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27.06.2015

12:36 Uhr

Terror in Tunesien

„Wir brauchen dringend mehr Hilfe aus Europa“

VonMartin Gehlen

Habib Bouslama befürchtet nach dem Terroranschlag massive Einbußen für den tunesischen Tourismus. Der Vizepräsident des Tunesischen Hotelverbandes hofft nun auf Hilfe von der eigenen Regierung – aber auch aus Europa.

Der Vizepräsident des Tunesischen Hotelverbandes (FTH) sorgt sich nach dem Terror-Anschlag um sein Geschäft. Katharina Eglau

Habib Bouslama

Der Vizepräsident des Tunesischen Hotelverbandes (FTH) sorgt sich nach dem Terror-Anschlag um sein Geschäft.

Was bedeutet der Terroranschlag in Sousse für Tunesien?

Das Ganze ist eine Katastrophe, da gibt es nichts zu beschönigen. Ich bin traurig und niedergeschlagen. Dieser Anschlag soll unser gesamtes Land auf die Knie bringen. Seit mehr als einem halben Jahrhundert kommen die deutschen Touristen hierher. Sie mögen unser Land, wir mögen sie. Den Terroristen geht es nicht darum, gezielt Deutsche oder Engländer oder Franzosen umzubringen. Die Terroristen wollen unseren Staat zerstören. Sie wissen, dass der Tourismus die wichtigste Säule unserer Wirtschaft ist.

Was sind die Folgen für den Tourismus?

Wir stehen am Beginn der Hauptsaison, die bis Ende Oktober dauert. Der Zeitpunkt des Abschlags ist absolut gezielt gewählt, um maximalen Schaden für die Ferienindustrie anzurichten. Der Terror aber ist nicht mehr auf ein einziges Land begrenzt, er breitet sich weltweit aus. Am Freitag hatten wir Anschläge in Frankreich, in Kuwait und hier in Tunesien. Das ist eine völlig neue Situation, mit der wir nun konfrontiert sind, und mit der wir fertigwerden müssen. Wir dürfen jetzt nicht in Depressionen verfallen, das Leben muss weitergehen.

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Sie haben zwei Hotels in Sousse und Hammamet. Zehntausende Touristen brechen momentan ihren Urlaub ab und wollen nur noch nach Hause zurückzufliegen. Was sagen Sie Ihren Angestellten?

Das ist eine sehr schwierige Lage für uns, sehr viele Gäste wollen so schnell wie möglich abreisen. Wir haben schon in den letzten vier Jahren immer hart an der Grenze zur Profitabilität operiert. Unsere Rücklagen sind aufgezehrt. Jetzt werden unsere Hotels wohl erst einmal leer stehen. Was soll ich meinen Angestellten sagen? Ich will sie nicht entlassen. Sie haben Familien, sie brauchen die Gehälter. Das ist ein großes Problem. Vielleicht können wir vorübergehend Unterstützung von der Regierung bekommen, ich weiß es nicht.

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