Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.01.2016

21:23 Uhr

Terror

Paris gedenkt Opfer der Anschläge

Mit einer Gedenkfeier auf dem Place de la République hat Paris am Sonntag der 149 Opfer der islamistischen Anschläge des vergangenen Jahres gedacht. Präsident Hollande enthüllte eine Gedenktafel am Fuß einer Eiche.

Attentate in Paris

Ein Jahr nach Charlie Hebdo: Franzosen gedenken der Opfer

Attentate in Paris: Ein Jahr nach Charlie Hebdo: Franzosen gedenken der Opfer

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

ParisMit Kerzen gedachten am Abend auf dem Platz hunderte Menschen der Bluttaten des vergangenen Jahres. Am Fuß einer Eiche, die zur Erinnerung an die Anschlagsopfer gepflanzt worden war, enthüllte Präsident François Hollande eine Gedenktafel.

Der Rockmusiker Johnny Hallyday sang am Vormittag auf dem zentralen Platz der französischen Hauptstadt das Lied „Ein Sonntag im Januar“, das Jeanne Cherhal in Erinnerung an die Trauerkundgebung nach dem Anschlag auf die Satirezeitung „Charlie Hebdo“ vor einem Jahr komponiert hatte. Damals hatten sich hunderttausende Menschen an dem Platz versammelt, die Bilder gingen um die Welt. Diesmal war der Platz nur teilweise gefüllt.

Neben Angehörigen der Opfer nahmen Premierminister Manuel Valls, die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo und weitere hohe Politiker an der Veranstaltung teil. Sie erinnerten an die 17 Todesopfer der Anschlagsserie vom Januar ebenso wie an die 130 Menschen, die bei den Anschlägen vom 13. November in Paris getötet worden waren.

Am Abend kamen dann viele Bürger der Hauptstadt, um auf dem Platz der Anschlagsopfer zu gedenken. „Es ist wichtig, dass wir hierherkommen und sagen 'Wir haben keine Angst, das Leben geht weiter, aber wir vergessen sie nicht“, meinte die Pariserin Maissara Benhassani.

Mit der Zeremonie ging eine Woche zu Ende, die im Zeichen des Gedenkens gestanden hatte. In Erinnerung an die Opfer wurden in den vergangenen Tagen eine Reihe von Gedenktafeln an den Anschlagsorten eingeweiht. Zuletzt gab es am Samstagnachmittag eine Gedenkfeier vor dem koscheren Supermarkt, in dem der islamistische Attentäter Amédy Coulibaly am 9. Januar 2015 vier Juden getötet hatte.

Die Namen hinter dem Horror von Paris

Identifizierung der Attentäter

Seit den Anschlägen von Paris arbeiten die französischen und belgischen Sicherheitsbehörden an der Identifizierung der getöteten Attentäter und möglicher Unterstützer. Ein Überblick über die bisher Identifizierten. (Quelle: Reuters)

Getötet: Abdelhamid Abaaoud

Mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge von Paris. Der Belgier aus dem Brüsseler Stadtteil Molenbeek wurde eigentlich in Syrien vermutet. Am Donnerstag teilte die Staatsanwaltschaft mit, er sei bei der Razzia und anschließenden Schießerei am Mittwoch im Pariser Stadtteil Saint-Denis ums Leben gekommen. Offenbar wurde er erschossen.

Getötet: Ismail Omar Mostefai

Der Franzose mit algerischen Wurzeln war am Angriff auf die Konzerthalle Bataclan mit 89 Toten beteiligt. Mostefai lebte zeitweise in der Region von Chartres, südwestlich von Paris. Geboren wurde er in Courcouronnes im Süden der französischen Hauptstadt. Sein Name wurde von den Sicherheitsbehörden bereits 2010 auf eine Liste möglicher radikaler Islamisten gesetzt. Die türkische Regierung hat nach eigenen Angaben Frankreich im Dezember 2014 und im Juni 2015 wegen Mostefai kontaktiert, aber erst nach den Anschlägen eine offizielle Anfrage aus Frankreich erhalten.

