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29.06.2016

12:30 Uhr

Terror in der Türkei

Hinweise auf IS verdichten sich

Terroristen haben einen der größten Luftverkehrsknotenpunkte der Welt angegriffen. Auf dem Atatürk-Flughafen in Istanbul kommen 41 Menschen ums Leben. Auch die Attentäter sterben. Unter den Opfern sind viele Ausländer.

Mindestens zehn Tote und 20 Verletzte soll es bei dem Anschlag auf dem Istanbuler Flughafen gegeben haben. dpa

Explosion in Istanbul

Mindestens zehn Tote und 20 Verletzte soll es bei dem Anschlag auf dem Istanbuler Flughafen gegeben haben.

IstanbulDie Zahl der bei dem Anschlag auf den Istanbuler Flughafen getöteten Menschen ist auf 41 gestiegen. Das Büro des Istanbuler Gouverneurs revidierte am Mittwoch die Zahl von zunächst 36 Opfern nach oben. Auch die Zahl der Verletzten wurde von rund 150 auf 239 Menschen drastisch erhöht. Nach offiziellen Angaben sind unter den Opfern zehn Ausländer sowie drei mit doppelter Staatsangehörigkeit. Deutsche sind nicht darunter.

Am Dienstagabend hatten drei Männer im Flughafen das Feuer eröffnet und sich nach Schusswechseln mit der Polizei in die Luft gesprengt. Es wird vermutet, dass die Extremistenmiliz Islamischer Staat hinter dem Anschlag steckt. Die drei Selbstmordattentäter kamen nach Angaben aus Regierungskreisen ums Leben. Ihre Nationalität ist noch unklar. Bei den ausländischen Todesopfern soll es sich um fünf Saudis, zwei Iraker, einen Tunesier, einen Usbeken, einen Chinesen, einen Iraner, einen Ukrainer und einen Jordanier handeln.

Erste Hinweise deuteten auf den IS, hatte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim in der Nacht zum Mittwoch – nur wenige Stunden nach dem Selbstmord-Attentat von drei Männern – gesagt. Ein türkischer Ermittler erklärte, die Arbeit gleiche einem Puzzle. Derzeit würden die Aufnahmen von Sicherheitskameras gesichtet und Zeugenaussagen ausgewertet.

Zwei Terrorismus-Spezialisten der US-Regierung erklärten, die Art des Angriffs, die an das IS-Attentat auf den Brüsseler Flughafen im März erinnert, spreche für die Extremistenorganisation. Der IS habe in der Vergangenheit „weiche Ziele“ wie zufällig anwesende Passanten angegriffen.

Türkei: Ein Land im Visier der Attentäter

Chronik

Mindestens 36 Menschen starben am Dienstagabend bei Selbstmordanschlägen auf dem Flughafen von Istanbul. Dem Attentat in der Türkei gingen zahlreiche weitere voraus. Ein Überblick über die Anschläge der vergangenen zwölf Monate.

Quelle: afp

8. Juni 2016

Die Explosion einer Autobombe tötet sechs Menschen vor einem Polizeirevier in Midyat in der Südost-Türkei. Zu der Tat bekennt sich die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

7. Juni 2016

Durch einen Bombenanschlag sterben in der Altstadt von Istanbul mindestens elf Menschen: sieben Polizisten und vier Zivilisten.

18. Mai 2016

Eine Bombe tötet vier Soldaten im südöstlichen Kurdengebiet der Türkei. Die Armeeführung macht die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verantwortlich.

10. Mai 2016

Drei Menschen sterben, als eine Autobombe beim Vorbeifahren eines Polizeifahrzeugs in der südöstlichen Stadt Diyarbakir explodiert.

19. März 2016

Auf einer beliebten Einkaufsstraße im Zentrum von Istanbul reißt ein Selbstmordattentäter vier ausländische Touristen - drei Israelis und einen Iraner - mit in den Tod. Die Behörden vermuten Dschihadisten des Islamischen Staats (IS) hinter der Tat.

13. März 2016

35 Tote bei der Explosion einer Autobombe im Zentrum von Ankara. Die dem Umfeld der PKK zugerechneten Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) bekennen sich zu dem Anschlag.

17. Februar 2016

Bei einem Anschlag mit einer Autobombe auf einen Militärkonvoi in Ankara sterben 28 Menschen. Die Freiheitsfalken bekennen sich dazu.

14. Januar 2016

Sechs Menschen sterben, als ein mit Sprengstoff präpariertes Auto vor dem Polizeikommissariat in Cina, 30 Kilometer von Diyarbakir entfernt, in die Luft fliegt. Die PKK bezichtigt sich des Attentats und erklärt ihr Bedauern über den Tod von Zivilisten.

12. Januar 2016

Bei einem Selbstmordanschlag in der Altstadt von Istanbul werden zwölf Deutsche getötet. Die Behörden schreiben das in der Nähe von Tourismusattraktionen verübte Attentat dem Islamischen Staat zu.

10. Oktober 2015

Während einer prokurdischen Friedenskundgebung vor dem Hauptbahnhof in Ankara sprengen sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft. Sie reißen 101 Menschen mit sich in den Tod. Der Staat macht auch dafür die IS-Dschihadisten verantwortlich.

20. Juli 2015

34 Tote gibt es bei einem gegen junge Kurden gerichteten Anschlag in Suruç an der Grenze zu Syrien. Die türkischen Behörden machen abermals den Islamischen Staat verantwortlich.

Die Türkei will sich vom Terror nicht irritieren lassen. Dr Luftverkehr ist bereits am frühen Mittwoch wieder aufgenommen worden. Erste Flüge von Turkish Airlines landeten am Morgen. Der Sender CNN Türk berichtete, Reisende könnten inzwischen auch wieder ins Terminal. Der Angriff sorgt allerdings für ein massives Chaos im Flugverkehr.

Turkish Airlines strich für Mittwoch mehr als 340 Flüge. Die Airline bot allen Reisenden mit Buchungen von oder nach Atatürk Airport an, die Flüge kostenlos umzubuchen oder zu stornieren. In der Nacht waren etliche ratlose Reisende vor dem Flughafen gestrandet, die vor den Terrorangriffen aus dem Terminal geflohen waren.

Nach bisherigen Erkenntnissen hätten die Angreifer zunächst das Feuer eröffnet und sich dann in die Luft gesprengt.

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