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17.02.2015

15:22 Uhr

Terroranschlag in Dänemark

Attentäter von Kopenhagen war als Radikal bekannt

Der mutmaßliche Attentäter von Kopenhagen war der Polizei und dem Geheimdienst in Dänemark als radikal bekannt. Die Behörden sahen jedoch keine konkrete Anschlagsgefahr von dem Mann ausgehen.

Der mutmaßliche Attentäter von Kopenhagen war der Polizei und auch dem Geheimdienst bekannt. dpa

Terror in Dänemark

Der mutmaßliche Attentäter von Kopenhagen war der Polizei und auch dem Geheimdienst bekannt.

KopenhagenDer dänische Geheimdienst hat eingeräumt, von einer möglichen Radikalisierung des mutmaßlichen Attentäters von Kopenhagen gewusst zu haben. Während einer Haftstrafe des Verdächtigen hätten Strafvollzugsbehörden im September 2014 auf das „Risiko einer Radikalisierung hingewiesen, teilte der Geheimdienst am Dienstag mit. Am Montagabend hatten 30.000 Menschen in der dänischen Hauptstadt die Opfer gewürdigt und ein Zeichen gegen Gewalt gesetzt.

Bei einem Angriff auf ein Kulturzentrum und eine Synagoge waren am Wochenende zwei Menschen getötet und fünf weitere verletzt worden. Der mutmaßliche Täter wurde am Sonntag von der Polizei erschossen. Nach Angaben des Geheimdienstes hatte trotz der Warnung der Strafvollzugsbehörden nichts darauf hingedeutet, dass der Verdächtige konkrete Angriffe plante.

Die Oppositionspartei Venstre forderte eine Untersuchung zu möglichen Versäumnissen der Sicherheitsbehörden. „Haben die Polizei oder der Geheimdienst Fehler gemacht? Das muss geklärt werden“, sagte Venstre-Justizexperte Karsten Lauritzen der Zeitung „Berlingske“.

Aussagen ehemaliger Freunden des mutmaßlichen Attentäters untermauern die Hypothese einer Radikalisierung im Gefängnis. Der Zeitung „Berlingske“ erzählten sie, der 22-Jährige sei nach seiner Haft „völlig verändert“ gewesen. Er habe sich einen Bart wachsen lassen und nur noch über Religion und den Krieg im Gazastreifen diskutiert und über den Traum, „ins Paradies zu gelangen“.

Am Montagabend zogen tausende Menschen durch die Kopenhagener Innenstadt, sie hielten Kerzen in den Händen und legten Blumen an den Tatorten nieder. Das jüdische Opfer, ein 37-jähriger Wachmann, wird nach Angaben der jüdischen Gemeinde am Mittwoch in Koppenhagen beigesetzt.

An dem Ort im Stadtteil Nörrebro, an dem die Polizei den mutmaßlichen Attentäter erschossen hatte, räumten vier vermummte junge Männer mit Kapuzen und bedeckten Gesichtern die Blumen weg, die dort niedergelegt worden waren, da es „nicht dem Islam entspricht“, Blumen für Tote niederzulegen. „Das war ein guter Mann“, sagte einer der Männer über den Täter. „Das war kein Terrorist. Die Terroristen sind Dänemark, die USA und Israel.“

Das ist der mutmaßliche Attentäter von Kopenhagen

Das ist offiziell bestätigt

Nach den Terroranschlägen von Kopenhagen werden mögliche Motive des arabischstämmigen Attentäters langsam klarer. Die Polizei hat bisher lediglich bestätigt, dass der Täter 22 Jahre alt war, in Dänemark geboren wurde und einige Vorstrafen hatte. Dänische Medien veröffentlichten weitere Details.

Herkunft

Name: Omar Abdel Hamid el-Hussein. Laut „Politiken“ sind seine Eltern Palästinenser.

Vorstrafen

Bekannte Vorstrafen: Verstoß gegen das Waffengesetz, gefährliche Körperverletzung. Nach einem Messerangriff kam El-Hussein erst vor wenigen Wochen aus dem Gefängnis frei. Außerdem rauchte er Freunden zufolge Haschisch, was ihn in Verbindung zu Drogenkriminellen brachte.

Verbindung zum IS

Laut „Politiken“ betrachtete El-Hussein Palästina als seine zweite Heimat und äußerte sich hasserfüllt über Juden und Israel. „Berlingske“ zufolge wollte sich El-Hussein in Syrien der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anschließen.

Extremismus

Im Gefängnis sei er Behörden aufgefallen, weil er 39 Mal extremistische Einstellungen geäußert habe, meldete die Nachrichtenagentur Ritzau.

Reizthema

Mitschüler und Freunde beschreiben ihn als Einzelgänger, der bisweilen unbeherrscht war – besonders beim Thema Palästina. Sein Anwalt zeigt sich außerordentlich überrascht von den Terrorvorwürfen.

(Aus)Bildung

El-Hussein besuchte ein Zentrum für Erwachsenenbildung im Kopenhagener Vorort Hvidovre.

Interessen

Thai-Boxen, Kameraden beschreiben ihn als sehr eifrig.

Drei Tage nach dem Anschlag ist die Polizei weiter massiv im Einsatz. Nach dem Fund eines verdächtigen Briefs wurde kurzzeitig die Umgebung des Kulturzentrums abgeriegelt, das am Samstag von dem Attentäter angegriffen worden war. Nachdem kein Sprengstoff gefunden wurde, wurde die Absperrung nach kurzer Zeit wieder aufgehoben.

Am Montag waren zwei Verdächtige unter dem Vorwurf in Untersuchungshaft genommen worden, den Attentäter unterstützt zu haben. Am Dienstag nahm die Polizei im Stadtteil Mjölnerparken, aus dem auch der mutmaßliche Attentäter stammte, einen Mann in Gewahrsam. Sie wollte sich zunächst nicht dazu äußern, ob es eine Verbindung mit den Anschlägen gab.

Von

afp

Kommentare (2)

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Herr Wolfgang Trantow

17.02.2015, 16:09 Uhr

Dänen trauern um die Opfer des Islams. Deutschland? Wir unterstützen und fördern immer mehr den Islam durch Frau Merkel und Hr. Gauck! Steht Deutschland deshalb bald vor dem Gerichtshof wegen aktiver Unterstützung vom Terror?

Herr Peter Spiegel

17.02.2015, 16:18 Uhr

Ich hoffe dach die beiden Herrschaften, außerdem ist da noch ein Krieg,
da wäre Nürnberg zuständig.

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