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19.11.2015

15:24 Uhr

Terror in Paris

Islamist Abdelhamid Abaaoud für tot erklärt

Abdelhamid Abaaoud, der als Drahtzieher der Anschläge von Paris gilt, ist tot. Der Islamist kam bei der Razzia in Saint-Denis ums Leben. Doch wer ist der Mann, den die französischen Anti-Terror-Truppen so gejagt haben?

Terrorist Abaadoud ist tot

So starb der Terror-Chef von Paris

Terrorist Abaadoud  ist tot: So starb der Terror-Chef von Paris

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ParisDer Staatsanwalt machte offiziell, was Frankreichs Anti-Terror-Kämpfer gehofft hatten: Abdelhamid Abaaoud, der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge von Paris ist bei dem Einsatz in Saint-Denis vom Mittwoch getötet worden. Ein in der gestürmten Wohnung gefundener Leichnam sei als der des belgischen Islamisten identifiziert worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Es sei allerdings unklar, ob sich Abaaoud selbst in die Luft gesprengt hat oder nicht. Laut der Nachrichtenagentur afp war Abaaoud in vier von sechs in diesem Jahr vereitelten Terroranschlägen in Frankreich involviert gewesen.

Am Mittwochmorgen hatte die französische Polizei eine Wohnung in Saint-Denis nördlich von Paris ins Visier genommen, wo Abaaoud zusammen mit weiteren Verdächtigen vermutet wurde. Bei der Razzia am frühen Morgen gab es heftige Feuergefechte und Explosionen. Bilanz des siebenstündigen Einsatzes: zwei Tote und sieben Festnahmen. Eine Frau sprengte sich nach offiziellen Angaben selbst in die Luft, ein weiterer Terrorverdächtiger wurde getötet. Aber erst jetzt ist auch die wichtigste Frage beantwortet: Auch Abdelhamid Abaaoud war in der gestürmten Wohnung – und er ist der Tote.

Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, ist die französische Regierung aber von der TAtsache überrascht worden, wie gefährlich Abaaoud tatsächlich ist. „Frankreich wusste vor den Attacken [von Paris am vergangenen Freitag] nicht, dass das terroristische Mastermind sich in Europa aufhält“, sagte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve laut AP.

Die Namen hinter dem Horror von Paris

Identifizierung der Attentäter

Seit den Anschlägen von Paris arbeiten die französischen und belgischen Sicherheitsbehörden an der Identifizierung der getöteten Attentäter und möglicher Unterstützer. Ein Überblick über die bisher Identifizierten. (Quelle: Reuters)

Getötet: Abdelhamid Abaaoud

Mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge von Paris. Der Belgier aus dem Brüsseler Stadtteil Molenbeek wurde eigentlich in Syrien vermutet. Am Donnerstag teilte die Staatsanwaltschaft mit, er sei bei der Razzia und anschließenden Schießerei am Mittwoch im Pariser Stadtteil Saint-Denis ums Leben gekommen. Offenbar wurde er erschossen.

Getötet: Ismail Omar Mostefai

Der Franzose mit algerischen Wurzeln war am Angriff auf die Konzerthalle Bataclan mit 89 Toten beteiligt. Mostefai lebte zeitweise in der Region von Chartres, südwestlich von Paris. Geboren wurde er in Courcouronnes im Süden der französischen Hauptstadt. Sein Name wurde von den Sicherheitsbehörden bereits 2010 auf eine Liste möglicher radikaler Islamisten gesetzt. Die türkische Regierung hat nach eigenen Angaben Frankreich im Dezember 2014 und im Juni 2015 wegen Mostefai kontaktiert, aber erst nach den Anschlägen eine offizielle Anfrage aus Frankreich erhalten.

Getötet: Samy Amimour

Der Franzose war ebenfalls am Angriff auf das Bataclan beteiligt. Er lebte in Drancy in der Nähe des nördlichen Pariser Stadtteils Saint-Denis, wo es am Mittwoch zu einer Schießerei mit einer mutmaßlichen zweiten Islamisten-Zelle kam. Amimour wurde seit Ende 2013 international gesucht. Seit Oktober 2012 wurde er von den Behörden beobachtet, weil der Verdacht bestand, er könnte sich in den Jemen absetzen.

