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06.08.2016

15:48 Uhr

Terrorangst in Frankreich

Eiffelturm nach Sicherheitsalarm evakuiert

Der Eiffelturm wird nach einem Fehlalarm evakuiert, ein Radrennen in Nizza ebenso abgesagt, wie ein Trödelmarkt in Lille und weitere Veranstaltungen. Die Terrorangst hat Frankreich fest im Griff.

Nach einem Fehlalarm ist das Pariser Wahrzeichen am Freitagabend evakuiert worden. dpa

Eiffelturm evakuiert

Nach einem Fehlalarm ist das Pariser Wahrzeichen am Freitagabend evakuiert worden.

ParisNach einem Sicherheitsalarm ist der Eiffelturm in Paris am Freitagabend evakuiert worden. Während die Polizei von einem Fehlalarm nach einer internen Übung sprach, ging die Betreibergesellschaft von einem echten Alarm wegen eines verdächtigen Gegenstandes aus. Aus Angst vor Terroranschlägen wurden in Frankreich derweil weitere Großveranstaltungen abgesagt.

Wie die Polizeipräfektur in der französischen Hauptstadt mitteilte, gab es am Eiffelturm eine interne Übung, bei der eine Gefahr simuliert wurde - allerdings habe ein Mitarbeiter der Touristenattraktion das Ganze für echt gehalten. Bei der Evakuierung habe es sich um einen Fehler aufgrund eines „Missverständnisses“ gehandelt. „Es hätte niemand in Sicherheit gebracht werden sollen“, hieß es bei der Präfektur.

Der Chef der Betreibergesellschaft des Eiffelturms (Sete), Bernard Gaudillère, erklärte dagegen, ein für die Durchleuchtung der Besuchertaschen zuständiger Mitarbeiter habe etwas „Verdächtiges“ zu sehen geglaubt. Der Gegenstand habe einer Pistole geähnelt, sich dann aber als ein harmloses Plastikobjekt entpuppt, sagte Gaudillère der Nachrichtenagentur AFP.

Frankreich

Bruttoinlandsprodukt

Nach Daten des IMF betrug das französische BIP im vergangenen Jahr rund 2,42 Billionen US-Dollar. Im europäischen Vergleich steht das Land damit an dritter Stelle hinter Spitzenreiter Deutschland und Großbritannien. Was zunächst positiv klingt, erscheint mit Blick in die frühe Vergangenheit gar nicht mehr allzu rosig. Nur ein Jahr zuvor hatte das Bruttoinlandsprodukt noch fast 400 Milliarden US-Dollar mehr auf dem Konto – und stand damit auch vor dem Vereinigten Königreich. Vom Allzeithoch aus dem Jahr 2008 (2,94 Billionen US-Dollar) ist Frankreich ein gutes Stück entfernt.

Einwohnerzahl

Im „französischen Mutterland“ lebten zu Beginn des zurückliegenden Jahres 64.204.247 Menschen. Nimmt man die Überseedépartements Guadeloupe, Martinique, Französisch-Guayana, Réunion und Mayotte hinzu, kommt die französische Republik auf über 66,3 Millionen Einwohner. Einer Prognose von Eurostat zufolge wird das zweitbevölkerungsreichste Land Europas bis 2050 sehr nah an die künftigen Zahlen aus Deutschland herankommen – knapp über 74 Millionen Menschen sollen beide Staaten dann jeweils beherbergen.

Bevölkerungsdichte

Mit rund 550 km² ist Frankreich auch ohne die dazugehörigen Überseeinseln und -gebiete bereits das flächenmäßig größte Land in Europa. Dementsprechend viel Platz steht den zahlreichen Franzosen zur Verfügung, was sich auf die Bevölkerungsdichte auswirkt. Mit 117 Einwohnern pro Quadratkilometer befindet sich die Republik so nah am EU-weiten Durchschnitt (116,3) wie kein anderes europäisches Land.

Staatsoberhaupt

Mit der Annahme einer neuen Verfassung im Oktober 1958 wurde in Frankreich die sogenannte „Fünfte Republik“ eingeführt. Beginnend mit Charles de Gaulle standen seither sieben Präsidenten an der Spitze des Staates. Seit Mitte 2012 hat François Hollande das höchste Amt inne, der nach der erfolgreichen Wahl den bis dahin amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy vorzeitig ablöste.

