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25.05.2017

10:58 Uhr

Terror in Manchester

Abedi war wohl vor Anschlag in Düsseldorf

Nach dem Anschlag von Manchester fahndet die Polizei nach Komplizen des 22-Jährigen Salman Abedi. Mehrere Menschen wurden am Morgen verhaftet. Laut Medienberichten reiste Abedi kurz vor der Tat aus Düsseldorf an.

Der mutmaßliche Attentäter von Manchester soll sich kurz vor dem Anschlag in Deutschland aufgehalten haben. dpa

Salman Abedi

Der mutmaßliche Attentäter von Manchester soll sich kurz vor dem Anschlag in Deutschland aufgehalten haben.

ManchesterDer mutmaßliche Attentäter von Manchester war Medienberichten zufolge nur wenige Tage vor dem Bombenanschlag in Deutschland. Salman Abedi sei vier Tage vor dem Attentat von Düsseldorf nach Manchester geflogen, berichteten das Magazin „Focus“ und der britische Sender „Sky News“ am Donnerstag übereinstimmend unter Berufung auf deutsche Sicherheitskreise.

Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums erklärte am Donnerstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur lediglich, die britischen und deutschen Sicherheitsbehörden stünden „in engstem Kontakt“. Und: Selbstverständlich sind auch etwaige Bezüge in andere Länder sowie mögliche Reisewege Teil dieser Ermittlungen.“

Nach dem Anschlag von Manchester: „Die werden uns hier nicht unterkriegen – wir sind Briten“

Nach dem Anschlag von Manchester

„Die werden uns hier nicht unterkriegen – wir sind Briten“

Großbritannien hat nach dem Anschlag in Manchester die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. Tausende Soldaten sind auf den Straßen zu sehen. Die Reaktionen von Passanten und Touristen sind gespalten.

Dem „Focus“ zufolge war Abedi bereits 2015 in Deutschland und flog von Frankfurt nach Großbritannien. Zuvor sei er offenbar zur paramilitärischen Ausbildung in Syrien gewesen, habe Scotland Yard dem Bundeskriminalamt mitgeteilt. Das Magazin zitierte einen BKA-Experten, wonach geklärt werden müsse, ob der 22-Jährige in Syrien Personen kennengelernt habe, die er später in Nordrhein-Westfalen oder Hessen getroffen habe.

Mit einer Schweigeminute wird am Donnerstag der 22 Opfer des Anschlags von Manchester gedacht. Landesweit sollten die Menschen um 11 Uhr Ortszeit (12 Uhr deutscher Zeit) innehalten. Die Ermittler versuchten derweil weiter, das mutmaßliche Terrornetzwerk um den Selbstmordattentäter offenzulegen. In der Nacht wurden zwei weitere Personen festgenommen. Bei einer Razzia in dem Manchester Viertel Moss Side habe die Polizei zudem eine kontrollierte Explosion ausgelöst, hieß es.

Im Zusammenhang mit dem Anschlag auf das Ariana-Grande-Konzert am Montag sind mittlerweile acht Männer in Gewahrsam. Eine ebenfalls festgenommene Frau wurde nach kurzer Zeit wieder freigelassen.

Terrorismus in europäischen Metropolen

Paris - 20. April 2017

Auf dem Pariser Boulevard Champs-Élysées schießt ein Islamist mit einem Sturmgewehr in einen Polizeiwagen. Ein Beamter wird getötet, zwei weitere Polizisten und eine deutsche Passantin werden verletzt. Die Polizei erschießt den Angreifer, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamiert die Attacke für sich.

Stockholm - 7. April 2017

Ein gekaperter Lastwagen rast in einer Einkaufsstraße erst in eine Menschenmenge und dann in ein Kaufhaus. Fünf Menschen werden getötet, 15 verletzt. Noch am selben Tag nimmt die Polizei einen 39-jährigen Usbeken unter Terrorverdacht fest.

London - 22. März 2017

Ein Attentäter steuert ein Auto absichtlich in Fußgänger auf einer Brücke im Zentrum Londons und ersticht anschließend einen Polizisten. Von den Opfern auf der Brücke erliegen vier ihren Verletzungen. Sicherheitskräfte erschießen den Täter.

Paris - Februar, März 2017

Auf dem Flughafen Orly versucht ein Mann, einer patrouillierenden Soldatin das Gewehr zu entreißen, und wird erschossen. Erst Anfang Februar war nahe dem Louvre-Museum ein Ägypter niedergeschossen worden, der sich mit Macheten auf eine Militärpatrouille gestürzt hatte.