Getötet: Fouad Mohamed Aggad

Er ist einer der drei Männer, die das Blutbad in der Konzerthalle Bataclan anrichteten. Der 23-Jährige kam aus dem französischen Straßburg und hatte vor den Anschlägen in Syrien gekämpft. Gemeinsam mit Amimour und Mostefaï hatte Aggad 89 Menschen in der Konzerthalle getötet. Als die Polizei das Gebäude stürmte, sprengte er sich in die Luft.

Getötet: Brahim Abdeslam

Der Franzose lebte in Belgien. Er sprengte sich vor dem Café Comptoir Voltaire in die Luft. Bruder des noch immer gesuchten Verdächtigen Salah Abdeslam.

Getötet: Bilal Hafdi

Einer der drei Angreifer auf das Pariser Fußballstadion Stade de France. 20 Jahre jung.

Unklar: Ahmad Al Mohammad

Bei einem weiteren Selbstmordattentäter beim Stade de France wurde ein Pass auf den Namen Ahmad Al Mohammad, 25 Jahre alt, aus dem syrischen Idlib gefunden. Die Fingerabdrücke des Mannes passen zusammen mit denen eines Flüchtlings, der unter dem Namen im Pass im Oktober 2015 in Griechenland registriert worden war. Über den dritten Selbstmordattentäter am Stade de France ist bisher nichts bekannt.

Gesucht: Salah Abdeslam

Der in Brüssel geborene Franzose wird verdächtigt, einen schwarzen VW Polo gemietet zu haben, der bei den Attacken in Paris eingesetzt wurde. Der Anwalt Xavier Carette sagte dem belgischen Sender RTBF, er sei am Sonntagmorgen von Paris nach Brüssel zurückgekehrt, nachdem er von der französischen Polizei auf dem Weg drei Mal gestoppt worden sei. Abdeslam wird auch Wochen nach dem Anschlag in Mitteleuropa vermutet.

Abaaoud – sein Alter wird mit 27 oder 28 Jahren angegeben – galt als eine Art unerwarteter Aufsteiger des Dschihad. Er soll nicht nur der Kopf hinter den Pariser Anschlägen sein, sondern auch hinter zwei anderen Terrorplänen stecken, die dieses Jahr in Frankreich vereitelt wurden: die im April gescheiterten Anschläge auf Kirchen nahe Paris und die im August von Passagieren gestoppte Attacke eines schwer bewaffneten Extremisten im Hochgeschwindigkeitszug Thalys nach Paris. Aus US-Kreisen wurde bekannt, dass ihm auch die US-Geheimdienste seit Monaten auf der Spur waren. Sie sahen ihn als Schlüsselfigur einer externen Terrorzelle des Islamischen Staats.

Abaaoud, war wohl auch wiederholt in Deutschland. Die Bundespolizei kontrollierte ihn laut Spiegel Online am 20. Januar 2014 am Flughafen Köln/Bonn, als er von dort nach Istanbul fliegen wollte. Den Beamten erzählte er, er wolle Freunde und Verwandte in der Türkei besuchen und anschließend wieder zurück nach Köln reisen. Doch die Tour zurück erfolgte offenbar dann auf anderen Wegen.

Aus Sicherheitskreisen verlautete zudem, dass sich Abaaoud bereits 2007 einmal in Köln aufgehalten hatte. Er soll seinerzeit bei der Stadt ein Ausfuhrkennzeichen für ein großes Fahrzeug beantragt haben. Die Hintergründe seines damaligen Besuchs sind aber vollkommen unklar. „Wir können uns darauf derzeit keinen Reim machen“, sagt ein Ermittler „Spiegel Online“.

