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03.01.2017

08:50 Uhr

Terroranschläge

Die Türkei und der IS im Krieg

Ankara sah sich lange dem Vorwurf ausgesetzt, den IS nicht zu bekämpfen. Die Zeiten sind nicht erst seit dem aktuellen Anschlag vorbei: Zwischen der Terrormiliz und der Türkei herrscht Krieg – mit unabsehbaren Folgen.

Ermittlungen nach dem Anschlag

Ist das der Täter der Istanbuler Silvesternacht?

Ermittlungen nach dem Anschlag: Ist das der Täter der Istanbuler Silvesternacht?

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IstanbulDie Terrormiliz Islamischer Staat (IS) fackelt nach Anschlägen normalerweise nicht lange, wenn es darum geht, die Verantwortung zu übernehmen. In der Türkei war das bis vor kurzem noch anders: Der Mord an deutschen Touristen in Istanbul vor einem Jahr, der Angriff auf den Flughafen in der Bosporus-Metropole im Juni und viele weitere Bluttaten schrieb die Regierung dem IS zu - der dazu beharrlich schwieg. Spätestens das Bekennerschreiben zum Angriff auf die Silvesterparty in Istanbul zeigt: Mit der Zurückhaltung des IS in Sachen Türkei ist es in jeder Hinsicht vorbei.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sah sich lange Zeit Vorwürfen aus dem Westen ausgesetzt, Gruppen wie den IS zumindest durch aktives Wegschauen gefördert zu haben. Ausländische Extremisten nutzten die Türkei als Transitraum auf dem Weg nach Syrien, die Grenze war offen. Tatenlos schaute Ankara dabei zu, wie immer größere Teile des Grenzgebiets auf der syrischen Seite vom IS erobert wurden.

Terror in der Türkei: Polizei nimmt nach Anschlag zwei Ausländer fest

Terror in der Türkei

Polizei nimmt nach Anschlag zwei Ausländer fest

Nach dem Anschlag in Istanbul fahndet die Polizei nach dem Täter. Einem Bericht zufolge haben die Behörden zwei Ausländer festgenommen. Die Gattin des mutmaßlichen Attentäters will von dessen IS-Sympathien nichts wissen.

Bis Juli 2015 verweigerte die Türkei den USA die Nutzung der Luftwaffenbasis Incirlik für Angriffe gegen den IS in Syrien. Kritiker bemängelten, dass türkische Behörden auch im eigenen Land bestenfalls verhalten gegen IS-Anhänger vorgingen. Dass der IS sich nicht zu den ihm zugerechneten Anschlägen in der Türkei bekannte, werteten Experten als Versuch, konservativ-sunnitische Teile der Bevölkerung und auch die Behörden nicht übermäßig gegen sich aufzubringen.

Kurz nach einem schweren Anschlag im südosttürkischen Gaziantep im August marschierten türkische Truppen dann aber doch in Nordsyrien ein. Zwar hat die Offensive mittelfristig zum Ziel, die Kurden daran zu hindern, einen eigenen Staat in Nordsyrien auszurufen, der an die Türkei angrenzen würde. Derzeit richtet sich die Operation „Schutzschild Euphrat“ aber vor allem gegen den IS, der inzwischen von der Grenze vertrieben wurde.

Die Kontakte der Türkei zu Terroristen

Sind die Kontakte der Türkei zur Hamas wirklich neu?

Nein. Bereits vor zehn Jahren rollte die türkische Regierungspartei AKP einer Delegation der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas bei einem Besuch in Ankara den roten Teppich aus - sehr zum Verdruss des Westens und Israels, die die Hamas als Terrororganisation sehen. Als Begründung für den Empfang wurde auf den Sieg der Hamas bei der palästinensischen Parlamentswahl im Januar 2006 hingewiesen. Man wolle der dadurch veränderten Lage im Nahen Osten Rechnung tragen und der Hamas „ganz offen die Erwartungen der internationalen Gemeinschaft“ übermitteln, hieß es damals. Hamas-Chef Chaled Maschaal äußerte sich nach dem Treffen - unter anderem mit dem damaligen Außenminister Abdullah Gül - positiv über die Unterstützung der Türkei für die Palästinenser.

Welche Folgen hatten die guten Beziehungen zur Hamas für den Nahost-Konflikt?

Die guten Beziehungen, die die islamisch-konservative Regierung in Ankara mit der im Gazastreifen herrschenden Hamas pflegt, störten immer wieder das ohnehin schwierige Verhältnis zu Israel. Jahrelang belastete der Vorfall um das Hilfsschiff „Mavi Marmara“ die Beziehungen. Israelische Elitesoldaten hatten das Passagierschiff Ende Mai 2010 aufgebracht; zehn Türken an Bord kamen ums Leben. Die Aktivisten hatten trotz Warnungen versucht, eine von Israel verhängte Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen.

