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11.01.2015

15:32 Uhr

Terror in Frankreich

Video von Terrorist Coulibaly aufgetaucht

Einer der Attentäter in Frankreich soll in einem Video seine Loyalität zur Terrormiliz Islamischer Staat erklärt haben. Außerdem wurde Amedy Coulibaly mit Schüssen auf einen Jogger in Verbindung gebracht.

Pariser-Anschlagsserie

Attentäter bekennt sich zur Bluttat

Pariser-Anschlagsserie: Attentäter bekennt sich zur Bluttat

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ParisVon einem der drei in Frankreich getöteten Terroristen ist ein postum zusammengestelltes Video im Internet aufgetaucht. Die Aufnahmen zeigten den Pariser Geiselnehmer Amedy Coulibaly und seien von der Terrormiliz Islamischer Staat ins Internet gestellt worden, teilte die Beobachtungsplattform Site am Sonntag mit. Coulibaly leistet darin IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi auf Arabisch einen Treueeid mit einer traditionellen islamischen Formel.

Sein Handeln begründet der spätere Attentäter in einer der Aufnahmen in französischer Sprache mit den Angriffen der westlichen Koalition auf die Gebiete des Islamischen Staates. Dabei würden auch Zivilisten getötet. „Warum? Weil wir die Scharia anwenden?“, fragt Coulibaly in die Kamera. „Seid Ihr diejenigen die entscheiden, was auf der Erde passiert?“

Von offizieller französischer Seite gab es am Sonntag zunächst keine Bestätigung der Authentizität des Videos. Darin sind Szenen von Waffensammlungen und Trainingssequenzen zu sehen. Später scheinen Aufnahmen von der Erstürmung des koscheren Geschäfts im Osten von Paris verwendet worden zu sein, wo Coulibaly Geiseln genommen hatte und nach Angaben der Staatsanwalt vier Menschen tötete.

Womöglich hat Coulibaly noch einen weiteren Anschlag verübt: Die Staatsanwaltschaft stellte am Sonntag eine Verbindung zwischen Amedy Coulibaly und den Schüssen auf einen 32-jährigen Jogger am Mittwochabend im Großraum Paris her. Das Opfer war lebensgefährlich verletzt worden.

Der 32-Jährige malischer Abstammung soll am Donnerstag in Montrouge südlich von Paris zunächst eine Polizistin erschossen haben. Am Freitag dann tötete er in einem jüdischen Supermarkt im Osten von Paris bei einer Geiselnahme vier Menschen. Vor seinem Tod sagte er BFMTV, er sei Mitglied der Dschihadisten-Gruppe Islamischer Staat (IS) und habe seine Taten mit den Kouachi-Brüdern abgestimmt.

Coulibaly wurde in der Vergangenheit wegen Diebstahls, Raubes und Drogenhandels mehrfach verurteilt und hat Jahre im Gefängnis verbracht. Aber erst 2010 fiel sein Name in Verbindung mit einem islamistischen Unterfangen: Er war an Plänen beteiligt, einen inhaftierten Islamisten aus dem Gefängnis zu befreien, bei seiner Festnahme wurden bei ihm 240 Kalaschnikow-Patronen gefunden. Ende 2013 wurde er deswegen zu fünf Jahren Haft verurteilt, wegen seiner Zeit in der U-Haft kam er im vergangenen Jahr wieder auf freien Fuß.

Islamistischer Terror in Europa

Seit dem 11. September 2001

Seit den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 gab es auch in Europa eine Reihe islamistischer Attentate. Manche Pläne konnten gerade noch vereitelt werden. Beispiele:

März 2004

Bei Sprengstoffanschlägen auf Pendlerzüge in Madrid sterben 191 Menschen, etwa 1500 werden verletzt.

2. November 2004

Der Filmregisseur, Publizist und Satiriker Theo van Gogh wird in Amsterdam auf offener Straße ermordet.

Juli 2005

Vier Muslime mit britischem Pass zünden in der Londoner U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen sterben, etwa 700 werden verletzt.

Juli 2006

Im Kölner Hauptbahnhof werden in zwei Zügen Bomben gefunden, die wegen eines technischen Fehlers nicht explodierten. Der „Kofferbomber von Köln“ wird zu lebenslanger Haft erurteilt.

Januar 2010

Gut vier Jahre nach der Veröffentlichung seiner Mohammed-Karikaturen in der Zeitung „Jyllands-Posten“ entkommt der dänische Zeichner Kurt Westergaard nur knapp einem Attentat.

9. März 2010

Selbstmordanschläge auf die Moskauer Metro mit 40 Toten und 84 Verletzten. Der tschetschenische Terrorist Doku Umarow bekennt sich.

Dezember 2010

Bei einem Sprengstoffanschlag in der Stockholmer Fußgängerzone stirbt der Attentäter. Hintergrund war vermutlich der Einsatz schwedischer Soldaten in Afghanistan.

März 2011

Ein Kosovo-Albaner erschießt am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere schwer.

Januar 2011

Bei einem Selbstmordanschlag auf dem internationalen Moskauer Flughafen Domodedowo sterben mindestens 37 Menschen. Die Ermittler machen Islamisten aus dem Nordkaukasus verantwortlich.

Dezember 2013

Bei Selbstmordanschlägen in der russischen Stadt Wolgograd sterben 34 Menschen im Bahnhof und in einem Bus. Islamisten aus dem Nordkaukasus bekennen sich zu den Attentaten.

Mai 2014

Im Jüdischen Museum in Brüssel erschießt ein französischer Islamist vier Menschen. Kurz darauf wird der Mann festgenommen.

7. Januar 2015

Mordanschlag auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo in Paris. Zwölf Menschen fallen dem Anschlag zum Opfer.

13. November 2015

Bei mehreren Sprengstoffexplosionen im Pariser Stadtgebiet sterben 130 Menschen. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat bekennt sich zu dem Anschlag.

Während einer seiner Haftstrafen lernte er Chérif Kouachi kennen - und den Islamisten Beghal, der auch auf ihn einen großen Einfluss ausübte. Geboren wurde Coulibaly in Juvisy-sur-Orge im Süden von Paris als siebtes von insgesamt zehn Kindern - seine Geschwister sind allesamt Schwestern. 2008 und 2009 machte er eine Ausbildung in einem Coca-Cola-Werk nahe Paris. In der Zeit wurde er, zusammen mit anderen Auszubildenden, vom damaligen Staatschef Nicolas Sarkozy im Elysée-Palast empfangen.

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