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27.06.2015

13:05 Uhr

Terror in Frankreich

Polizei lässt einen Verdächtigen frei

Einen Tag nach dem Attentat nahe Lyon hat die französische Polizei einen Tatverdächtigen aus der Haft entlassen. Drei weitere, darunter der Hauptverdächtige, sitzen weiter in U-Haft – eventuell jedoch nicht mehr lang.

Die französische Polizei, hier bei der Festnahme am Freitag, hat einen Tatverdächtigen aus der Haft entlassen. AFP

Spezialeinsatz-Kommando

Die französische Polizei, hier bei der Festnahme am Freitag, hat einen Tatverdächtigen aus der Haft entlassen.

LyonDie französische Polizei hat einen der vier nach dem Attentat in Saint-Quentin-Fallavier festgenommenen Verdächtigen wieder freigelassen. Die Sprecherin der Pariser Staatsanwaltschaft, Agnes Thibault-Lecuivre, sagte am Samstag, der Hauptverdächtige bleibe in Gewahrsam, verweigere aber die Aussage. Auch seine Schwester und seine Frau säßen noch im Gefängnis.

Der Mann soll am Freitag in einer US-Gasfabrik im Südosten Frankreichs mit seinem Auto mehrere Gaskanister gerammt und so eine Explosion ausgelöst haben. Der abgetrennte Kopf seines Arbeitgebers sei am Fabrikeingang hängend zurückgelassen worden, ebenso wie Banner mit arabischen Inschriften, erklärten Beamte. Die Hintergründe der Tat blieben unklar. Die Regierung sprach von einem Terroranschlag.

Chronik: Terroranschläge in Frankreich

Juli 1995

Im Pariser S-Bahnhof Saint-Michel an der Kirche Notre-Dame explodiert in einem Wagen eine Bombe. Dabei werden neun Menschen getötet und 116 verletzt. Es ist der Auftakt zu einer Anschlagsserie in Paris und anderen Städten, die einer algerischen Islamistengruppe zugeschrieben wird.

Novemeber 2011

Unbekannte verüben einen Brandanschlag auf die „Charlie-Hebdo“-Redaktion. Das Magazin hatte 2006 die umstrittenen Mohammed-Karikaturen aus Dänemark nachgedruckt.

März 2012

Ein Attentäter erschießt sieben Menschen, darunter drei Kinder und ein Lehrer einer jüdischen Schule. Er wird nach rund 32-stündiger Polizeibelagerung seiner Wohnung bei einer Schießerei getötet. Zuvor hatte er sich als Al-Kaida-Anhänger bezeichnet.

Oktober 2012

Bei einem Anti-Terroreinsatz erschießt die Polizei einen 33-jährigen Dschihadisten in Straßburg und nimmt elf weitere mutmaßliche Islamisten fest. Sie werden für einen Anschlag auf ein jüdisches Geschäft verantwortlich gemacht.

Dezember 2014

Polizisten erschießen im zentralfranzösischen Joué-lès-Tours einen Mann, der mit „Allahu-Akbar“-Rufen („Gott ist groß“) in ein Kommissariat stürmt und mit einem Messer drei Beamte verletzt.

07. Januar 2015

Beim Attentat auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ werden in Paris zwölf Menschen getötet. Die beiden Täter kommen zwei Tage später bei einer Polizeiaktion ums Leben. Zum Anschlag bekennt sich die Terrororganisation Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel. Ein mit ihnen bekannter dritter Täter erschießt in Paris parallel dazu eine Polizistin und nimmt in einem jüdischen Supermarkt Geiseln, von denen er vier erschießt, bevor er selbst von der Polizei getötet wird. Er bekennt sich zuvor zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

11. Januar 2015

Aus Protest gegen die Terrorwelle gehen im ganzen Land nach Schätzungen zwei Millionen Menschen auf die Straße. Viele Staats- und Regierungschefs reisen zum Pariser Gedenkmarsch an.

19. April 2015

Nach der Ermordung einer Frau in wird in Villejuif bei Paris ein Student festgenommen. Der 24-Jährige mit Kontakt nach Syrien soll mit einem Waffenarsenal aus Kalaschnikow-Sturmgewehren, Pistole und Revolver Anschläge auf Kirchen geplant haben.

