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18.12.2015

14:46 Uhr

Terror in den USA

Nachbar von Kalifornien-Attentäter festgenommen

Ein Ex-Nachbar des mutmaßlichen Täter-Paars von San Bernardino muss sich wegen Verschwörung zum Terrorismus verantworten. Er soll die Waffen für das Massaker gekauft haben. Weitere Anschläge waren wohl geplant.

Dem 24-jährigen Enrique M. wird Verschwörung zur Beihilfe von Terroristen vorgeworfen, wie Bundesstaatsanwälte mitteilten. ap

Weitere Festnahme

Dem 24-jährigen Enrique M. wird Verschwörung zur Beihilfe von Terroristen vorgeworfen, wie Bundesstaatsanwälte mitteilten.

RiversideMehr als zwei Wochen nach dem Anschlag von San Bernardino ist Strafanzeige gegen einen Ex-Nachbar des mutmaßlichen Täter-Ehepaars erstattet worden. Dem 24-Jährigen wird Verschwörung zur Beihilfe von Terroristen vorgeworfen, wie Bundesstaatsanwälte am Donnerstag mitteilten. Ende 2011 soll er zudem mit dem mutmaßlichen Attentäter Syed Farook Anschläge auf ein College und eine Autobahn geplant haben, zu denen es letztlich nicht kam. Zudem wird ihm wegen einer Scheinehe mit einer Angehörigen Farooks Einwanderungsbetrug vorgeworfen.

Dem Verdächtigen Enrique M. wird überdies der illegale Kauf zweier Sturmgewehre zur Last gelegt, mit denen Farook und seine Frau Tashfeen Malik am 2. Dezember in einem Sozialzentrum in San Bernardino 14 Menschen getötet haben sollen. Das mutmaßliche Täter-Ehepaar wurde Stunden später bei einem Feuergefecht mit der Polizei getötet.

M. war ein Nachbar des Paars und ein langjähriger Freund Farooks. Zum Zeitpunkt der Bluttat von San Bernardino arbeitete er Behördenangaben zufolge in einer Bar im Ort Riverside. Eine Rolle bei der Attacke schrieb ihm die Staatsanwaltschaft nicht zu, doch gebe es eine Verbindung durch die von ihm gekauften Waffen und Sprengsätze, die das mutmaßliche Täter-Ehepaar habe einsetzen wollen. „Ein früherer Erwerb der Feuerwaffen und sein anhaltendes Versäumnis, die Behörden über Farooks Absichten zum Massenmord zu warnen, hatte fatale Konsequenzen“, sagte Staatsanwältin Eileen Decker.

Was wir über das Attentat von San Bernardino wissen

Die Tat

Das Ehepaar Syed Farook und Tashfeen Malik eröffnete am Mittwoch, 2. Dezember, in einer Sozialeinrichtung in San Bernadino, Kalifornien, das Feuer. Farook hatte in der Einrichtung gearbeitet. 14 Menschen starben, 21 weitere wurden schwer verletzt. Nach einer Verfolgungsjagd wurde das Paar von der Polizei in ihrem gemieteten SUV erschossen. Nach Darstellung der Behörden gaben Malik und Farook am Tatort bis zu 75 Schüsse ab, sie ließen außerdem drei Rohrbomben in einem ferngesteuerten Sprengsatz zurück, der allerdings nicht funktionierte. Bei den Leichen fanden sich weitere 1600 Schuss Munition. Zwei bei der Tat verwendete Handfeuerwaffen soll Farook legal besessen haben.