Schon kurz nach den Anschlägen von Paris legten sich die Ermittler fest: Der Belgier soll Drahtzieher der beispiellosen Terrorwelle in der französischen Hauptstadt sein, die am vergangenen Freitag mindestens 129 Menschen das Leben kostete. Experten vermuteten, dass er die Pläne von Syrien aus schmiedete. Doch dann stellte sich heraus: Er war womöglich nur wenige Kilometer von den Orten des Massakers entfernt.

Frankreich im Ausnahmezustand

Wie lange soll der Ausnahmezustand dauern?

Frankreichs Staatschef François Hollande verhängte den Ausnahmezustand wenige Stunden nach den Anschlägen vom 13. November, er trat um Mitternacht in Kraft. Laut einem Gesetz aus dem Jahr 1955 kann der Ausnahmezustand zunächst nur für zwölf Tage verhängt werden. Eine Verlängerung darüber hinaus bedarf eines Gesetzes und damit der Zustimmung des Parlaments. Der Ausnahmezustand soll nun mit Ablauf der zwölf Tage um drei Monate verlängert werden, also bis Ende Februar. (Quelle: AFP)

Was bedeutet das genau?

Der Ausnahmezustand ermöglicht unter anderem Ausgangssperren, Wohnungsdurchsuchungen ohne richterlichen Beschluss auch in der Nacht und Hausarrest für Menschen, deren „Aktivität“ sich als „gefährlich für die Sicherheit und die öffentliche Ordnung erweist“. Außerdem können Versammlungsverbote verhängt und Konzertsäle und Kinos geschlossen werden.

Welche Maßnahmen konnten bislang ergriffen werden?

Die Behörden haben seit den Anschlägen auf eine Reihe dieser Möglichkeiten zurückgegriffen. So gab es nach Regierungsangaben mehr als 400 Wohnungsdurchsuchungen ohne richterlichen Beschluss, bei denen 87 Waffen beschlagnahmt wurden, darunter elf „Kriegswaffen“. 118 Menschen wurden unter Hausarrest gestellt.
Außerdem wurden im Großraum Paris größere Versammlungen verboten, die Polizeipräfektur verlängerte diese Maßnahme zuletzt bis Sonntagabend. Die Behörden betonen aber, dass die spontanen Zusammenkünfte von Trauernden an den Anschlagsorten in Paris nicht untersagt sind.

Wie soll der Ausnahmezustand verschärft werden?

Zusammen mit der Verlängerung soll der Ausnahmezustand auch in einer Reihe von Feldern verschärft werden. Insbesondere sollen die Möglichkeiten ausgeweitet werden, potenzielle Verdächtige unter Hausarrest zu stellen. Bisher sah das Gesetz vor, dass die Aktivität eines Verdächtigen sich als gefährlich erweisen muss – „also wenn es schon zu spät ist“, wie Premier Manuel Valls sagte. Künftig soll schon der „ernsthafte“ Verdacht einer potenziellen Bedrohung ausreichen, um jemanden unter Hausarrest zu stellen, und zwar auf Grundlage von „Verhalten, Kontakten, Äußerungen und Projekten“ eines Verdächtigen.

Außerdem soll der Ausnahmezustand erlauben, informelle extremistische Gruppen und Vereinigungen schnell zu verbieten. Die Maßnahme zielt unter anderem auf „radikale salafistische Moscheen“ ab, wie Valls sagte. Bei von den Behörden angeordneten Wohnungsdurchsuchungen soll den Ermittlern erlaubt werden, sofort auf beschlagnahmte Handys und Computer zuzugreifen und die Daten für ihre Untersuchung zu kopieren.

Welche Geschichte hat der Ausnahmezustand?

Das Gesetz zum Ausnahmezustand wurde 1955 bei Beginn des Algerien-Kriegs beschlossen, der Notstand wurde in der Folge mehrfach ausgerufen. Nach Ende des Algerien-Kriegs wurde der Ausnahmezustand nur zwei Mal verhängt: Mitte der 80er Jahre nach politischen Unruhen auf der zu Frankreich gehörenden Inselgruppe Neukaledonien und 2005 nach schweren Vorstadt-Krawallen in Frankreich.

