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17.06.2014

12:37 Uhr

Terror-Miliz Isis

Wer kämpft im Irak gegen wen?

VonMartin Gehlen

Im Irak liefern sich verschiedene Gruppen einen erbitterten und blutigen Machtkampf, der im Zerfall des Landes enden könnte. Doch wer kämpft da gegen wen? Und was wollen die Gruppen erreichen?

Terror im Irak

USA kündigen Truppenentsendung an

Terror im Irak: USA kündigen Truppenentsendung an

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Im Kampf gegen den Vormarsch der sunnitisch-fundamentalistischen Terrorgruppe Isis setzt die Zentralregierung in Bagdad auf schiitische Milizen. Sie sollen die Kämpfer stoppen, die in der vergangenen Woche in einer Blitzoffensive große Gebietsgewinne nördlich der Hauptstadt erzielten. Die Milizen haben auch den Segen der einflussreichen Geistlichen, die alle Schiiten zu den Waffen riefen. Experten warnen, dass der Konflikt immer mehr zu einem Krieg zwischen den Sunniten und ihrer Schutzmacht Saudi-Arabien einerseits und den Schiiten unter dem Schutz des Irans andererseits werde.

Der handstreichartige Erfolg der Kommandos vom „Islamischen Staat in Irak und Syrien (Isis)“ wäre undenkbar, hätten die Angreifer nicht auf irakischem Boden wichtige Verbündete – vor allem alte Getreue von Saddam Hussein, sunnitische Milizen und Stammesführer sowie Teile der normalen Bevölkerung. Alle diese Kräfte eint ein gemeinsames Ziel, sie wollen ein Ende der schiitischen Machtdominanz und ein Sturz von Premier Nuri al-Maliki.

Die Spaltung zwischen Sunniten und Schiiten

Unterschiede in der Praxis

Für beide Glaubensgruppen ist der Koran das Wort Gottes. Die Unterschiede liegen in der theologischen Auslegung und der religiösen Praxis. Manche Differenzen sind marginal: So halten beispielsweise Schiiten ihre Hände beim Beten seitlich des Körpers, Sunniten hingegen kreuzen sie vor der Brust oder dem Bauch.

Verwandtschaft mit Mohammed

Entscheidender sind Fragen, die sich um die Interpretation der Lehre drehen. Die Schiiten argumentieren, dass nur ein Blutsverwandter auf Mohammed folgen kann und sehen daher in dessen Cousin und Schwiegersohn Ali und seinen Nachfahren die rechtmäßigen Erben des Propheten. Letztlich kommt der Begriff Schiiten von „Schiat Ali“ - Partei Alis. Die Sunniten hingegen bestehen nicht auf einer Blutsverwandtschaft. Sie ließen ihren Anführer nach Mohammeds Tod wählen und so huldigten sie in den Wirren des 7. Jahrhunderts zunächst den drei Kalifen Abu Bakr, Umar und Uthman, bevor Ali für einige Zeit die Macht errang. Die vier gelten nach sunnitischer Lehre als die vier Rechtgeleiteten Kalifen. Nach Alis Tod 661 errangen erneut die Sunniten die Oberhand und konnten ihre Macht für die folgenden Jahrhunderte in verschiedenen Herrscherdynastien festigen.

Die Rolle des Imam

Im Schiismus entwickelte sich daraufhin die Lehre der geistlichen Führerschaft des Imams, dem ein besonderes religiöses Wissen und Unfehlbarkeit zugesprochen werden, was die Sunniten ablehnen. Angefangen mit Ali gab es nach Mohammed zwölf Imame. Die meisten von ihnen wurden von Sunniten getötet und starben als Mätyrer. Der zwölfte indes starb nicht, sondern entschwand, um eines Tages als der Rechtgeleitete, der Messias, zurückzukehren und Gerechtigkeit zu üben.

Die Sunniten werfen den Schiiten vor, ein übersteigertes Bild von Ali zu pflegen und diesen auf eine Stufe mit Mohammed zu stellen. Genau betrachtet ist der Vorwurf falsch, denn die Schiiten sehen in Mohammed den letzten Propheten, was eine zentrale Lehre des Islams ist.

Vorwürfe

Die Sunniten werfen den Schiiten vor, ein übersteigertes Bild von Ali zu pflegen und diesen auf eine Stufe mit Mohammed zu stellen. Genau betrachtet ist der Vorwurf falsch, denn die Schiiten sehen in Mohammed den letzten Propheten, was eine zentrale Lehre des Islams ist.

Verbreitung

Heute wie damals sind die Sunniten in der Mehrheit. Schätzungen zufolge machen Sunniten zwischen 85 bis 90 Prozent der Muslime aus, Schiiten bis zu 15 Prozent. In Nahost leben und herrschen Schiiten vor allem im Iran, Irak und in Bahrain. Große Gemeinden gibt es zudem unter anderem in Syrien, Saudi-Arabien, Kuwait, im Libanon und Jemen.

Politische Auswirkungen

Die erbitterte Feindschaft von einst nährt noch heute Ressentiments und Streitigkeiten zwischen den Glaubensgemeinschaften. Selbst moderate Schiiten würden ihre Kinder wohl kaum nach den ersten drei Kalifen Abu Bakr, Umar und Uthman nennen. Politische Trennlinien in der arabischen Welt lassen sich entlang der Glaubenszugehörigkeit ablesen. Doch nur die überzeugtesten Hardliner setzen die theologischen Differenzen in Gewalt und Hass um, wie im Irak und Syrien, wo sunnitische Extremisten gegen schiitische Regierungen kämpfen.

Umgekehrt hat die rasche Mobilisierung der schiitischen Milizen schlagartig offen gelegt, wie einsatzfähig diese inoffiziellen Verbände sind. Auch die Kurden haben mit den Peschmerga eine potente Streitmacht, der es bisher gelungen ist, ein Übergreifen von Chaos, Kämpfen und Blutvergießen auf den halbautonomen Nordirak zu verhindern.

Handelsblatt Online erklärt, wer die wichtigsten Gruppen in diesem erbitterten irakischen Machtkampf sind, der in einem Zerfall des Landes enden könnte.

Kommentare (1)

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17.06.2014, 13:09 Uhr

Die Sunniten die von den perversen Saudis unterstützt werden die sich ständig mit jungen Mädchen aus den Flüchtlingslagern versorgen lassen , sind die Schlimmsten. Diese Geschäfte unter den Augen der Gutmenschen sind widerlich.

Die Kurden die mehr Flüchtlinge in ihren Stammesgebieten aufgenommen haben als Deutschland, sollten die vollste Unterstützung bekommen die es gibt,. natürlich nicht aus Deutschland hier sitzen eher ihre Feinde. Daher denke ich das die Deutsche Bevölkerung eher hinter den Kurden steht,als die Kriegsfürsten die ständig nach neuen BW Einsätzen rufen.

Die Schiiten haben ein großes befriedigtes Stammesgebiet mit Ausnahme von Bagdad, dass wohl Sunnitisch ist.

Die ISIS Kämpfer können in wenigen Tagen sicher platt gemacht werden. Wer weis noch, dass Amerikanische Panzer sich vor ihren Panzern Schaufeln ansetzen liesen und die Iraker in ihren Löchern damals einfach lebendig begraben haben. In der Wüste gibt es eben wenig Schutz.

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