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18.03.2016

15:20 Uhr

Terror in der Türkei

Konkrete Warnung vor Anschlag auf deutsche Stellen

Die Lage in der Türkei ist angespannt. Deutsche Einrichtungen bleiben vorerst geschlossen. Medien berichten, Warnungen vor einem Anschlag stehen in einem Zusammenhang mit der Terrormiliz Islamischer Staat.

Aus Sorge vor einem Terroranschlag bleiben die deutsche Botschaft in Ankara sowie das Generalkonsulat und die Deutsche Schule in Istanbul vorerst geschlossen. dpa

Die deutsche Botschaft in Ankara

Aus Sorge vor einem Terroranschlag bleiben die deutsche Botschaft in Ankara sowie das Generalkonsulat und die Deutsche Schule in Istanbul vorerst geschlossen.

BerlinDie Schließung deutscher Einrichtungen in der Türkei beruht auf konkreten Warnungen vor einem Anschlag aus dem Umfeld der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Das verlautete am Freitag aus deutschen Sicherheitskreisen. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ haben drei ausländische Geheimdienste dem Bundesnachrichtendienst den Namen und das Foto eines angeblich für den Anschlag vorgesehenen Täters übermittelt. Ziel seien konkret deutsche Einrichtungen in der Türkei gewesen, meldete auch das rbb-Inforadio.

Aus Sorge vor einem Terroranschlag werden die wichtigsten deutschen Vertretungen in der Türkei übers gesamte Wochenende geschlossen bleiben, wie Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Berlin mitteilte. Die Anordnung betrifft die deutsche Botschaft in Ankara sowie das Generalkonsulat und die Deutsche Schule in Istanbul. Entschieden ist bereits, dass das Goethe-Institut in Istanbul auch am Montag noch geschlossen bleibt.

Vize-Ministeriumssprecherin Sawsan Chebli sagte: „Die Sicherheit von deutschen Staatsangehörigen hat für uns absolute Priorität.“ Im Januar hatte ein Selbstmordattentäter in Istanbul zwölf deutsche Touristen mit in den Tod gerissen. Die Warnungen kamen nach „Spiegel“-Angaben vom US-Geheimdienst CIA, dem türkischen Geheimdienst MIT und dem Sicherheitsapparat der kurdischen Peschmerga. Die Tage bis zum Sonntag seien als Zeitraum genannt worden.

Tödliche Anschläge in der Türkei (Chronik)

13. Mai 2016

Bei einer Sprengstoffdetonation in Diyarbakir kommen vier Menschen ums Leben. 15 werden verletzt. Die Tat wird der PKK zugeschrieben.

9. April 2016

Bei einem Bombenanschlag in Istanbul gibt es drei Verletzte. Wer hinter dem Anschlag steckt, ist unklar.

31. März 2016

Mindestens 7 Tote, rund 23 Verletzte – das sind die Opfer eines Anschlags in Diyarbakir, hinter dem die PKK vermutet wird. Bei den Opfern handelt es sich um Polizeibeamte.

19. März 2016

Bei einem Bombenanschlag in Istanbul sterben mindestens fünf Menschen, etwa 36 werden verletzt. Bei den Opfern handelt es sich um Passanten in einer Einkaufsstraße. Hinter dem Anschlag steckt vermutlich der IS.

13. März 2016

Bei einem weiteren verheerenden Autobomben-Anschlag in der türkischen Hauptstadt Ankara sind am 13. März 37 Menschen ums Leben gekommen. Kurz darauf flog die türkische Luftwaffe Angriffe auf PKK-Stellungen im Nordirak – die Regierung zufolge gehörte die Selbstmordattentäterin zu der verbotenen Partei.

Februar 2016

Am 17. Februar hat in Ankara ein Selbstmordattentäter 28 Menschen in den Tod gerissen. Inzwischen hat sich die militante Organisation Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) – eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK – zu der Tat bekannt.

