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23.03.2017

08:40 Uhr

Terror in der britischen Hauptstadt

London gibt sich kämpferisch

VonKatharina Slodczyk

Zwölf Jahre lang war London von größeren Anschlägen verschont geblieben. Doch die Signale, dass die Terrorgefahr steigt, häuften sich. Nun schlug ein Attentäter im Herzen der Hauptstadt zu. Eine Analyse.

Ermittlungen nach London-Anschlag

Sieben Festnahmen und mehrere Razzien

Ermittlungen nach London-Anschlag: Sieben Festnahmen und mehrere Razzien

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LondonDas ist der Tag, auf den wir uns vorbereitet haben“, sagte Mark Rowley, der oberste Terrorbeauftragte der Londoner Polizei am späten Mittwochabend, „von dem wir aber hofften, dass er nie eintreten würde.“

Er ist eingetreten, als wenige Stunden zuvor ein dunkel gekleideter, untersetzter Mann erst Passanten auf der Westminster Bridge im Regierungsviertel überfuhr, dann einen Polizisten am Parlamentsgebäude niederstach und schließlich erschossen wurde. Kurz danach teilte die Polizei mit: Man betrachte die Vorfälle als Terrorangriff.

Es war der erste größere Anschlag dieser Art in der britischen Hauptstadt seit zwölf Jahren. Am 7. Juli 2005 hatten vier islamische Terroristen Bomben gezündet – drei in der U-Bahn und eine in einem Doppeldecker-Bus. 56 Menschen kamen dabei ums Leben, mehr als 700 wurden verletzt. Seither ist London von solchen Attacken verschont geblieben. Stattdessen waren andere Städte wie Nizza, Paris, Brüssel und Berlin Ziel von Terroranschlägen.

Terrorismus in Europas Metropolen

Paris (3)

Februar/März 2017: Auf dem Pariser Flughafen Orly verhindern Soldaten nur knapp einen möglichen Terroranschlag. Ein Mann will einer dort patrouillierenden Soldatin das Gewehr entreißen und wird von anderen Soldaten erschossen. Erst Anfang Februar war nahe dem Louvre-Museum ein Ägypter niedergeschossen worden, der sich mit Macheten auf eine Militärpatrouille gestürzt hatte.

Berlin

Dezember 2016: Kurz vor Weihnachten wird die Hauptstadt zum Ziel eines Terroranschlags. Zwölf Menschen sterben, als ein Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) einen gekaperten Lkw in einen Weihnachtsmarkt steuert. Wenige Tage später wird der 24 Jahre alte Tunesier bei einer Polizeikontrolle nahe Mailand erschossen.

Nizza

Juli 2016: Ein Attentäter rast mit einem Lastwagen auf dem Strandboulevard Promenade des Anglais in eine Menschenmenge. Mindestens 86 Menschen sterben. Der IS ist nach Angaben seines Verlautbarungsorgans Amak für den Anschlag verantwortlich.

Brüssel (2)

März 2016: Mit mehreren Bomben töten islamistische Attentäter am Flughafen der belgischen Hauptstadt und in einer Metrostation 32 Menschen.

Istanbul

Januar 2016: Ein Selbstmordattentäter der Terrormiliz IS reißt im historischen Zentrum zwölf Deutsche mit in den Tod. Der Angreifer zündet die Bombe mitten in einer deutschen Reisegruppe nahe der Hagia Sophia und der Blauen Moschee.

Paris (2)

November 2015: Bei einer koordinierten Anschlagsserie am Stade de France, mehreren Restaurants und dem Musikklub „Bataclan“ töten IS-Anhänger 130 Menschen, Hunderte werden verletzt.

Kopenhagen

Februar 2015: Ein arabischstämmiger 22-Jähriger feuert auf ein Kulturcafé, ein Mann stirbt. Vor einer Synagoge erschießt der Attentäter einen Wachmann, bevor ihn Polizeikugeln tödlich treffen.

Paris (1)

Januar 2015: Bei einem Attentat auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ und einen koscheren Supermarkt sterben 17 Menschen. Die beiden Täter kommen später bei einer Polizeiaktion ums Leben. Zu dem Anschlag bekennt sich die Terrororganisation Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel.

Brüssel (1)

Mai 2014: Im Jüdischen Museum erschießt ein französischer Islamist vier Menschen. Kurz darauf wird er festgenommen. Als selbst ernannter „Gotteskrieger“ hatte er zuvor in Syrien gekämpft.

London

Juli 2005: Vier Muslime mit britischem Pass zünden in der U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen sterben, etwa 700 werden verletzt.

Madrid

März 2004: Bei islamistisch motivierten Bombenanschlägen auf Pendlerzüge sterben in der spanischen Hauptstadt 191 Menschen, rund 1500 werden verletzt.