Welche Zukunft hat der Ausnahmezustand?

Die französische Regierung strebt nach den Anschlägen von Paris eine Verfassungsreform an, um besser auf die Bedrohung durch einen „Kriegs-Terrorismus“ reagieren zu können. Insbesondere soll eine Art erweiterter Ausnahmezustand in der Verfassung verankert werden. Dem Präsidenten und den Behörden sollen so in Krisenzeiten leichter weitgehende Befugnisse verliehen werden.

Abaaoud wuchs als Sohn marokkanischer Einwanderer im Brüsseler Viertel Molenbeek-Saint-Jean auf, das inzwischen als Islamistenhochburg angesehen wird. In seiner Kindheit galt er als unbekümmerter Junge, der auf eine angesehene Schule ging, das Collège Saint-Pierre d'Uccle. Doch aus ihm wurde offenbar ein Fanatiker des islamistischen Terrors, der sogar seinen 13-jährigen Bruder für den Krieg in Syrien rekrutiert haben soll. In einem 2014 veröffentlichten Video sagte er: „Mein ganzes Leben habe ich das Blut von Muslimen fließen sehen. Ich bete, dass Allah jenen das Genick bricht, die Ihn ablehnen (...) und dass Er sie ausrotten wird.“

Zu Jahresbeginn geriet der Dschihadist ins Visier der belgischen Ermittler. Sie verdächtigten Abaaoud, die Terrorzelle in der Stadt Verviers mitorganisiert und finanziert zu haben, die am 15. Januar bei einer Razzia ausgehoben wurde. Zwei seiner mutmaßlichen Komplizen wurden damals getötet.

Kommentare (63)

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Herr Vinci Queri

19.11.2015, 14:19 Uhr

>> Abdelhamid Abaaoud, der als Drahtzieher der Anschläge von Paris gilt, ist tot >>

Woher weiß man denn, dass dieser Islamist der Drahtzieher der Anschläge war ?

Gestern noch hat man ein ganz anderes Bild durch die Landschaft gejagt, auf dem der Anführer der Anschläge zu sehen war.

Da hat man wohl auf die Schnelle einen Terroristen auserwählt, der auch greifbar war, um ein Fahndungserfolg der Versagerpolizei der Franzosen zu präsentieren.

Auch wenn dieser Marokkaner der Anführer der Anschläge gewesen sein sollte, so ist es ein ABSOLUITER NACHWEIS des Versagens der sämtlichen Französischen Sicherheitskräfte.

Denn wie kann es denn sein, dass so ein gefährlicher Spinner sich in aller Seelenruhe in Paris aufhält ?

Lothar dM

19.11.2015, 14:20 Uhr

Es gibt noch Hunderte weitere Abaadouds hier und esw werden täglich mehr aufgrund der naiven und völlig verantwortungslosen politik der Bundesregierung unter Angela Merkel. Deutschland unter der CDUSPD Regierung mit Duldung der Grünen schafft sich ab, allerdings viel schneller und radikaler als es der gute Herr Sarrazin (SPD) vorhergesagt hat in seinem Buch.

Wer wie Merkel die Grenzen des Landes aufgibt, gibt auch die Rechtsordnung und alles was dieses Land ausgemacht hat, auf. Es ist die totale Arbeitsverweigerung der Kanzlerin, totaler geht nicht.

Herr Edmund Stoiber

19.11.2015, 14:24 Uhr

Ein typisch junger Mann, der ökonomisch hilfsbedürftig ist, da arbeitslos, bemitleidenswertes Aussehen hat, hohes Potential eines Sozialbetrügertum mit sich bringt (lt. Auskunft der Schwester), nicht besonders gebildet ist ("Ein Idiot" lt. Schulfreund) und sicherlich herzergreifende Stories für unsere Gutmenschen und Plüschtierverteiler zu bieten hat.

Ganz so, wie die Murksel uns zu Weihnachten millionenfach beschenkt hat!

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