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04.06.2017

12:04 Uhr

Terror in London

„Rennt und bringt Euch in Sicherheit!“

VonKatharina Slodczyk

Wenige Tage vor der Parlamentswahl schlagen Terroristen im Londoner Kneipenviertel zu. Die Menschen vor Ort können es nicht fassen. Handelsblatt-Reporterin Katharina Slodczyk hat mit den Zeugen gesprochen.

Die Polizei bringt nach einer Terrorattacke Menschen in Sicherheit. dpa

Zwischenfall an der London Bridge

Die Polizei bringt nach einer Terrorattacke Menschen in Sicherheit.

LondonSie hatten gerade eine Kneipe verlassen und überlegten, in welche Richtung sie zum nächsten Geldautomaten gehen müssten: „Da hörten wir einige Meter entfernt Polizisten brüllen: Rennt, bringt Euch in Sicherheit“, erzählt Morgan, eine Studentin aus dem Süden von London. Ihre Freundin Holly ergänzt: „Als wir um die Ecke bogen, sahen wir, wie schon Dutzende von Menschen panikartig und mit erhobenen Händen wegliefen. Wir haben uns angeschlossen.“ Auch am Morgen danach können sie die Situation noch nicht so richtig fassen: „Es war wie in einem Film, wie in einem schlechten Film“, sagt Morgan leise.

Die Ereignisse im Live-Blog: Terror in London – Deutsche sind unter den Verletzten

Die Ereignisse im Live-Blog

Terror in London – Deutsche sind unter den Verletzten

Bei Anschlägen in der Londoner Innenstadt sind am Samstagabend mindestens sieben Menschen ums Leben gekommen, knapp 50 verletzt. Eine Person aus Deutschland wurde schwer verletzt. Nachfolgend die wichtigsten Ereignisse.

Die beiden Frauen waren unter den Hunderten von Kneipen- und Restaurantbesuchern südlich der London Bridge, als der zweite Terroranschlag innerhalb von noch nicht mal zwei Wochen Großbritannien erschütterte. Erst raste ein weißer Transporter auf der Brücke in Passanten und steuerte dann auf den Borough Market zu – eine Markthalle, umgeben von vielen Restaurants, Bars und Pubs. Dort verließen die drei Attentäter das Fahrzeug und gingen nach Berichten von Augenzeugen mit Messern auf Menschen los. Bewaffnete Polizisten erschossen die Männer acht Minuten, nachdem die ersten Alarmmeldungen über die Angriffe bei der Polizei eingegangen waren.
Londons Bürgermeister Sadiq Khan sprach am Sonntagmorgen von einem „feigen Terroranschlag“. Behörden gaben die Zahl der Todesopfer mit sieben an. Zudem seien knapp 50 Menschen verletzt worden und würden in Krankenhäusern behandelt. Die großen Parteien, die konservativen Tories und die Labour-Partei, kündigten an, ihren Wahlkampf vorerst zu unterbrechen. Am Donnerstag wählen die Briten eigentlich ihr neues Parlament. Khan sprach sich dagegen aus, den Urnengang zu verschieben: Die Terroristen „wollen uns von einer Abstimmung abhalten, doch das dürfen wir nicht zulassen“, so der Bürgermeister.

Großbritanniens Premierminister Theresa May sagte in einer Rede am Sonntagvormittag in der Downing Street, die Wahlen würden wie geplant über die Bühne gehen und der Wahlkampf würde am Montag wieder fortgesetzt. Der Kampf gegen den Terror müsste sich aber in vier Punkten ändern, betonte May. So müssten man die bisherige Anti-Terror-Strategie überprüfen - „um sicherzustellen, dass die Polizei die Macht hat, die sie braucht.“ Es gebe zudem eine zu große Toleranz gegenüber Extremismus auf der Insel. Man müsse etwas dagegen unternehmen. Dazu gehöre unter anderem: Man müsste Rückzugsorte der Islamisten im Internet bekämpfen. Sie deutete auch an, die Haftstrafen bei Anschlägen dieser Art möglicherweise zu erhöhen.
Der Alarm ging am Samstagabend kurz nach 22 Uhr bei der Polizei ein. Nach Augenzeugenberichten war ein Transporter mit deutlich erhöhter Geschwindigkeit über die London Bridge Richtung Süden gerast. „Er kam von der Straße ab und traf zwei Menschen vor mir und drei hinter mir“, so beschrieb die BBC-Reporterin Holly Jones die Situation.

Als die Täter weniger Minuten später aus dem Wagen ausgestiegen waren und Menschen mit Messern attackierten, sollen sie „Das ist für Allah“ geschrien haben. „Ich sah einen Mann, der ein verhältnismäßig großes Messer in der Hand hatte“, berichtete ein Augenzeuge dem britischen Sender BBC, „Er hat auf einen Mann eingestochen, wahrscheinlich dreimal, er tat das sehr ruhig.“ Ein anderer Mann habe dem Opfer zu helfen versucht, aber wohl vergeblich.
Gerard, ein anderer Augenzeuge, hat zwei der Angreifer gesehen, wie sie in einem Pub Menschen mit einem Messer attackierten: „Ich habe etwas nach ihnen geworfen, wahrscheinlich einen Stuhl“, erzählt er britischen Medien später, „ich habe sie am Kopf und am Rücken getroffen, dann rannten sie auf mich zu und versuchten, mich niederzustechen. Ich bin weggerannt.“

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