26. Juni 2015

Ein 35 Jahre alter mutmaßlicher Islamist wird beim Versuch überwältigt, in einem Industriegas-Werk in Saint-Quentin-Fallavier bei Lyon eine Explosion herbeizuführen. Der Mann hatte zuvor seinen Arbeitgeber enthauptet und den Kopf mit zwei Islamistenflaggen auf den Fabrikzaun gesteckt. Im Dezember erhängte er sich im Gefängnis.

21. August 2015

Ein 25-jähriger Islamist wird im Thalys-Schnellzug Brüssel-Paris bei einem Anschlagversuch mit einem Schnellfeuergewehr von Fahrgästen überwältigt. Zwei Zuginsassen werden verletzt.

13. November 2015

Bei einer koordinierten Anschlagsserie in Paris töten IS-Extremisten 130 Menschen. In der Konzerthalle „Bataclan“ richten sie ein Massaker an, Bars und Restaurants werden beschossen, am Stade de France sprengen sich während des Fußball-Länderspiels Frankreich-Deutschland drei Selbstmordattentäter in die Luft.

14. November 2015

Erste Spuren weisen nach Belgien. Bei einer Razzia in Brüssel-Molenbeek werden mehrere Menschen festgenommen.

16. November 2015

Mit einer Schweigeminute wird europaweit der Opfer gedacht. Präsident François Hollande will eine weltweite Koalition gegen den IS ins Leben rufen. Als ein Drahtzieher gerät der belgische Islamist Abdelhamid Abaaoud ins Visier. Gefahndet wird überdies nach Salah Abdeslam, Bruder eines der Attentäter.

17. November 2015

In Hannover wird das Fußball-Länderspiel Deutschland-Niederlande abgesagt. Später stellt sich heraus, dass es konkrete Informationen eines ausländischen Geheimdienstes zu Bombenanschlägen im Stadion und am Hauptbahnhof gab.

18. November 2015

Bei einem Anti-Terror-Einsatz in Saint-Denis bei Paris nimmt die Polizei sieben mutmaßliche Komplizen der Attentäter fest. Drei weitere Verdächtige kommen ums Leben, wie sich später herausstellt - einer ist der gesuchte Abaaoud.

21. November 2015

Belgiens Behörden rufen nach konkreten Hinweisen auf einen geplanten Anschlag für die Hauptstadtregion Brüssel die höchste Terrorwarnstufe aus. Das öffentliche Leben kommt zum Erliegen. Erst nach fünf Tagen wird die maximale Warnstufe wieder aufgehoben.

23. November 2015

Bei einem großangelegten Anti-Terror-Einsatz werden in Brüssel 16 Personen vorläufig festgenommen. In den folgenden Wochen gibt es in Belgien weitere Razzien mit Festnahmen von Verdächtigen.

7. Januar 2016

Am Jahrestag der Anschläge auf „Charlie Hebdo“ schießen Polizisten vor einem Pariser Kommissariat einen Mann nieder. Er war mit einem Messer bewaffnet und trug die Attrappe einer Sprengstoffweste.

24. März 2016

Ermittler nehmen einen 34-jährigen Franzosen fest und finden in einer von ihm angemieteten Wohnung im Pariser Vorort Argenteuil ein großes Waffenarsenal, unter anderem mit fünf Kalaschnikow-Sturmgewehren, einer Maschinenpistole und Sprengstoff. Nach Ansicht der Ermittler gehörte der Festgenommene zu einem Terrornetzwerk, das kurz vor einem schweren Anschlag stand.

14. Juni 2016

Ein Mann ersticht in Magnanville im westlichen Umland von Paris einen Polizisten und verschanzt sich in dessen Haus, wo später auch die Lebensgefährtin des Opfers tot aufgefunden wird. Die Polizei stürmt das Gebäude und erschießt den Täter, der sich zuvor zum IS bekannt hatte. Vor dem Hintergrund der laufenden Fußball-EM hatten zahlreiche Behörden immer wieder vor der hohen Terrorgefahr in Frankreich gewarnt.

14. Juli 2016

Bei einem Anschlag am französischen Nationalfeiertag sind in der Hafenstadt Nizza mindestens 80 Menschen getötet worden. Zahlreiche weitere wurden verletzt, als ein Lastwagen durch eine feiernde Menschenmenge raste.

Thibault-Lecuivre sagte, die Ermittler hätten noch kein schlüssiges Motiv oder Verbindungen des Mannes ins Ausland aufgedeckt. Nach französischem Recht können Terrorverdächtige bis zu vier Tage festgehalten werden.

Von

ap

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