Januar 2016

Bei einem Anschlag im historischen Zentrum Istanbuls werden elf Deutsche getötet. Der Angreifer sprengt sich mitten in einer deutschen Reisegruppe in der Umgebung der Hagia Sophia und der Blauen Moschee in die Luft. Der Attentäter gehörte nach Angaben der türkische Regierung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an.

September 2015

Bei einem Bombenanschlag in Igdir in der Osttürkei werden zwölf Polizeibeamte getötet. Zuvor starben bei einem Angriff der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK und Gefechten im südosttürkischen Daglica in der Provinz Hakkari 16 Soldaten.

August 2015

Bei einem Bombenanschlag und einem anschließenden Angriff auf eine Polizeiwache in der Millionenmetropole Istanbul werden mindestens vier Menschen getötet. Zwei Frauen greifen zudem das US-Konsulat an, eine wird festgenommen. Sie soll Mitglied der linksextremen Terrororganisation DHKP-C sein.

Juli 2015

Im südtürkischen Grenzort Suruc reißt ein Selbstmordattentäter 33 pro-kurdische Aktivisten mit in den Tod. Die Behörden machen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich, die sich allerdings nie zu der Tat bekennt.

Juni 2015

Zwei Tage vor der türkischen Parlamentswahl verüben Unbekannte in der südosttürkischen Kurden-Metropole Diyarbakir einen Sprengstoffanschlag auf eine Veranstaltung der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP. Mindestens vier Menschen sterben. Die türkische Regierung macht den IS verantwortlich.

Mai 2013

Bei der Explosion zweier Autobomben in der Grenzstadt Reyhanli werden mehr als 50 Menschen getötet. Die Regierung beschuldigt türkische Linksextremisten mit Kontakten zum Regime im benachbarten Syrien.

September 2011

Drei Menschen sterben in der türkischen Hauptstadt Ankara, als im Regierungsviertel eine Bombe explodiert. Eine Splittergruppe der PKK bekennt sich zur Tat.

Auch für die Nato-Luftwaffenbasis in Incirlik nahe der südtürkischen Stadt Adana gelte seit dem 10. März eine Terrorwarnung. Von dort aus fliegen die USA Luftangriffe gegen den IS. Die Bundeswehr hat im Rahmen des Kampfes gegen die Terrormiliz Aufklärungsflugzeuge vom Typ Tornado auf der Basis stationiert, die aber keine Ziele angreifen.

Die türkische Regierung macht den IS für mehrere Anschläge in der Türkei verantwortlich, auch für den Anschlag auf die deutsche Reisegruppe. Innenminister Thomas de Maizière hatte damals gesagt, es gebe keine Hinweise darauf, dass der Anschlag gezielt gegen Deutsche gerichtet war.

Deutsche Botschaft in der Türkei geschlossen

„Wir haben sehr konkrete Terrorhinweise“

Deutsche Botschaft in der Türkei geschlossen: „Wir haben sehr konkrete Terrorhinweise“

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Die Sicherheitslage in der Türkei hatte sich zuletzt weiter verschärft. Im Februar starben bei einem Anschlag auf einen Militärkonvoi in der Hauptstadt Ankara 30 Menschen. Am Sonntag wurden bei einem Attentat ebenfalls in Ankara 37 Menschen getötet. Zu beiden Anschlägen bekannte sich eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK.

In der Türkei war nach der Schließung der deutschen Einrichtungen Kritik laut geworden. Der Gouverneur von Istanbul hatte am Donnerstag mitgeteilt, die Maßnahmen würden die türkische Öffentlichkeit „negativ beeinflussen“. Die regierungsnahe Zeitung „Sabah“ nannte die Entscheidung Deutschlands in ihrer Freitagsausgabe „skandalös“. Diese diene nur dazu, die türkische Bevölkerung nervös zu machen.

Die Zeitung berichtete außerdem, dass Ermittlungen gegen die Deutsche Schule in Istanbul eingeleitet worden seien. Die Schule habe die Entscheidung zur Schließung eigenmächtig getroffen, obwohl sie dem türkischen Bildungsministerium unterstellt sei. Weitere Details zu den Ermittlungen nannte „Sabah“ nicht.

Von

dpa

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