In der Zwischenzeit aber warnten britische Sicherheitsexperten immer wieder, die Ruhe würde nicht ewig andauern. Und an diesem grauen und nassen Frühlingstag Mitte dieser Woche bewahrheiteten sich ihre Warnungen.

Es gab bei dem Anschlag am Mittwoch Polizeiangaben zufolge 40 Verletzte und vier Todesopfer. Unter den Toten ist ein 48-jähriger Polizist, auf den der Angreifer mit zwei Messern losgegangen sein soll. Der Täter selbst wurde erschossen. Er sei der Polizei bekannt gewesen, hieß es, und er sei vom internationalen Terrorismus inspiriert worden. Weitere Details wurden zunächst nicht genannt.

Die Londoner Polizei hat bereits im vergangenen Jahr auf die zunehmende Bedrohung reagiert und die Zahl der Beamten, die Schusswaffen benutzen konnten, um etwa ein Drittel auf insgesamt 2.800 erhöht. Die Sicherheitskräfte, die sonst unbewaffnet in der Stadt im Einsatz sind, sollten so besser auf terroristische Angriffe mit Schusswaffen reagieren können.

+++ Anschlag in Großbritannien +++: Polizei identifiziert London-Attentäter als 52-jährigen Briten

+++ Anschlag in Großbritannien +++

Polizei identifiziert London-Attentäter als 52-jährigen Briten

Fünf Tote und rund 40 Verletzte – so lautet die Bilanz der Polizei nach dem Anschlag in London. Inzwischen wissen die Behörden auch mehr über den Täter. Der IS reklamiert die Tat für sich. Die Ereignisse im Newsblog.

Auch aus den Terroranschlägen von 2015 in Paris zog die britische Polizei Konsequenzen. Man habe die Kapazitäten ausgebaut, um mit gleichzeitigen Attacken von Selbstmordattentätern und bewaffneten Terroristen umgehen zu können, hieß es. Sicherheitsbudgets wurden aufgestockt, die Zahl der Mitarbeiter erhöht, Grenzkontrollen wurden strenger, ebenso wie Gesetze.

In einer seiner seltenen Rede betonte Alex Younger, der Chef des Auslandsgeheimdienstes MI6, Ende vergangenen Jahres die massiven Gefahren: Die Bedrohung sei so groß wie noch nie. Und seit Juni 2013 hätten die Geheim- und Sicherheitsdienste ein Dutzend möglicher Terroranschläge vereitelt, so Younger.

Kommentare (54)

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Herr Hans-Jörg Griesinger

23.03.2017, 08:49 Uhr

Die Welt ist ein Irrenhaus und wir sind die Insassen!
Da draußen laufen so viele Psychopathen frei herum, dass einen alles, was im Namen von Religionen und der Kommerzialisierung asoziales passiert, niemanden mehr wirklich verwundern sollte.
Was ich mich aber immer und immer wieder frage:
„Warum machen wir diesen Wahnsinn, der uns von oben herab (Politik, Wirtschaft/Industrie, Finanzmärkten, Kirchen/Religionen, Medien) seit Generationen immer wieder aufgezwungen wird und langfristig immer wieder im gegenseitigen Abschlachten endet, weiterhin freiwillig mit?“
Wir lassen uns seit Generationen von macht- und geldgeilen, Wahnsinnigen und religiös verblendeten Psychopathen am Nasenring durch die Weltmanage ziehen!

Herr Hans-Jörg Griesinger

23.03.2017, 08:55 Uhr

Und wenn es dann hart auf hart kommt, sind wir die Opfer, die sogenannten Weichziele, die Kollateralschäden, die für deren Wahnvorstellungen, religiösen Fanatismus und Machtgeilheit mit ihrem einzigartigen Leben bezahlen müssen.
Wir bringen sie im nahen und mittleren Osten mit High Tech um, im Gegenzug schlachten sie uns hier in Europa und den USA althergebracht mit Messer und Kalaschnikow ab.
Den 11.09.2001 lasse ich mal bewusst außen vor, da ja immer noch nicht eindeutig klar ist, ob es möglicherweise ein „inside job“ der Yankees war.

Account gelöscht!

23.03.2017, 08:57 Uhr

Die Engländer müss nach dem Brexit...erst einmal im inneren Ausmisten...Radikale Moslems und Islamisten aus den Land werfen. Jeder Islam Radikalisierung und Unterstützung von Menschen die diesen Terror Islam unterstüzten sofort in Haft nehmen und außer Land schaffen. Grenzschutz und damit die Sicherheit vom Eindringen des Terror von Außerhalb verstärken/erhöhen.

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