Die Täter

Tashfeen Malik stammte aus Pakistan, Syed Farook wurde in den USA geboren. Kennen lernte sich das Paar über eine Online-Dating Plattform und traf sich im Sommer 2014 in Saudi-Arabien, wo Malik vor der gemeinsamen Übersiedlung in die USA zuletzt gelebt hatte. Ende Juli 2014 reiste Malik in die USA ein, das Paar heiratete einen Monat später. Seit Juli 2015 besaß Malik offenbar eine Greencard, nach Angaben der Anwälte von Farooks Familie soll sie allerdings als „fürsorgliche Hausfrau“ sehr zurückgezogen gelebt und Burka getragen haben. Farook soll regelmäßig am Schießstand trainiert haben, allein in der Wiche vor dem Attentat zwei Mal. Das Paar scheint seine Tat lange geplant zu haben, der SUV mit dem Farook und Malik vor der Polizei flohen und in dem sie schließlich erschossen wurden war gemietet, beide hatten ihre Handys entsorgt und versucht, ihre digitalen Spuren zu verwischen. Im Haus und der Garage fand die Polizei zwölf Rohrbomben und mehr als 4500 Schuss Munition. „Die beiden waren möglicherweise auf dem Weg zu weiteren Angriffen“, erklärte Polizeichef Jarrod Burguan. „Wir haben sie vorher gestellt.“ Das Paar hatte eine sechs Monate alte Tochter.

Das sagen die Medien

Der Fernsehsender CNN zitierte am Freitag mehrere Ermittler, laut denen Tashfeen Malik im Internet Kontakt zu der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) gesucht hatte. In einem Facebook-Eintrag soll Malik IS-Anführer Abu Omar al-Bagdadi ihre Gefolgschaft versprochen haben. Die „Los Angeles Times“ zitierte einen Facebook-Sprecher, laut dem das Profil mit dem entsprechenden Beitrag inzwischen gelöscht worden sei. Los Angeles' stellvertretender FBI-Direktor David Bowdich bestätigte den Facebook-Post indirekt. Er machte aber keine Angaben zu dessen Bedeutung für die Ermittlungen: „Wir haben das gesehen, was auch Sie gesehen haben.“

Das sagt die Polizei

Die US-Bundespolizei FBI untersucht die Tat inzwischen offiziell als Terrorakt. „Ab heute, auf Basis dessen was wir bis jetzt wissen, werden wir die Schießerei in San Bernardino, der 14 Menschen zum Opfer gefallen sind und 21 verwundet wurden, als einen Terrorakt behandeln“, erklärte der stellvertretende FBI-Direktor von Los Angeles, David Bowdich am Freitagnachmittag. Zunächst hatten die Ermittler vor „voreiligen Rückschlüssen“ gewarnt und auch einen persönlichen Hintergrund für die Tat nicht ausgeschlossen. Mittlerweile gehen die Ermittler davon aus, dass sich Farook und Malik im Internet radikalisierten. Angebliche Verbindungen zur Terrormiliz IS wollte das FBI, trotz Maliks Facebook-Post, hingegen nicht bestätigen. „Wir haben solche Hinweise derzeit nicht“, erklärte FBI-Direktor James Comey. Die genauen Umstände der Radikalisierung sind allerdings auch einige Tage nach der Tat nicht bekannt.

Stunden nach der Attacke von San Bernardino soll M. allerdings bei der Polizei angerufen und erklärt haben, dass sein Nachbar seine Waffe eingesetzt habe. Später tauchte er in einer Intensivstation einer Klinik auf und gab an, neun Bier intus zu haben und in die Schießerei „verwickelt“ zu sein. Er wurde dann in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen.

Behörden zufolge machte Farook M. vor zehn Jahren mit dem Islam vertraut. Mit ungefähr 16 Jahren sei er konvertiert und habe einen Großteil seiner Zeit im Haus Farooks verbracht, wo er sich „radikalen islamistischen Inhalten“ ausgesetzt habe.

Den Gerichtsakten zufolge räumte der Verdächtige ein, gemeinsam mit Farook Ende 2011 Anschläge auf ein College in Riverside sowie einen als State Route 91 bekannten Autobahnabschnitt geplant zu haben. In dem College, wo das Duo früher selbst studierte, wollte es demnach in einer Bücherei oder einem Café von Obergeschossen Rohrbomben auf versammelte Studentengruppen werfen.

Die Männer hätten zudem einen langen Abschnitt der State Route 91 ohne Ausfahrten ausgeguckt. Dort habe Farook ebenfalls Rohrbomben umherschleudern wollen, um den Stoßverkehr lahmzulegen. Dann habe er die Autobahn entlang gehen und Autofahrer in ihren gestrandeten Wagen erschießen wollen, hieß es.

Von

ap

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