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11.02.2016

09:43 Uhr

Terror-Miliz Boko-Haram

65 Tote bei Selbstmordanschlag in Nigeria

In einem Flüchtlingscamp in Nigeria haben sich zwei Mädchen in die Luft gesprengt und 65 Menschen in den Tod gerissen. Bundespräsident Joachim Gauck hält sich zurzeit in Nigeria auf.

Eine Gruppe Kinder flieht vor den Islamisten von Boko Haram. Die Terrorgruppe verübt sogar Anschläge in Flüchtlingscamps. AFP

Flucht vor dem Terror

Eine Gruppe Kinder flieht vor den Islamisten von Boko Haram. Die Terrorgruppe verübt sogar Anschläge in Flüchtlingscamps.

Lagos Bei dem Selbstmordanschlag zweier Mädchen in einem Flüchtlingslager im Norden Nigerias sind nach neuen Angaben mindestens 65 Menschen ermordet worden. Die verschleierten Mädchen hätten sich als Flüchtlinge ausgegeben, um Zugang zu dem Lager in der Stadt Dikwa zu erhalten, sagte ein Mitarbeiter der Behörde für Krisenmanagement der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag.

Die Täterinnen hätten ihre Sprengstoffgürtel gezündet als Hunderte Menschen an der Essensausgabe Schlange standen, hieß es. Mindestens 78 Menschen seien verletzt worden. Dikwa ist etwa 90 Kilometer von der Großstadt Maiduguri entfernt, wo es immer wieder Anschläge der islamischen Terrormiliz Boko Haram gibt.

Boko Haram - blutiger Islamistenterror für einen Gottesstaat

Die Terrorgruppe

Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram führt im muslimischen Norden Nigerias einen Krieg für einen islamischen Staat.

Ziel

Ihr Ziel ist es, die Scharia (islamische Rechtsprechung) einzuführen.

Ursprünglich eine Sekte

Die Gruppe, ursprünglich als Sekte ins Leben gerufen und seit November 2013 auf der Terrorliste des US-Außenministeriums, soll Kontakte zu nordafrikanischen Al-Kaida-Ablegern haben. Über Organisationsstrukturen und Mitgliederzahlen liegen keine gesicherten Informationen vor.

Mehr als 5000 Opfer

Die Boko Haram verübt in dem westafrikanischen Land seit Jahren blutige Anschläge, denen nach Schätzungen bereits über 5000 Menschen zum Opfer gefallen sind.

Mehr Attentate

Anfang 2014 verstärkten die Extremisten ihren Kampf. Seither kam es fast wöchentlich zu Angriffen, Attentaten und Entführungen.

Entführung in Nigeria

Nur in seltenen Fällen – wie bei der Entführung von über 200 Mädchen in der Provinz Borno im April vergangenen Jahres – bekannte sich Boko Haram zu den Taten. Von den Schülerinnen fehlt bis heute jede Spur

Weitere Angriffe

Die Behörden lasten der Gruppe aber zahlreiche weitere Angriffe auf Dörfer, Märkte, Polizeistationen, Schulen, Kirchen und Lokale an.

Hier leben Tausende Menschen, die vor Boko Haram geflohen sind. Boko Haram terrorisiert seit Jahren Teile des westafrikanischen Landes. Die Islamisten wollen einen Gottesstaat mit strengster Auslegung des islamischen Rechts, der Scharia. Sie haben seit 2009 mindestens 14 000 Menschen getötet.

Derzeit hält sich Bundespräsident Joachim Gauck in Nigeria auf. Er besuchte am frühen Nachmittag ein Flüchtlingscamp in Abuja und rief zum gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus auf.

Blutiger Terror in Nigeria

4. Juli 2011

Bei einem Anschlag auf einen Biergarten in Maiduguri im Nordosten Nigerias werden mindestens fünf Menschen getötet. Nach Angaben des Senders Al-Dschasira explodiert der Sprengsatz in einem hauptsächlich von Soldaten und Polizisten besuchten Lokal. Ein Woche zuvor waren bei einem ähnlichen Anschlag in Maiduguri 25 Kneipen-Besucher erschossen worden. Behörden gehen von Angriffen der radikalislamischen Sekte Boko Haram aus, die jeden westlichen Lebensstil ablehnt - auch das Trinken von Alkohol.

26. Juni 2011

Bei einem Anschlag von Islamisten auf Bierlokale in Maiduguri kommen mindestens 25 Menschen ums Leben. Wieder sollen die Täter Boko-Haram-Kämpfer sein.

16. Juni 2011

Bei einem Selbstmordanschlag auf das Hauptquartier der nigerianischen Polizei sterben mindestens zwei Menschen. Wenige Stunden später explodiert ein weiterer Sprengkörper nahe einer Kirche in Damboa im Nordosten Nigerias. Nach Polizeiangaben werden vier Kinder getötet. Wie die Zeitung „Vanguard“ berichtet, übernimmt Boko Haram die Verantwortung für den Anschlag.

8. Juni 2011

In Maiduguri greifen Anhänger von Boko Haram eine katholische Kirche an. Wie die „Daily Sun“ berichtet, sterben dabei fünf Menschen.

30. Mai 2011

Wenige Stunden nach der Amtseinführung von Präsident Goodluck Jonathan werden bei einem Bombenanschlag im Norden Nigerias mindestens zehn Menschen getötet. Nigerianische Medien berichten, der Sprengkörper sei in einer Kneipe auf einem Kasernengelände in der Stadt Bauchi explodiert.

1. Januar 2011

Bei Sprengstoffexplosionen werden in der Neujahrsnacht mindestens elf Menschen getötet. Für die Anschläge in einer Kirche und auf einem Kasernengelände stehen muslimische Extremisten im Verdacht.

Dezember 2010

Bei blutigen Angriffe auf Christen in Nigeria sterben an Heiligabend mindestens 80 Menschen. In und um die Stadt Jos im Zentrum des Landes explodieren mehrere Bomben. Dutzende Angreifer attackieren eine Kirche in Maiduguri. Am 26. Dezember gehen erneut mehrere Häuser in Flammen auf. In Jos kommt es nach den Explosionen zu Zusammenstößen.

In Nigeria seien mehr als zwei Millionen Menschen geflohen, um den „mörderischen Anschlägen“ der islamistischen Terrormiliz Boko Haram zu entkommen, sagte Gauck in Abuja. Die Hauptstadt Nigerias, in der er heute auch vom nigerianischen Präsidenten empfangen wird, liegt etwa 12 Autostunden südlich vom Ort des Anschlags.


Von

dpa

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