Getötet: Samy Amimour

Der Franzose war ebenfalls am Angriff auf das Bataclan beteiligt. Er lebte in Drancy in der Nähe des nördlichen Pariser Stadtteils Saint-Denis, wo es am Mittwoch zu einer Schießerei mit einer mutmaßlichen zweiten Islamisten-Zelle kam. Amimour wurde seit Ende 2013 international gesucht. Seit Oktober 2012 wurde er von den Behörden beobachtet, weil der Verdacht bestand, er könnte sich in den Jemen absetzen.

Getötet: Fouad Mohamed Aggad

Er ist einer der drei Männer, die das Blutbad in der Konzerthalle Bataclan anrichteten. Der 23-Jährige kam aus dem französischen Straßburg und hatte vor den Anschlägen in Syrien gekämpft. Gemeinsam mit Amimour und Mostefaï hatte Aggad 89 Menschen in der Konzerthalle getötet. Als die Polizei das Gebäude stürmte, sprengte er sich in die Luft.

Getötet: Brahim Abdeslam

Der Franzose lebte in Belgien. Er sprengte sich vor dem Café Comptoir Voltaire in die Luft. Bruder des noch immer gesuchten Verdächtigen Salah Abdeslam.

Getötet: Bilal Hafdi

Einer der drei Angreifer auf das Pariser Fußballstadion Stade de France. 20 Jahre jung.

Unklar: Ahmad Al Mohammad

Bei einem weiteren Selbstmordattentäter beim Stade de France wurde ein Pass auf den Namen Ahmad Al Mohammad, 25 Jahre alt, aus dem syrischen Idlib gefunden. Die Fingerabdrücke des Mannes passen zusammen mit denen eines Flüchtlings, der unter dem Namen im Pass im Oktober 2015 in Griechenland registriert worden war. Über den dritten Selbstmordattentäter am Stade de France ist bisher nichts bekannt.

Gesucht: Salah Abdeslam

Der in Brüssel geborene Franzose wird verdächtigt, einen schwarzen VW Polo gemietet zu haben, der bei den Attacken in Paris eingesetzt wurde. Der Anwalt Xavier Carette sagte dem belgischen Sender RTBF, er sei am Sonntagmorgen von Paris nach Brüssel zurückgekehrt, nachdem er von der französischen Polizei auf dem Weg drei Mal gestoppt worden sei. Abdeslam wird auch Wochen nach dem Anschlag in Mitteleuropa vermutet.

Am Samstagvormittag hatte Hollande im Pariser Vorort Montrouge eine Gedenkplatte eingeweiht zur Erinnerung an die junge Polizistin Clarissa Jean-Philippe, die dort am 8. Januar 2015 von Coulibaly erschossen worden war - einen Tag vor dem Angriff auf den Supermarkt. Coulibaly war mit Chérif und Said Kouachi bekannt, die am 7. Januar die Satirezeitung „Charlie Hebdo“ gestürmt und dort zwölf Menschen getötet hatten.

Um einen „Islam der Verständigung“ zu verteidigen, öffneten hunderte Moscheen ihre Türen für Besucher. Mit der Initiative wollte der Zentralrat der Muslime „den nationalen Zusammenhalt“ stärken und über die „wirklichen Werte des Islam“ aufklären. Neben Führungen boten viele Moscheen den Besuchern einen „Tee der Brüderlichkeit“ an. Auch Hollande besuchte am Sonntag die Große Moschee von Paris.

Zu einem ständigen Gedenkort für die Franzosen wurde seit einem Jahr aber der Place de la République im Zentrum von Paris. Am Sockel der Statue auf dem Platz werden praktisch täglich Kerzen, Fahnen, Zeichnungen, Fotografien, Blumen und Texte abgelegt.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×