Nationalhymne

Die „Marseillaise“ ist seit 1795 die offizielle französische Nationalhymne. Drei Jahre zuvor wurde sie von Claude Joseph Rouget de Lisle verfasst – allerdings als Kriegserklärung an Österreich. Unter dem Titel „Chant de guerre pour l’armée du Rhin“ („Kriegslied für die Rheinarmee“) war sie dem Oberbefehlshaber und Gouverneur von Straßburg, Nikolaus von Luckner, gewidmet und ertönt bis heute in dessen Geburtsort, Cham in der Oberpflaz, täglich als Glockenspiel auf dem Marktplatz. Das Lied wurde beim Einzug in Paris von Soldaten aus Marseille gesungen, wodurch der bekannte Titel zustande kam.

Das Problem mit den Rechten

Der Name der rechtsradikalen Partei Front National tauchte in der jüngsten Vergangenheit häufig in den Medien auf. Dabei konnte die Partei rund um deren Vorsitzende Marine Le Pen bereits in den 1980er Jahren erste Erfolge verbuchen – und das aus denselben Gründen wie heute. Der wirtschaftliche Pessimismus innerhalb des Landes brachte dem FN zweimal in Folge mindestens einen Sitz in der Nationalversammlung. Aus der Europawahl 2014 ging der FN mit 24,86% der Stimmen als Sieger unter den französischen Parteien hervor. Bei der Präsidentenwahl im nächsten Jahr werden Le Pen gute Ergebnisse prognostiziert – wenngleich es nicht ganz für das Amt reichen solle.

Französische Revolution

„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ ist nicht nur der Wahlspruch der Republik Haiti sowie der heutigen Französischen Republik, sondern auch das Motto der Französischen Revolution, die ab 1789 grundlegende Werte und Ideen der Aufklärung propagierte und umsetzte. Sie hatte signifikante gesellschaftspolitische Veränderungen auf dem ganzen Kontinent zur Folge. Die heutige französische Verfassung verweist auf die zu jener Zeit entstandene „Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte“ und enthält sonst keinen eigenen Grundrechtekatalog.

Zu dem Zeitpunkt habe sich eine ganze Gruppe von Touristen an der Sicherheitskontrolle befunden, und der Mitarbeiter habe nicht feststellen können, ob der Besitzer der fraglichen Tasche bereits die Kontrolle passiert hatte oder nicht. Daraufhin habe das „Prinzip der Vorsorge“ gegriffen, erklärte Gaudillère. Demnach wurde die Polizei gerufen und die Räumung des Eiffelturms angeordnet.

Die französischen Behörden sagten wegen Sicherheitsbedenken überdies zwei Großveranstaltungen im September ab. In Nizza kündigte Bürgermeister Philippe Pradel am Freitagabend an, dass die European Road Cycling Championship nicht wie geplant vom 14. bis 18. September in Nizza stattfinden werde. Das Radrennen hätte eine starke Polizeipräsenz erfordert, für die „wir keinerlei Garantie erhalten haben“, sagte Pradel zur Begründung.

Die Bürgermeisterin der nordfranzösischen Stadt Lille, Martine Aubry, hatte zuvor mitgeteilt, einer der größten Trödelmärkte Europas, die für das erste Septemberwochenende geplante „Braderie de Lille“, falle aus. Der Flohmarkt in Lille erstreckt sich traditionell über das gesamte Stadtgebiet und zog im vergangenen Jahr 2,5 Millionen Besucher an. An dem Trödelmarkt beteiligten sich 2015 rund 10.000 Aussteller mit Ständen.

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239 Tote in eineinhalb Jahren: Es sei keine Zeit für Haarspaltereien, tönte Ex-Präsident Sarkozy nach den Anschlägen in Frankreich. Die Sicherheitsfrage wird zu einer Debatte über den Rechtsstaat in Zeiten des Terrors.

„Wir haben alles für die Sicherheit getan, aber es gibt Risiken, die wir nicht begrenzen können“, sagte Aubry zur Begründung. Sie sprach von einer „schmerzhaften Entscheidung“. Den Flohmarkt zu veranstalten „mit Scharfschützen auf allen Dächern, Polizisten an jeder Straßenecke, Hubschraubern und Drohnen überall, das wäre für mich nicht der Geist der Braderie“, sagte die sozialistische Bürgermeisterin weiter.

Premierminister Manuel Valls begrüßte auf Twitter die „schwierige und mutige“ Entscheidung. Scharfe Kritik kam vom Hotelverband UMIH. Die Absage sei ein „sehr harter Schlag“, sowohl wirtschaftlich als auch für das Image.

Seit dem Anschlag von Nizza mit 85 Toten sind in Frankreich bereits eine Reihe von Veranstaltungen abgesagt worden. Darunter sind ein traditionelles Sommerfeuerwerk in Cannes, eine Flugschau in Marseille sowie ein Freiluftkino und ein Basketballturnier in Paris. Der von der französischen Regierung bis Januar verlängerte Ausnahmezustand erleichtert die Absage von Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen.

Von

afp

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