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19.12.2016

08:38 Uhr

Terror in der Türkei

Erdogans Rückkehr zur Kriegs-Rhetorik

Terrorangriffe sind in der Türkei traurige Routine geworden. Präsident Erdogan sieht inzwischen das gesamte Land im Visier von Terroristen. Er ruft zur „nationalen Mobilmachung“ auf. Es ist die Sprache des Krieges.

Der Präsident fordert die Bürger seines Landes dazu auf, Verdächtige und potenzielle Unterstützer von Terroristen anzuzeigen. Reuters

Recep Tayyip Erdogan

Der Präsident fordert die Bürger seines Landes dazu auf, Verdächtige und potenzielle Unterstützer von Terroristen anzuzeigen.

IstanbulKayseri in Zentralanatolien ist eine ruhige Stadt, Touristen kennen sie höchstens als Einfallstor zur spektakulären Naturlandschaft in Kappadokien. Vom eskalierenden Terror in den Metropolen Istanbul und Ankara und in den Kurdengebieten im Südosten ist hier bislang nicht viel zu spüren gewesen. Seit Samstag ist das anders: Mit dem schweren Anschlag in Kayseri dürften die Terroristen auch bezweckt haben, dass sich niemand mehr sicher fühlen soll, egal wo in der Türkei. Oder, wie Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan es ausdrückt: Das ganze Land ist ins Visier von Terroristen geraten.

Gerade einmal eine Woche ist es her, dass Terroristen der TAK, einer Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, in Istanbul zugeschlagen haben: Nach einem Fußballspiel kommt es neben dem Stadion im zentralen Stadtteil Besiktas zu einem Doppelanschlag, mindestens 44 Menschen sterben, darunter 36 Polizisten. Die Nation trauert noch um diese Opfer, da fließt am Samstag schon neues Blut.

Zu dem jüngsten Anschlag hat sich zunächst zwar niemand bekannt. Die Regierung – die zwischen TAK und PKK nicht unterscheidet – vermutet aber die PKK dahinter. Tatsächlich trägt die Tat die Handschrift der TAK, die Sicherheitskräfte gezielt angreift und zivile Opfer dabei bewusst in Kauf nimmt.

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Ziel des Anschlags vom Samstag sind die Soldaten einer Brigade in Kayseri. Die Männer haben frei, den Tag wollen sie außerhalb der Kaserne verbringen. Sie besteigen einen Bus, der sie zum Einkaufen in die Stadt bringen soll - und in den dann nach Angaben der Regierung ein Selbstmordattentäter sein zur Bombe umgebautes Auto steuert. Fotos zeigen das rauchende Wrack des Busses, in dessen Mitte die Explosion ein riesiges Loch gerissen hat. Mehr als ein Dutzend Soldaten sterben, zahlreiche weitere Menschen werden verletzt.

Terrorangriffe sind seit dem Sommer 2015 traurige Routine in der Türkei geworden. Damals brachen der Friedensprozess und eine Waffenruhe mit der PKK zusammen. Zugleich verstärkte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ihre Angriffe in der Türkei. Im vergangenen Sommer kam es dann zum Putschversuch, den Erdogan der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen anlastet. Auch die Gülen-Bewegung - offiziell zur Terrorgruppe mit dem Kürzel FETÖ deklariert - wird seitdem mit aller Macht bekämpft.

Kommentare (6)

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19.12.2016, 09:46 Uhr

Herr Erdogan ist ein böser Mann, er will den "Türkischen Frühling" nicht.

Herr Franz Paul

19.12.2016, 10:12 Uhr

Rückkehr? Erdowahn kennt bloß eine Sprache.

Herr Tom Schmidt

19.12.2016, 10:49 Uhr

Neben den Problemen in den Nachbarländern der Türkei, für die die Türkei nichts kann, ist doch noch festzuhalten, dass der Dialog mit den Kurden auf einem guten Weg war. Erdogan hat diesen Krieg dann vom Zaun gebrochen, als die kurdischen Parteien den Wechsel zum Präsidialsystem nicht mitgehen wollten. Darum geht es hier! Daher wollte er sie kalt stellen, den Krieg braucht er, damit sich dafür möglichst viele Türken hinter ihn stellen, weil sie sich bedroht fühlen. Aber: Erdogan hat das verursacht! Er allein!

Was will man den Kurden daher vorwerfen? Haben sie denn demokratische Möglichkeiten für ihre Sache zu werben? Nein, nicht mehr! Zudem sind in einem solchen Krieg Sicherheitskräfte legitime Ziele, zivile Opfer nennen wir doch im Westen sonst auch "Kollateralschaden", der IS wiederum attackiert gezielt Zivilisten. Daher kann man beide nicht in einem Topf werfen.

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