Die militärische Zusammenarbeit der beiden Länder endete, die Botschafter verließen ihre Posten und eine tiefe Krise begann. Erst Ende Juni dieses Jahres beendeten Israel und die Türkei die sechsjährige politische Eiszeit und einigten sich auf eine Normalisierung ihrer Beziehungen.

Unterstützt die Türkei in Syrien islamistische Terroristen wie die IS-Miliz?

Die Türkei wehrt sich vehement gegen derartige Behauptungen. Wie es einem Journalisten in der Türkei ergehen kann, der solche Unterstützung belegen will, zeigt der Fall des Chefredakteurs der regierungskritischen Zeitung „Cumhuriyet“, Can Dündar, der diesen Posten gerade aufgegeben hat und sich aus Furcht vor weiterer Verfolgung im Ausland aufhält. Dündar und ein Mitarbeiter wurden für schuldig befunden, geheime Dokumente veröffentlicht zu haben, die türkische Waffenlieferungen an Islamisten in Syrien 2015 belegen sollen.

Wie ist grundsätzlich das Verhältnis der Türkei zum IS?

Die Türkei betrachtet den Islamischen Staat als Terrororganisation. Sie macht den IS auch für zahlreiche Anschläge im Land verantwortlich. Ein Vormarsch der kurdischen Volksschutzeinheiten gegen den IS in Nordsyrien ist der Türkei dennoch ein Dorn im Auge. Die syrischen Kurden kontrollieren ein großes Gebiet an der Grenze zur Türkei. Die Türkei befürchtet, ein weiterer Geländegewinn der syrischen Kurden könnte Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden im eigenen Land befeuern.

Wie sehen deutsche Sicherheitsbehörden das Verhalten der Türkei?

Hinter vorgehaltener Hand hatte es in den vergangenen Jahren in deutschen Sicherheitsbehörden immer wieder Kritik an einer mangelnden Bereitschaft Ankaras zur Mitarbeit im Kampf gegen den IS-Terror in Syrien gegeben. So habe Ankara nicht so genau hingeschaut, wenn Islamisten aus Deutschland oder anderen europäischen Ländern über die Türkei in die Kampfgebiete des IS gereist waren.

In Medienberichten war auch davon die Rede, IS-Kämpfer seien in türkischen Krankenhäusern gesund gepflegt worden. Dazu hieß es in Sicherheitskreisen, solche Vorwürfe seien kaum nachzuweisen, da meist nicht nachvollziehbar sei, auf welcher Seite verletzte Kämpfer zuvor gestanden hätten, wenn sie in türkischen Krankenhäusern behandelt würden.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat alle Vorwürfe zurückgewiesen, die Türkei unterstütze den IS. „Sie sagen, die Türkei kauft ihr Öl, die Türkei gibt ihnen Waffen oder behandelt sogar ihre Verwundeten in Krankenhäusern“, erklärte er schon vor zwei Jahren. „All das steht außer Frage und ist nicht wahr.“

Seit vergangenem Monat toben heftige Gefechte um die vom IS gehaltene Stadt Al-Bab, die den Türken die bislang schwersten Verluste seit dem Einmarsch abverlangten: Mindestens 17 Soldaten kamen ums Leben, türkischen Angaben zufolge wurden weit mehr als 200 IS-Kämpfer getötet. Während der laufenden Kämpfe veröffentlichte der IS kurz vor Weihnachten ein Video, das zeigen soll, wie zwei gefangene türkische Soldaten bei lebendigem Leib verbrannt werden. Beinahe täglich fliegt die türkische Luftwaffe derzeit Angriffe gegen den IS in Nordsyrien, inzwischen auch Hand in Hand mit Russland, Ankaras neuem Verbündeten.

Und auch in der Türkei eskaliert die Gewalt. Am 3. November rief IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi offen zu Anschlägen in dem Land auf. Am Tag danach detonierte in der Kurdenmetropole Diyarbakir eine Autobombe - und erstmals übernahm der IS die Verantwortung für einen Anschlag in der Türkei. In einer bizarren Konkurrenz des Terrors reklamierte die Tat allerdings auch die TAK - eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK - für sich.

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

03.01.2017, 09:04 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

Account gelöscht!

03.01.2017, 09:05 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

Herr F. K.

03.01.2017, 09:15 Uhr

OHHH Mark Hoffmann ist aus dem Urlaub zurück.
So wie sie schreiben wohnen sie nicht in Deutschland.

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