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08.08.2015

12:57 Uhr

Terror in Syrien und im Irak

IS-Miliz verliert an Boden

IS unter Druck: Die internationalen Luftschläge haben den Terroristen an fast jeder Front erhebliche Schäden zugefügt. Am Boden stellen sich die Kurden dem IS entschieden in den Weg – dafür lobt sie sogar das US-Militär.

IS-Terroristen ziehen in Mosul ein: Der IS ist auf dem Rückzug und verliert über immer mehr Gebiete die Kontrolle. ap

Wenn der IS in die Stadt kommt

IS-Terroristen ziehen in Mosul ein: Der IS ist auf dem Rückzug und verliert über immer mehr Gebiete die Kontrolle.

WashingtonEin Jahr nach Beginn der internationalen Luftschläge sieht die US-Militärführung die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) deutlich geschwächt. Wie das Verteidigungsministerium am Samstag in Washington mitteilte, müssen die Dschihadisten an fast jeder Front Verluste hinnehmen. Anti-IS-Kräfte kontrollierten zwei Drittel der nördlichen syrischen Grenze. Im Irak könnten die Dschihadisten in etwa 25 bis 30 Prozent der einst von ihnen beherrschten, bewohnten Gebiete nicht mehr ungehindert agieren.

Am 8. August 2014 hatte die US-geführte Anti-Terrorkoalition aus mehr als 60 Ländern mit den Luftangriffen begonnen. Das internationale Bündnis hat nach Angaben aus Washington seither fast 6000 Einsätze gegen die IS-Dschihadisten geflogen.

In der nordsyrischen Grenzregion zur Türkei sind es vor allem die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG), die sich dem IS am Boden entgegenstellen. Sie sind ein Ableger der in der Türkei verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, die derzeit von der türkischen Luftwaffe bombardiert wird. Das US-Verteidigungsministerium hob hervor, dass die syrischen Kurden eine „außerordentliche“ Leistung erbracht und grenzübergreifende Kommunikationswege der Dschihadisten zwischen Syrien und dem Irak sowie Syrien und der Türkei blockiert hätten.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte mit Blick auf die jüngsten türkisch-kurdischen Auseinandersetzungen der „Rheinischen Post“ (Samstag): Es wäre fatal für die Türkei und für die Region, wenn über die regionalen Konflikte des Mittleren Ostens der innerstaatliche Friedensprozess mit den Kurden jetzt gegen die Wand gefahren würde.

Er betonte: „Nur auf dem Verhandlungsweg kann ein Rückfall in die gewaltsamen Auseinandersetzungen der 90er Jahre verhindert werden, der in der jetzigen Krisenlage unabsehbare Folgen für die ganze Region hätte.“

Nach Angaben des Weißen Hauses wurden die Dschihadisten im vergangenen Jahr in Nordsyrien aus einem 17.000 Quadratkilometer großen Territorium zurückgedrängt - was etwa der Größe von Thüringen entspricht. Von der Grenze zwischen Syrien und der Türkei habe der IS noch knapp 110 Kilometer unter seiner Kontrolle – zu Hochzeiten, also vor der Vertreibung aus Kobane im Januar, waren es fast 300 Kilometer.

Die Terrororganisation beherrscht aber noch immer riesige Gebiete in Syrien und im Irak. Der syrische Bürgerkrieg - durch den die Dschihadisten erst stark geworden sind und der nach UN-Schätzungen in vier Jahren mehr als 250.000 Menschen das Leben gekostet hat – dauert mit unverminderter Brutalität an.

Die irakische Regierung in Bagdad steht neben dem Kampf gegen die Extremisten auch vor sozialen Herausforderungen: Aus Protest gegen Stromengpässe und Korruption gehen immer wieder Tausende Menschen in dem ölreichen Land auf die Straßen.

Von

dpa

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