Berlin - Dezember 2016

Kurz vor Weihnachten wird die Hauptstadt zum Ziel eines Terroranschlags. Zwölf Menschen kommen um, als ein IS-Anhänger einen gekaperten Lkw in einen Weihnachtsmarkt steuert. Wenige Tage später wird der 24 Jahre alte Tunesier bei einer Polizeikontrolle nahe Mailand erschossen.

Nizza - Juli 2016

Ein Attentäter rast mit einem Lastwagen auf der Strandboulevard in eine Menschenmenge. Mindestens 86 Menschen sterben. Der IS ist nach Angaben seines Verlautbarungsorgans Amak für den Anschlag verantwortlich.

Brüssel - März 2016

Mit mehreren Bomben töten islamistische Attentäter am Flughafen der belgischen Hauptstadt und in einer Metrostation 32 Menschen.

Istanbul - Januar 2016

Ein Selbstmordattentäter des IS zündet im historischen Zentrum mitten in einer deutschen Reisegruppe eine Bombe und reißt zwölf Deutsche mit in den Tod.

Paris - November 2015

Bei einer koordinierten Anschlagsserie am Stade de France, mehreren Restaurants und dem Musikklub „Bataclan“ töten IS-Anhänger 130 Menschen, Hunderte werden verletzt.

Kopenhagen - Februar 2015

Ein arabischstämmiger 22-Jähriger feuert auf ein Kulturcafé, ein Mann stirbt. Vor einer Synagoge erschießt der Attentäter einen Wachmann, bevor ihn Polizeikugeln tödlich treffen.

Paris - Januar 2015

Bei einem Attentat auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ und einen koscheren Supermarkt sterben 17 Menschen. Die beiden Täter kommen später bei einer Polizeiaktion ums Leben. Zu dem Anschlag bekennt sich die Terrororganisation Al-Kaida.

Brüssel - Mai 2014

Im Jüdischen Museum erschießt ein französischer Islamist vier Menschen. Kurz darauf wird er festgenommen. Als selbst ernannter „Gotteskrieger“ hatte er zuvor in Syrien gekämpft.

London - Juli 2005

Vier Islamisten mit britischem Pass zünden in der U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen sterben, etwa 700 werden verletzt.

Madrid - März 2004

Bei islamistisch motivierten Bombenanschlägen auf Pendlerzüge sterben in der spanischen Hauptstadt 191 Menschen, rund 1500 werden verletzt.

Nach der Tat war die Terroralarmstufe in Großbritannien auf das höchste Niveau angehoben worden, Hunderte Soldaten sicherten wichtige Orte im Land wie das britische Parlament und den Buckingham-Palast in London.

Innenministerin Amber Rudd sagte, dass der in Großbritannien geborene Tatverdächtige Salman Abedi „wahrscheinlich“ nicht allein gehandelt habe. Er sei „bis zu einem Punkt“ den Sicherheitskräften bekannt gewesen. Abedi, der Sohn libyscher Eltern, war im Raum Manchester aufgewachsen. Er kam bei der Explosion ums Leben.

In Libyen nahm eine Anti-Terror-Einheit den Vater und einen jüngeren Bruder des mutmaßlichen Täters fest. Der 18-jährige Haschim Abedi habe in Gewahrsam erklärt, dass sowohl er als auch sein Bruder zur Terrormiliz Islamischer Staat gehört hätten und er Details zum Anschlag gekannt habe.

Der Vater soll früher nach Angaben des ehemaligen libyschen Sicherheitsbeamten Abdel-Basit Harun einer Al-Kaida-nahen Extremistengruppe in Libyen angehört haben. Die Gruppe löste sich später auf, der Vater sei aber nach wie vor Teil der salafistisch-dschihadistischen Bewegung in Libyen, sagte Harun. Ramadan Abedi dementierte, Verbindungen zu Extremistengruppen zu haben.

Rund zwei Wochen vor der Parlamentswahl am 8. Juni kündigten die britischen Parteien an, ihren Wahlkampf am Freitag fortzusetzen. Das Management von Teenie-Idol Grande gab bekannt, dass die Sängerin ihre Welttournee bis zum 5. Juni unterbrechen werde. Davon betroffen sind neben Auftritten in London, Antwerpen und Lodz auch das einzige Konzert in Deutschland am 3. Juni in der Festhalle in Frankfurt am Main sowie die Show am 5. Juni in Zürich.

Kommentare (1)

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Herr Philipp Rosengarten

25.05.2017, 18:11 Uhr

Ich wusste nicht, dass es jetzt auch an Flughäfen keine Grenzkontrollen mehr gibt...

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