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11.02.2016

17:42 Uhr

Terror in Nigeria

Boko Haram lässt Mädchen morden

Boko Haram zwingt Kinder und junge Frauen in Nigeria zu Selbstmordattentaten. Dieses Schicksal hat womöglich auch einige der Schulmädchen ereilt, die vor zwei Jahren von der Terrorgruppe entführt wurden.

Boko Haram hat Häuser eines Dorfs niedergebrannt. Junge Mädchen fliehen mit ihren Habseligkeiten vor der Terrorgruppe. AFP

Nigerianische Mädchen auf der Flucht

Boko Haram hat Häuser eines Dorfs niedergebrannt. Junge Mädchen fliehen mit ihren Habseligkeiten vor der Terrorgruppe.

Abuja Zwei Mädchen betreten ein Flüchtlingslager in der Stadt Dikwa im Norden Nigerias. Sie geben vor, auf der Flucht vor der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram zu sein. Mit Hunderten anderen stellen sie sich bei der Essensausgabe an. Niemand merkt, dass sie unter ihren traditionellen Gewändern Sprengstoffgürtel tragen. Die Selbstmordattentäterinnen reißen am Mittwoch 65 Menschen mit in den Tod.

Im Nachbarstaat Yobe zündet eine Zehnjährige ihren Sprengstoffgürtel auf einem belebten Markt in der Stadt Damaturu. Mindestens 19 Menschen sterben, fast 50 andere werden verletzt. Weiter westlich, in der Stadt Kano, sprengen sich zwei junge Attentäterinnen inmitten einer Menschenmasse in die Luft. Auch hier fällt die Bilanz mit 15 Toten und etwa 100 Verletzten verheerend aus.

Boko Haram - blutiger Islamistenterror für einen Gottesstaat

Die Terrorgruppe

Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram führt im muslimischen Norden Nigerias einen Krieg für einen islamischen Staat.

Ziel

Ihr Ziel ist es, die Scharia (islamische Rechtsprechung) einzuführen.

Ursprünglich eine Sekte

Die Gruppe, ursprünglich als Sekte ins Leben gerufen und seit November 2013 auf der Terrorliste des US-Außenministeriums, soll Kontakte zu nordafrikanischen Al-Kaida-Ablegern haben. Über Organisationsstrukturen und Mitgliederzahlen liegen keine gesicherten Informationen vor.

Mehr als 5000 Opfer

Die Boko Haram verübt in dem westafrikanischen Land seit Jahren blutige Anschläge, denen nach Schätzungen bereits über 5000 Menschen zum Opfer gefallen sind.

Mehr Attentate

Anfang 2014 verstärkten die Extremisten ihren Kampf. Seither kam es fast wöchentlich zu Angriffen, Attentaten und Entführungen.

Entführung in Nigeria

Nur in seltenen Fällen – wie bei der Entführung von über 200 Mädchen in der Provinz Borno im April vergangenen Jahres – bekannte sich Boko Haram zu den Taten. Von den Schülerinnen fehlt bis heute jede Spur

Weitere Angriffe

Die Behörden lasten der Gruppe aber zahlreiche weitere Angriffe auf Dörfer, Märkte, Polizeistationen, Schulen, Kirchen und Lokale an.

Das sind nur einige Beispiele aus den vergangenen Monaten. Und all diese Anschläge sind sowohl Teil einer menschenverachtenden Strategie als auch einer Besorgnis erregenden Entwicklung: Immer mehr Mädchen werden von den sunnitischen Fundamentalisten als Selbstmordattentäterinnen eingesetzt. Sie werden - meistens gegen ihren Willen - mit Sprengstoffgürteln ausgestattet und dazu gezwungen, diese an belebten Orten wie Märkten, Busbahnhöfen oder Moscheen zu zünden.

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„Kinder sind nicht die Anstifter dieser Anschläge. Sie werden von Erwachsenen vorsätzlich und auf grausamste Weise benutzt“, sagt Jean Gough, die Leiterin des UN-Kinderhilfswerks Unicef in Nigeria. Die jungen Attentäter seien an erster Stelle Opfer, nicht Täter.

Mädchen werden von Boko Haram gezielt eingesetzt, weil sie weniger verdächtig wirken und unter ihrem langen, muslimischen Gewand - der Burka - Sprengstoffgürtel verstecken können. Männliche Sicherheitskräfte dürfen Frauen in der stark religiös geprägten Region keinen Körperkontrollen unterziehen. Auch lösen junge, weibliche Täterinnen größere Empörung aus und bekommen mehr Aufmerksamkeit, vor allem in internationalen Medien. Darauf würden Terrorgruppen wie Boko Haram abzielen, sagen Experten.

Nigerias Regierung scheint machtlos. Nachdem der ehemalige Präsident Goodluck Jonathan die Terroranschläge während seiner Amtszeit (2010-2015) nicht in den Griff bekommen hatte, gewann sein Herausforderer Muhammadu Buhari die Wahl im vergangenen April unter anderem mit dem Versprechen, Boko Haram zu stoppen. Zwar konnte das Militär zahlreiche besetzte Dörfer und Gebiete zurückerobern, doch der Terror geht weiter.

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