicht festgenommen.

Mohammed Abrini

Der 30-jährige Belgier gilt als Freund der Abdeslam-Brüder und wird von Europol gesucht. Medienberichten zufolge könnte er der dritte Mann sein, der am Brüsseler Flughafen einen Selbstmord geplant hatte, dann aber seine Bombe zurück ließ und flüchtete. Abrini soll in Syrien gekämpft haben. Er war kurz vor den Pariser Anschlägen mit Salah Abdeslam in der französischen Hauptstadt gefilmt worden.

Abdelhamid Abaaoud

Der 28-jährige Belgier ist bei einer Schießerei mit der französischen Polizei in einem Pariser Vorort im November 2015 getötet worden. Er hat vermutlich in Syrien gekämpft und wird verdächtigt, dem Angriff auf das Jüdische Museum in Brüssel 2014 und einen gescheiterten Anschlag auf einen Zug von Frankreich nach Belgien 2015 unterstützt zu haben.

Mehdi Nemmouche

Der Franzose soll 2013 in Syrien gekämpft haben, bevor er bei dem Angriff auf das Jüdische Museum in Brüssel im Jahr 2014 vier Menschen getötet hat. Er wurde wenig später festgenommen und sitzt derzeit in dem Gefängnis in Brüssel, in dem auch Salah Abdeslam festgehalten wird.

Mohammed Belkaid

Der 35-jährige Algerier wurde mehrfach mit Laachraoui und Abdeslam gesehen. Er wurde am Freitag bei der Fahndung nach Salah Abdeslam von einem Scharfschützen getötet.

Amine Choukri oder Monir Ahmed Alaaj

Ein Mann, der die falschen Identitäten Amine Choukri und Monir Ahmed Alaaj benutzt hat, wurde am Freitag mit Saleh Abdeslam festgenommen. Der Mann war im Oktober 2015 mit Abdeslam in der Nähe von Ulm gesehen worden und soll ebenfalls in die Anschläge von Paris involviert gewesen sein.

Justizmister Heiko Maas (SPD) hält Terroranschläge auch in Deutschland für möglich. „Wir dürfen uns nicht darauf verlassen, dass der internationale Terrorismus eine Dauerschleife um Deutschland herum zieht“, sagte er der „Saarbrücker Zeitung“ (Samstag). Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: „Die Terroristen würden gerne ihren Krieg in unsere Städte und unsere Köpfe tragen, uns in eine Art Belagerungszustand treiben, um uns ihre perverse Logik von Gewalt und Hass aufzuzwingen.“ Diese Genugtuung dürfe man ihnen nicht geben.

Bei der Durchsuchung der Düsseldorfer Wohnung des Salafisten Samir E. konnte die Polizei nichts Verdächtiges entdecken. „Es wurde nichts gefunden, was auch nur annähernd Bezüge zu Sprengstoff, Zündern oder Ähnlichem hat“, sagte der Sprecher des Landeskriminalamtes NRW, Frank Scheulen, am Samstag. Auch die Auswertung des Handys des Verdächtigen habe keine Verbindungen zu Islamisten ergeben. Samir E. war nach Informationen des Magazins „Der Spiegel“ und der Deutschen Presse-Agentur ebenso wie der Brüsseler Flughafen-Attentäter Ibrahim El Bakraoui im Sommer 2015 von den türkischen Behörden im Grenzgebiet zwischen der Türkei und Syrien aufgegriffen worden.

Von

dpa

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