Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.02.2015

16:32 Uhr

Terror in Westafrika

Boko Haram greift Millionenstadt an

In der Nähe der nigerianischen Stadt Maidugui sind erneut Kämpfe zwischen Boko Haram und Militär ausgebrochen. Indes hat der Tschad angeblich 120 Kämpfer der Islamisten-Miliz Boko Haram im benachbarten Kamerun getötet.

Kontrolle von Passanten im Norden Nigerias: Die Bevölkerung fürchtet den Terror der Boko Haram. Reuters

Members of volunteer group Hisbah screen Muslim worshippers heading for Friday prayers in Miyetti

Kontrolle von Passanten im Norden Nigerias: Die Bevölkerung fürchtet den Terror der Boko Haram.

Kano/N'DjamenaDie Streitkräfte des Tschad haben nach eigenen Angaben im benachbarten Kamerun 120 Kämpfer der Islamisten-Miliz Boko Haram getötet. Das Militär habe am Samstag Stellungen von Boko Haram bombardiert, teilte die Armee mit. Vorausgegangen seien Angriffe der Extremisten auf Truppen des Tschad. Bei den Kämpfen seien auch drei eigene Soldaten getötet worden.

Boko Haram kämpft seit rund fünf Jahren für einen radikal-muslimischen Staat im Nordosten Nigerias und hat zuletzt verstärkt auch Gebiete in den Nachbarländern Tschad und Kamerun angegriffen. Die beiden Staaten haben daher ihre Truppen in der Region verstärkt.

Indes lieferten sich die Islamistengruppe und die nigerianische Armee erneut schwere Kämpfe um die Millionenstadt Maiduguri im Nordosten des Landes geliefert. Eine "terroristische Attacke" am Sonntag habe aber rasch abgewehrt werden können, erklärte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in der Hauptstadt Abuja. Eine Einnahme der Stadt durch Boko Haram würde eine schwere Niederlage für die Armee bedeuten und wahrscheinlich eine humanitäre Katastrophe auslösen.

Boko Haram - blutiger Islamistenterror für einen Gottesstaat

Die Terrorgruppe

Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram führt im muslimischen Norden Nigerias einen Krieg für einen islamischen Staat.

Ziel

Ihr Ziel ist es, die Scharia (islamische Rechtsprechung) einzuführen.

Ursprünglich eine Sekte

Die Gruppe, ursprünglich als Sekte ins Leben gerufen und seit November 2013 auf der Terrorliste des US-Außenministeriums, soll Kontakte zu nordafrikanischen Al-Kaida-Ablegern haben. Über Organisationsstrukturen und Mitgliederzahlen liegen keine gesicherten Informationen vor.

Mehr als 5000 Opfer

Die Boko Haram verübt in dem westafrikanischen Land seit Jahren blutige Anschläge, denen nach Schätzungen bereits über 5000 Menschen zum Opfer gefallen sind.

Mehr Attentate

Anfang 2014 verstärkten die Extremisten ihren Kampf. Seither kam es fast wöchentlich zu Angriffen, Attentaten und Entführungen.

Entführung in Nigeria

Nur in seltenen Fällen – wie bei der Entführung von über 200 Mädchen in der Provinz Borno im April vergangenen Jahres – bekannte sich Boko Haram zu den Taten. Von den Schülerinnen fehlt bis heute jede Spur

Weitere Angriffe

Die Behörden lasten der Gruppe aber zahlreiche weitere Angriffe auf Dörfer, Märkte, Polizeistationen, Schulen, Kirchen und Lokale an.

„Die Terroristen haben massive Verluste erlitten“, sagte der Ministeriumssprecher. Nach stundenlangen Kämpfen sei die Lage „ruhig“, es werde aber noch nach Boko-Haram-Kämpfern gefahndet. Die Islamisten hatten Maiduguri, die Hauptstadt des Bundesstaats Borno, am Sonntagmorgen zum wiederholten Mal unter Beschuss genommen.

Laut Augenzeugen lieferten sie sich Gefechte mit Soldaten. Es seien schwere Explosionen und Schüsse zu hören gewesen, als die Kämpfer versuchten, von Süden her in die Stadt einzudringen. „Die ganze Stadt hat Angst“, sagte der Bewohner Adam Krenuwa. „Die Leute haben Angst davor, was passiert, wenn Boko Haram die Sicherheitskräfte besiegt.“

Experten hatten mit einer neuen Offensive auf Maiduguri vor der Präsidentschafts- und Parlamentswahl in Nigeria am 14. Februar gerechnet. In der Stadt haben hunderttausende Menschen aus anderen Teilen von Borno Zuflucht vor Boko Haram gesucht.

Die Einwohnerzahl soll sich in den vergangenen Monaten auf mehr als zwei Millionen verdoppelt haben. Boko Haram kontrolliert Schätzungen zufolge bereits mindestens die Hälfte von Borno sowie Gebiete in den benachbarten Bundesstaaten Adamawa und Yobe.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×